Jahreszeiten

Frühlingslieder

Der Mai - Lieder, Bräuche, Fröhlichkeit

Von Christa Schyboll

Der Mai bringt nicht nur Frische in unser Leben, sondern auch eine ganze Menge Feste, Bräuche und Streiche. Vor allem aber wird dieser Monat des Erblühens seit Jahrhunderten mit vielen wundervollen Liedern besungen, die neuen Schwung ins Leben bringen. Mit voller Wucht ist der Wonnemonat plötzlich da: Der Mai ist gekommen und beschert uns häufig schon ein Ahnen auf den heißen Sommer.

Selbst die Hähne krähen es vor Freude auf dem Mist, dass es endlich soweit gekommen ist: Im Maien hört man die Hahnen krähen

Die Zeit der Volksfeste bricht an und altes Kulturgut wird von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt neu verlebendigt. Die Mädchen werden besungen mit Liedern wie Drauß ist alles so prächtig die Blumen und die Liebe. Häufig flattern auch Hormone von Jung und Alt beseelt über die Tanzböden, wie die ersten bunten Schmetterlinge in den erblühenden Gärten. Die Maibowle tut ihr übriges, um die Stimmung zu heben. Keiner mag sich dem Neuen entziehen, dass im Monat Mai ein neues Stelldichein zwischen Mensch und Natur beschert, denn Alles neu macht der Mai.

Maibuben und Maihexen, Maibäume und Maibowlen sind nur einige von vielen Zeugnissen, dass dieser Wonnemonat die Menschen zu besonderen Taten drängt, die in uraltem Brauchtum beheimatet sind. Eine der ältesten Traditionen ist der geschmückte Maibaum, der in den Dörfern aufgestellt wird. Um ihn herum wurden früher häufig die Maientänze aufgeführt und gesungen wovon das Lied Im Maien erzählt.

Es versteht sich von selbst, dass die Gemeinden darum wetteiferten, den größten und schönen Maibaum der Gegend zu haben. Nicht selten kommt es bis heute noch zu Maibaum-Diebstahl. Eine Bewachung tut mancherorts Not. Das ungeschriebene Gesetz der Tradition fordert jedoch von den Dieben eine gehörige Menge Bier für diesen Frevel, falls dieser gelingt.

In einer Reihe von Bundesländern gibt es jedoch nicht nur den Dorf- oder Gemeindemaibaum sondern auch den privaten Maibaum, den junge Männer an das Haus der Liebsten stellen. Das können sowohl Einzelpersonen oder Freundescliquen sein. Oft sind es die Junggesellenvereine der Dörfer, die dieses Maibaumsetzen organisieren. Den Teilnehmern steht oft eine turbulente Nacht bevor, die mit viel männlicher Holzfäller- und Aufbauarbeit verbunden ist. Die Birke ist der bevorzugte Baum. Bekommen die Mädchen jedoch eine Tanne oder einen jungen Kirschbaum, so müssen sie sich Gedanken um ihren guten Ruf machen.

Feinen Beobachtungen nach erfüllt die Maienzeit nicht nur Pflanzen und Menschen mit neuen Kräften, sondern auch die Fauna der Natur schmettert ihre Lieder, wie Lerchen oder die Nachtigal: Da draußen zum Wald. Und wo es die Vögel nicht tun, gesellen sich auch gerne Fuchs und Esel zum Sängerwettstreit und stimmen ihre Lieder an: Der Kuckuck und der Esel

Manchmal muss man dem Schatz jedoch auch ade sagen, obschon noch lustige Tage bevorstehen. Davon erzählt das Lied Jetzt kommen die lustigen Tage. Das Wiedersehen kann dann umso herzlicher gefeiert werden. In welchem Monat auch immer.