Was ist das doch ein holdes Kind

Das Weihnachtslied Was ist das doch ein holdes Kind dichtete Louise Hensel.

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Musiknoten zum Lied - Was ist das doch ein holdes Kind

Was ist das doch ein holdes Kind
das man hier in der Krippe find't?
Ach, solch ein süßes Kindelein,
das muss gewiss vom Himmel sein.

Die Frau, die bei der Krippe kniet,
und selig auf das Kindlein sieht,
das ist Maria fromm und rein;
ihr mag recht froh im Herzen sein.

Der Mann, der zu der Seite steht,
und still hinauf zum Himmel fleht,
das muss der fromme Josef sein,
der tut sich auch des Kindleins freun.

Und was dort in der Ecke liegt
und nach dem Kindlein schaut vergnügt,
ein Öchslein und ein Eselein,
das mögen gute Tierlein sein.

Und die dort kommen fromm und gut
mit langem Stab und rundem Hut,
das ist der Hirten fromme Schaar,
die bringen ihre Gaben dar.

Und was den Stall so helle macht,
und was so lieblich singt und lacht,
das sind die lichten Engelein,
die schaun zu Tür und Fenster ein

Und die da kommen ganz von fern
und gläubig schauen nach dem Stern,
das werden wohl die Weisen sein
mit Weihrauch, Gold und Spezerein.

Und ob dem Stalle flammt der Stern,
der leuchtet nah und leuchtet fern;
er leuchtet auch durch unsre Zeit
und leuchtet bis in Ewigkeit.

Sei hochgelobt, du dunkle Zell!
Durch dich die ganze Welt wird hell.
Klein Kindlein in Mariens Schoß,
wie bist du so unendlich groß.

Das Weihnachtslied Was ist das doch ein holdes Kind schrieb die Dichterin Luise Hensel, die von 1798 bis 1876 lebte, im Jahr 1871. Hensel, der wir auch das Schlaflied Müde bin ich, geh' zur Ruh' verdanken, war als religiös-moralische Dichterin bekannt, die sich mit christlichen Themen befasste und ihr Leben als eine lebenslange Wallfahrt betrachtete. Die Melodie komponierte Heinrich Sermond ebenfalls im Jahr 1871.

Luise Hensel überschrieb ihr Gedicht mit »Krippenlied« und erzählt in diesem religiösen Werk von der Geburt des Jesuskinds. Sie wählt dafür jedoch sanfte Worte und einen besinnlichen Tonfall. Geistliche Floskeln sucht man vergeblich in diesem Werk. Vielmehr formuliert Hensel beinahe zärtlich mit Gefühlen von Ehrerbietung und Wunder die Geschichte von der Geburt Christi.

Luise Hensel vermittelt ihre Botschaft mit klarer und einfacher Sprache und dennoch nachdrücklich. Sie beschreibt die verschiedenen Elemente der traditionellen Szene in einer Art und Weise, dass ein Gefühl der Ehrfurcht aufkommt. Man fühlt sich in den Stall versetzt, lauschend wie ein kleines Kind, dem »die gute Tante Louise« eine zauberhafte Geschichte von Weihnachten mit einer Krippe im Stall sowie Hirten, Ochs und Esel und einem Christkindlein erzählt.

Luise Hensel lebte in der Zeit des Biedermeier, der Epoche, in der die industrielle Revolution Fahrt aufnahm, wo Fabriken errichtet wurden und der Arbeitsrhythmus der Maschinen zum Taktgeber für die Tagesplanung der Fabrikarbeiter avancierte. Hensel erlebte auch mit, wie die Menschen sich angesichts des industriellen Fortschritts und der damit einhergehenden materiellen Verbesserungen langsam begannen, sich von Kirche und Glauben zu entfernen. Mit ihrem Gedicht vom holden Kind in Bethlehem rückte sie aber den Blick der Menschen wieder so auf das Weihnachtsfest, dass nicht Christbaum, Kerzen und romantische Gefühlsduselei im Vordergrund standen, sondern das die Geburt Jesu als Kernelement der Weihnachtsgeschichte erlebt wurde.

Was ist das doch ein holdes Kind - für Luise Hensel war das keine Frage, sondern eine Festellung.

Tom Borg, 13. Oktober 2023

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