Häschen in der Grube

Friedrich Fröbel (1840)

Musiknoten zum Lied Häschen in der Grube

Liedtext

Häschen in der Grube
saß und schlief.
Armes Häslein, bist du krank,
dass du nicht mehr hüpfen kannst?
Häschen hüpf!

Häslein in der Grube
nickt und weint.
Doktor komm geschwind herbei
und verschreibe ihm Arnzei.
Häschen schluck!

Häslein in der Grube
hüpft und springt.
Häschen bist du schon kuriert?
Hui das rennt und galoppiert!
Häschen hopp!

Das frühkindliche Lied Häschen in der Grube gehört wie Wer will fleißige Handwerker seh'n oder Backe, backe Kuchen zu den beliebten Sing- und Bewegungsspielen in Kindergärten und Vorschulen. Die Melodie geht auf eine traditionelle Vorlage aus dem 18. Jahrhundert zurück; sie entspricht dem Volkslied Wer die Gans gestohlen hat, der ist ein Dieb (vgl. Heinz Rölleke: Das große Buch der Volkslieder), das Ernst Anschütz 1824 in überarbeiteter Form zu Fuchs, du hast die Gans gestohlen verarbeitet hat.

Der Text stammt von Friedrich Fröbel, dem Pädagogen und Gründer der Kindergärten, der 1840 sein Häschen in der Grube an dem bereits im 18. Jahrhundert bekannten Singspiel Nix in der Grube orientiert hat.

Bei Fröbel lautet die dritte Strophe:

Häschen, vor dem Hunde
hüte dich, hüte dich.
Hat gar einen scharfen Zahn,
packt damit mein Häschen an.
Häschen lauf, Häschen lauf, Häschen lauf.

Bei diesem Bewegungsspiel stehen die Kinder im Kreis. Ein Kind ist das Häschen und versteckt sich in einer Ecke, hinter einem Vorhang oder unter einem Tisch. Ein anderes Kind schnüffelt als Hund herum, bis es das Häschen aufstöbert. Das Häschen flieht in den Kreis, der Hund versucht es zu kriegen. Schafft es das Häschen aus dem Kreis zu fliehen, indem zwei Kinder es rauslassen, ist dieses Spiel aus. Es werden zwei andere Kinder als Häschen und Hund bestimmt, ein neues Spiel beginnt.

Fröbel führte sein Lied als Singspiel in seinen Kindergärten ein und lehrte es den von ihm ausgebildeten Erzieherinnen.

Zur ersten und zweiten Strophe gibt es ebenfalls ein Bewegungsspiel: Das Häschen liegt jammernd auf einer Decke auf dem Fußboden. Ein Arzt wird geholt, der dem Häschen eine Arznei gibt und es wieder gesund macht. Danach hüpft das Häschen im Kreis herum, wird ganz zutraulich und lässt sich von den anderen Kindern streicheln.

Heute wird es (nach Rölleke) vor allem in der folgenden Variante gespielt: Die im Kreis aufgestellten Kinder kauern sich um ein in der Mitte hockendes Kind nieder, das sich mit den Händen die Augen bedeckt, und singen. Bei den Worten "Häschen hüpf!" springt das Kind in der Mitte auf und verfolgt die Fliehenden. Das Kind, das eingefangen wird, muss nun das Häschen sein.

Rezeption

Mit dem Entstehen der Kindergärten in ganz Deutschland wurde Häschen in der Grube in allen deutschen Landen populär. Dazu leisteten einen besonderen Beitrag das seit 1842 weit verbreitete Fliedners Liederbuch des Pfarrers und Gründers der Kaiserwerther Diakonie Theodor Fliedner und Die deutschen Volkslieder (1850) von Karl Simrock.

In weiteren Liedersammlungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden einige Strophen variiert oder auch hinzugedichtet, z.B.

Häslein hinter ‘n Bäumen
nickt und lacht, nickt und lacht
Liebes Häslein nicht so schnell,
nimm mich mit zum frischen Quell,
Häslein hüpf! Häslein hüpf!

Nachdem das Lied 1908 in ein Liederbuch für die Grundstufe und später in weitere Schulliederbücher aufgenommen wurde, setzte sich die Popularität im 20. Jahrhundert fort. Weitere Kinderliederbücher mit manchmal hohen Auflagen folgten, wie z.B. Alte deutsche Kinderlieder (1910 16. - 20. Tsd., 1925 21. - 40. Tsd.) und Liederborn (etwa 1930, 7. Auflage).

Unbeschadet überstanden Singspiel und Lied die Nazizeit einschließlich der Jahre des Zweiten Weltkriegs.

Außer in zahlreiche Kinderliederbücher fand das Lied Aufnahme auch in die bedeutenden Volksliedsammlungen der renommierten Liedforscher Ernst Klusen (Deutsches Lied, 2 Bände, 51. - 100. Tsd. 1981) und Heinz Rölleke (Das große Buch der Volkslieder, einer weit verbreiten Lizenzausgabe des Bertelsmann Verlags 1993).

Der Katalog des Deutschen Liederarchiv Leipzig weist neben 144 Notenausgaben auch 77 Tonträger, von der Langspielplatte bis zur CD, auf. Hauptsächlich wird das Lied von Kinderchören gesungen, u.a. von den Schaumburger Märchensängern und den Wiener Sängerknaben. Auch der Bariton Hermann Prey, der Tenor Rudolf Schock und die Sopranistin Anneliese Rothenberger haben das "Häschen" ebenso interpretiert wie die Schlagersängerinnen Mary Roos und Nena.

Außerdem sind im Archiv zwölf Bilderbücher mit dem Titel Häschen in der Grube vorhanden, darunter eines von Janos, ferner drei Fachbücher und sogar ein Kriminalroman.

Wie populär das Lied nach wie vor ist, zeigen auch die zahlreichen Videos bei YouTube und die Verfilmungen mit dem gleichnamigen Titel: Unter der Regie von Roger Fritz entstand 1968 ein Spielfilm, 2004 kam ein deutscher Kurzfilm auf einem Filmfestival in Turin auf den ersten Platz und 2008 handelte ein Tatort von Kindern, die als Versuchskaninchen bei Medikamentenstudien missbraucht werden.

Georg Nagel, 15.10.2017