Jahreszeiten

Winterlieder

Winterfreude

Von Christa Schyboll

Denken wir an den Winter, wird es uns still ums Herz. Schnee, der leise fällt, kommt uns ebenso in den Sinn, wie die Advents- und Weihnachtzeit mit dem Jahreswechsel. Und eine kleine Weile noch, dann sagen wir schon wieder: "Winter ade! Scheiden tut weh! Aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht" wie von Hoffmann von Fallersleben 1835 in seinem Winterlied textete.

Doch zuvor hat es kräftig zu schneien, damit wir den Winter auch als solchen in unserem Gemüt erleben. Und auch Väterchen Frost hat seine Aufgabe für eine Reihe von Schädlingen in der Natur noch zu erfüllen. Matthias Claudius textete 1782 "Der Winter ist ein rechter Mann" und beschreibt ihn in seinen damals noch typischen Eigenschaften.

Lange Zeit war der Winter eine relativ stabile Größe sowohl im Klima wie auch im lokalen Wetter. Frost und Schnee stellten sich zumeist auf der nördlichen Halbkugel in den Monaten von Ende November bis Anfang März doch noch relativ sicher zur rechten Zeit ein und die Natur fiel in den Winterschlaf. Mal war die weiße Pracht länger, mal kürzer. Selten jedoch blieb der typische Winter so ganz aus. Doch diese alten, wenngleich auch nicht immer ganz regelmäßigen Rhythmen, weichen immer mehr durch die Veränderungen des globalen Klimawandels auf.

So manches schöne Winterlied, wie beispielsweise A, a, a, der Winter, der ist da! und Der Winter ist ein rechter Mann oder das von Kindern gern gesungene A B C, die Katze lief im Schnee erzählt uns aber noch von einer Zeit, wo das Bauen von Schneemännern mit den Kohle-Augen und der roten Möhrennase, lustige Schlittenfahrten und verträumt-verschneite Waldwege häufiges Erleben war. Heute wäre es angesichts sauber klimatisierter und bequem beheizter Räume schon schwierig, Kohlestücke für einen Schneemann aufzutreiben.

Doch noch ist dieser Zauber nicht ganz verschwunden, wenngleich eine Option auf die Sicherheit von "leise rieselndem Schnee" von keinem Experten mehr gegeben werden mag. Und beobachten wir heute immer weniger heimische Vögel an den winterlichen Futterplätzen in den eigenen Gärten, so ist auch das ein bedenkliches Zeichen einer großen und zugleich leise, schleichenden Umwälzung in der Natur zu Lasten der Kreatur.

Von Winterfreude zur Frühlingssehnsucht

In der Volksweise Es saß ein klein wild Vögelein auf einem grünen Ästchen hören wir noch von unseren gefiederten Mitbewohnern und ihrem winterlichen Gesang. Er ist heute nicht mehr so selbstverständlich zu vernehmen als dazumal. Doch erscheinen die possierlichen Tiere, wird es uns inmitten der Kälte warm ums Herz.

Gleichzeitig erfahren immer mehr andere Orte auf unserem Planeten einen Extremwinter der Kälte und/oder auch der Wärme nach. Während es im sonst üblich-frostigen Alaska im Winter mittlerweile immer häufiger zu Plusgraden kommt und die Tundren der Welt ihren Permafrost verlieren, klagen zugleich südlichere Staaten beispielsweise in Amerika über einen Extremfrost mit Werten von unter 40 Grad Celsius, auf den sie nicht eingestellt sind. Der Wandel vollzieht sich immer rascher. Auch so manches Mittelmeerland leidet im Winter unter Eis und Schnee, wenn zugleich in Mitteleuropa die Sonne scheint und es mitten im Winter örtlich auf 17 warme Grad Celsius zum Jahreswechsel bringt.

Alles hat seine Zeit. Und haben wir den Winter lange genug in seiner typischen Kälte erlebt, so streben Mensch und Natur nach Veränderung. "So treiben wir den Winter aus, durch unsere Stadt zum Tor hinaus und jagen ihn zuschanden" mag so manchem dabei einfallen, den es nun wieder nach draußen zieht. Waren es früher die Felder, die mit der ersten Märzensonne die Menschen hinter dem warmen Ofen hervorlockten, mögen es heute die Joggingwege im Wald und zwischen den Äckern sein, die von den ersten Boten des Frühlings künden: "Der Frühling hat sich eingestellt" mag uns Hoffmann von Fallersleben auch mit diesem Lied zurufen!

Die Jahreszeiten sind uns alle lieb. Noch lässt uns die Natur die schöne Volksweise Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder singen und uns dabei Freude an der Unterschiedlichkeit unserer vier Jahreszeiten empfinden. Hüten wir alle dieses sensible Zusammenspiel von Mensch und Natur durch Weisheit und verantwortliches Handeln, damit wir nach dem Winter Nun will der Lenz uns grüßen frohgemut singen können.