Volkslieder Kinderlieder

Weißt du, wie viel Sternlein stehen

Wilhelm Hey (1837)

Weißt du, wie viel Sternlein stehen ist ein Kinderlied. Es wurde vom evangelischen Pfarrer Wilhelm Hey 1837 als Gute-Nacht-Lied gedichtet, das auch als Wiegenlied kleinen Kindern vorgesungen werden kann.

Musiknoten zum Lied Weißt du, wie viel Sternlein stehen

Liedtext

Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viele Wolken gehen
weit hin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
daß ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl,
an der ganzen großen Zahl.

Weißt du, wie viel Mücklein spielen
in der heißen Sonnenglut?
Wie viel Fischlein auch sich kühlen
in der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
daß sie all ins Leben kamen,
daß sie nun fröhlich sind.

Weißt du, wie viel Kinder frühe
stehn aus ihren Bettlein auf,
daß sie ohne Sorg' und Mühe
fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an Allen
seine Lust, sein Wohlgefallen,
kennt auch dich und hat dich lieb.

Weitere

Kinderlieder

Wilhelm Hey (1789 -1854) war Pfarrer in Thüringen, der auch gern Bibelstunden mit Kindern abhielt. Und so dichtete er 1837 das zum Volkslied gewordene Kinderlied Weißt du, wie viel Sternlein stehen? Gemäß den Volksliedforschern Ernst Klusen und Heinz Rölleke geht die Melodie zurück auf das alte Geburtstagslied So viel Stern am Himmel stehen (um 1800) bzw. das soldatische Abschiedslied O, Deutschland, ich muss marschieren (1809). Hey war zugleich Fabel- und Lieddichter; auch das berühmte Weihnachtslied Alle Jahre wieder stammt von ihm.

Nachdem Weißt du, wie viel Sternlein stehen noch im selben Jahr der Entstehung in Heys Zweiter Sammlung für Kinder Funfzig neue Fabeln veröffentlicht wurde, erschienen noch im 19. Jahrhundert zahlreiche Nachdrucke, die das Gute-Nacht-Lied in ganz Deutschland populär machten.

Hey hat das Abendlied speziell für Kinder gedichtet; das ist bereits an den Verkleinerungen Sternlein, Mücklein, Fischlein und Bettlein zu erkennen. Im ersten Vers werden zwei rhetorische Fragen nach der Anzahl der Sterne und der Wolken gestellt. Die Frage: "Wie viel Sterne gibt es?" hören heute noch viele Eltern oder Großeltern von ihren Kindern bzw. Enkelkindern. Doch die Antwort weiß nur Gott, der Schöpfer selbst. "Er zählt die Sterne und nennt alle beim Namen" (Psalm 147, Vers 4) und nur der Herr ist "so weise", dass er "die Wolken zählen" kann (vgl. Hiob 38, Vers 37).

Auch der 2. Strophe ist zu entnehmen, dass Wilhelm Hey die Bibel gut kannte. Hier bezieht er sich auf Jesaja 40, Vers 26, in dem es heißt: "Wer hat solche Dinge geschaffen? … Er ruft sie alle mit Namen…", die Mücklein exemplarisch für die Tiere in der Luft, die Fischlein für die Tiere im Wasser (die Tiere auf dem Erdboden dürfen wir uns dazu denken). Und als frommer Christ gibt Hey gleich die Antwort: "Gott, der Herr" rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen (vgl. die Schöpfungsgeschichte, 1. Moses 1, Verse 24 und 25).

In der letzten Strophe dürfte Pfarrer Hey die soziale Lage der Kinder zu optimistisch gesehen haben, angesichts der immer noch herrschenden Kinderarbeit ist es wohl nur eine Minderheit gewesen, die sorglos aufgestanden ist und "fröhlich im Tageslauf" war. Aber sein Gottvertrauen auf bessere Zeiten ist groß, und er selbst hat sich sozial engagiert und sich um sozial Schwache, besonders um deren Kinder, gekümmert. So spendet er hier christlichen Zuspruch, indem er auf Gott verweist, der "an Allen" seine Freude hat. Und dann spricht er jedes Kind an und sagt ihm, dass Gott es kennt und liebhat.

"Das Kinderlied vom Gottvertrauen", wie der Volksliedforscher Heinz Rölleke es nennt, besingt, dass alles, was existiert, in Gottes Hand liegt (vgl. das Spiritual He‘s got the whole world in his hands). Den Kindern, denen es als Wiegenlied vorgesungen wird, soll es sagen, dass sie sich nicht sorgen müssen, dass – wie es auch in Nun Brüder eine gute Nacht heißt – der "Herr im hohen Himmel wacht" und sie beruhigt einschlafen können.

Georg Nagel, 19. April 2016