Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Volkslied (19. Jh.)

Volksweise (19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Liedtext

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider;
grün, grün, grün ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so grün ist,
weil mein Schatz ein Jäger ist.

Rot, rot, rot sind alle meine Kleider,
rot, rot, rot ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles was so rot ist,
weil mein Schatz ein Reiter ist.

Blau, blau, blau sind alle meine Kleider,
blau, blau, blau ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles was so blau ist,
weil mein Schatz ein Matrose ist.

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider,
schwarz, schwarz, schwarz ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles was so schwarz ist,
weil mein Schatz ein Schornsteinfeger ist.

Weiß, weiß, weiß sind alle meine Kleider,
weiß, weiß, weiß ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles was so weiß ist,
weil mein Schatz ein Müller ist.

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider,
bunt, bunt, bunt ist alles was ich hab.
Darum lieb ich alles was so bunt ist,
weil mein Schatz ein Maler ist.

Karaoke

Entstehung und Verbreitung

Wer den Text des Kinder- und Spiellieds Grün, grün, grün ind alle meine Kleider verfasste, ist nicht überliefert. Das Lied stammt vom Anfang des 19. Jahrhunderts - und im Laufe des Jahrhunderts ist diese oder jene Strophe weggefallen oder dazu gekommen.

Hoffmann von Fallersleben dokumentierte in seinen Schlesische Volkslieder (1842, Lied 77, S. 104) gleich 3 Melodievarianten zu einem ähnlich lautenden Text mit dem Titel Liebe in allen Farben. In der heutigen Fassung erschien das Lied 1890 in Deutsche Volkslieder (Johann Lewalter: Deutsche Volkslieder. In Niederhessen aus dem Munde des Volkes gesammelt, mit einfacher Klavierbegleitung, geschichtlichen und vergleichenden Anmerkungen. 5 Hefte in einem Band. Hamburg 1890–94, Heft 2, S. 60 f.).

Die Melodie beruht auf einer alten Volksweise. Als Region der Entstehung wird in den Liederbüchern hauptsächlich Pommern genannt, aber auch die Regionen von Westfalen bis Lothringen, vom Saarland bis Franken. Dies zeigt, dass es in fast ganz Deutschland bekannt war.

In der Zeit vor 1933 erschien das Lied in zahlreichen Liederbüchern, z.B. 1910 in der Odenwälder Spinnstube - 300 Volkslieder aus dem Odenwald oder 1928 Ringel Rangel Rosen - 150 Singspiele.

Während des Nazi-Regimes wurde das Lied nur in wenige Liederbücher aufgenommen. Für die Nazis erschien das Lied über Berufe und Farben für die frühe Wehrerziehung im Sinne des Nationalismus nicht geeignet. Daher ist die einzige Veröffentlichung einer NS-Organisation mit dem Lied das Liederblatt der Hitlerjugend - Sonderausgabe für Jungmädel.

Ab 1947 taucht das Lied in Schul- und Kinderliederbüchern und vor allem in zahlreichen Chorliederbüchern auf. Noch 2011 und 2014 kamen neue Liederbücher mit dem Lied heraus: Lieder der Franken und Alte und neue Kinderlieder.

Im Katalog des Deutschen Musikarchivs Leipzig (Stand Anfang Oktober 2017) werden 84 Musiknoten, überwiegend Partituren für Kinderchöre, ausgewiesen. Von den über 50 Tonträgern (LPs und CDs) bezieht sich die Mehrheit ebenfalls auf Kinderchöre, von denen die Schaumburger Märchensänger und die Nymphenburger Sängerknaben die bekanntesten sind. Als Kuriosität sei hier noch die LP Welthits zum Tanzen von Kurt Edelhagen und seiner Olympiaband erwähnt.

Singspiel

Auf den Zusammenhang von Farbe und Beruf hat bereits der Dichter Wilhelm Müller (1794 - 1827) aufmerksam gemacht. In seinem Liederzyklus Die schöne Müllerin verliert der ›weiße‹ Müllergeselle die Gunst der Müllerstochter an einen ›grünen‹ Jäger (Lied Nr. 13, beginnend mit "Schad um das schöne grüne Band").

Die bunte Welt der Farben und ausgewählte Berufe werden mithilfe dieses leicht singbaren Liedes mit seinem schnell zu lernenden Text auch jüngeren Kindern auf spielerische Weise vermittelt.

Ähnlich wie das Tanzlied Wer will fleißige Handwerker sehn wird in Kindergärten und Kindertagestätten sowie manchmal in den ersten Klassen der Grundschule das Lied als Singspiel aufgeführt.

Dazu stellen sich die Kinder im Kreis auf und singen gemeinsam das Lied. Wer ein Kleidungsstück in der in einer Strophe besungenen Farbe trägt, geht in die Mitte des Kreises und hüpft, springt oder tanzt herum. Wenn die nächste Strophe mit einer anderen Farbe folgt, geht wieder ein Kind wieder in den gebildeten Kreis. Entsprechend wird bei den nächsten Strophen verfahren.

Haben mehrere Kinder ein Kleidungsstück mit der Farbe, von der gerade gesungen wird, gehen all diese Kinder in den Kreis. Dabei kann es passieren, dass der Kreis schnell voll wird. Um ein Tohuwabohu zu vermeiden, wird auch folgende Variante gespielt: Jedem Kind wird eine Farbe zugeteilt, so dass es, je nach Anzahl der Anwesenden, höchstens vier Kinder geben kann, die im Kreis herumhüpfen.

Variiert werden kann auch das Singen: Wer in den Kreis hüpfen darf, singt die Strophe, die anderen Kinder brauchen nicht mit zu singen. Sie warten auf die folgende Strophe mit der nächsten Farbe, wenn die Kinder aus der Mitte sich wieder in den Kreis einreihen und andere Kinder in die Mitte dürfen.

Ist das Lied zu Ende, tanzen alle noch einmal im Kreis und singen gemeinsam die letzte Strophe. Danach können ältere Kinder das Lied um selbst erdachte Strophen mit einer anderen Farbe und/oder einem anderen Beruf ergänzen.

Georg Nagel, 15.10.2017