Wohlauf in Gottes schöne Welt

Julius Levy

Musiknoten zum Lied Wohlauf in Gottes schöne Welt

Liedtext

Wohlauf in Gottes schöne Welt,
lebe wohl, ade!
Die Luft ist warm und grün das Feld,
lebe wohl, ade!
Die Berge glüh'n wie Edelstein,
ich wandre mit dem Sonnenschein,
|: lalalala, lalala,
ins weite Land hinein! :|

Du traute Stadt am Bergeshang,
lebe wohl ade!
Du hoher Turm, du Glockenklang,
lebe wohl ade!
Ihr Häuser alle, wohlbekannt,
noch einmal wink' ich mit der Hand,
|: lalalala, lalala,
und nun seitab gewandt! :|

An meinem Wege fließt der Bach,
lebe wohl, ade!
Der ruft den letzten gruß mir nach,
lebe wohl, ade!
Ach Gott, da wird's so eigen mir,
so milde weh'n die Lüfte hier,
|: lalalala, lalala,
als wär's ein Gruß von dir! :|

Ein Gruß von dir, du schönes Kind,
lebe wohl, ade!
Doch nun den Berg hinab geschwind,
lebe wohl, ade!
Wer wandern will, der darf nicht steh'n,
der darf niemals nach hinten seh'n,
|: lalalala, lalala,
muß immer weiter geh'n! :|

Herkunft

Als Textdichter des Wanderlieds Wohlauf in Gottes schöne Welt wird in manchen Liederbüchern Julius Levy angeben, in anderen Julius von Rodenberg. Dem Schriftsteller Levy, geboren 1831 in Rodenberg (bei Hannover), wurde von einem väterlichen Freund geraten, seinen Namen ändern zu lassen. Diese Namensänderung wurde von Levys Landesherrn, den Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel, 1855 erlaubt.

Den Text des Abschiedslieds hatte Rodenberg bereits als Gymnasiast mit 19 Jahren gedichtet, und zwar auf die Melodie Als ich an einem Sommertag (erste bekannte Veröffentlichung in Kretzschmer / Zuccalmaglio, Deutsche Volkslieder und ihre Original-Weisen, 2. Teil, 1840). Die uns heute bekannte Melodie ist eine »von der frühen Jugendbewegung zurechtgesungene Fassung der seit 1820 in Franken volkstümliche Weise« (vgl. Theo Mang, Der LiederQuell, 2015, S. 226).

Liedbetrachtung

Ähnlich wie im 1822 entstandenen Wanderlied von Eichendorff Wem Gott will rechte Gunst erweisen und im Gedicht von Emanuel Geibel Wer recht in Freuden wandern will (von 1839) beschreibt Rodenberg die von Gott geschaffene schöne Natur. Vergleicht man die geradezu schwärmerische Schilderungen der Natur, so ist zurecht davon auszugehen, dass die beiden Gedichte ihn zu Wohlauf in Gottes schöne Welt inspiriert haben.

Das Lob Gottes bei Eichendorff- Gott erweist dem Wanderer seine Wunder »in Berg und Wald und Strom und Feld« und will »Bächlein, Lerchen, Wald und Feld und Erd und Himmel erhalten« wird bei Geibel fortgesetzt »Wald und Blumen nah und fern und der helle Morgenstern sind Zeugen von seinem Lieben«.

Auch bei Rodenberg wird die »schöne Welt« Gottes gelobt. Der mit dem »wohlauf« verbundenen Aufforderung zu wandern, ist das lyrische Ich bereits selbst nachgekommen. Es wandert den ganzen Tag (»mit dem Sonnenschein«) und freut sich an der warmen Luft und an den grünen Feldern und nimmt dankbar die Pracht der Berge und den am Wege fließenden Bach wahr.

Das in jeder Strophe gesungene »lebewohl, ade« deutet an, dass es sich nicht um eine kurze Wanderung handelt. Dafür spricht auch das Abschiednehmen von manchem Vertrauten, wie der Stadt, dem Turm mit seinem Glockenklang und den Häusern in den Straßen, durch die der Wanderer einst schritt. Vielleicht handelt es sich um einen Handwerksgesellen, der, nachdem er einige Monate in einem Meisterbetrieb der besungenen »Stadt am Bergeshang« gearbeitet hat, zum einem anderen Meister weiterziehen muss, um nach drei Jahren und einem Tag - wie damals üblich - schließlich seinen Meister machen zu dürfen (vgl. Liederarchiv: Das Wandern ist des Müllers Lust, Muss i denn zum Städtele hinaus und Am Brunnen vor dem Tore).

Es könnte sich aber auch um einen Studenten handeln, der nach einigen Semestern die Universität wechseln will, wie es auch Rodenberg getan hat, der sein Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg begonnen, in Marburg fortgesetzt und schließlich in Berlin abgeschlossen hat.

Mit einem »lebewohl, ade« verabschiedet sich der junge Mann auch von seiner Liebsten. Der Abschied scheint ihm nicht leicht zu fallen, daher spricht er sich selbst Mut zu: »Wer wandern will … muss immer weiter gehn!«

Rezeption

»Der Text« des Gedichts Wohlauf in Gottes schöne Welt »steht 1852 in der Sammlung von Julius von Rodenberg«, so der Liedersammler Theo Mang (LiederQuell). Leider hat Mang die Sammlung nicht benannt. In Rodenbergs ersten Werken wie Gemischte Sonette (1851), Dornröschen und Lieder (1854) habe ich es nicht gefunden. Die Volksliedforscher Lutz Röhrich, Rolf Wilhelm Brednich und Ernst Klusen haben das Abschieds- und Wanderlied ebenso wenig in ihre jeweils zwei Bände umfassenden Liedersammlungen aufgenommen wie Heinz Rölleke in Das große Buch der Volkslieder.

In den mir im Internet zugänglichen Archiven und in Privatbibliotheken ist es dagegen in über 220 Liederbüchern vertreten.

Die erste mir bekannte Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 1869 aus der Schweiz: Volksgesänge für gemischten Chor. In Deutschland ist Rodenbergs Gedicht im 19. Jahrhundert nur im von Ludwig und Friedrich Erk herausgegebenen Chorbuch des Sängerhains (2. Teil 1899) zu finden.

Betracht man die Anzahl der Liederbücher mit Wohlauf in Gottes schöne Welt von 1908 bis 1932, so kann man geradezu von einem Rezeptionsboom sprechen. Dazu beigetragen haben vor allem zunächst die Wandervögel und später die gesamte Jugendbewegung und die zahlreichen Chöre. Im Durchschnitt gesehen, kamen in einem Jahr zwei Liederbücher heraus.

In der Zeit des nationalsozialistischen Regimes konnten auf Grund des Konkordats zwischen Vatikan und Hitler-Regierung als nicht NS-beeinflusste Liederbücher noch 1935 die Sammlung der katholischen Pfadfinder St. Georg - Lieder deutscher Jugend und 1940 sogar in der 7. Auflage das Liederbuch - Sammlung mehrstimmiger Lieder für katholische Kreise erscheinen. Ansonsten ist das Lied in zahlreichen Schulbüchern und in einigen wenigen NS Liederbücher, wie Die Fahne hoch - Liederbuch für den Arbeitsdienst (1934) vertreten.

In der Zeit von 1946 bis 1959 übertraf die Anzahl der Liederbücher mit Rodenbergs Lied den oben beschriebenen Verbreitungsboom. Durchschnittlich kamen alle zwei Jahre 5 Liederbücher heraus.

Wie in dieser Zeit wurde auch von 1960 - 2013, geht man von den Liederbüchern aus, das Lied in allen Bevölkerungsschichten gesungen, darunter auch in Bundeswehr und von österreichischen Soldaten. Besonders bei Jugendgruppen war es beliebt, z.B. in evangelischen und katholischen Kreisen, bei der Wander- und Bergsteigerjugend, bei Wald- und Landjugend, Turner- und Sportjugend und bei den Pfadfindern.

Georg Nagel, 8.9.2020