Go, Tell It on the Mountain

(While shepherds kept their watching)

Kirchenlied (um 1865)

Eigentlich ist das Lied ein afroamerikanisches Spiritual. Wegen des Refrains, der im Text auf die Geburt Jesu Bezug nimmt, wird es jedoch auch als Weihnachtslied angesehen.

Kirchenlied (um 1865)

Musiknoten zum Lied Go, Tell It on the Mountain

Liedtext

While shepherds kept their watching
Over silent flocks by night,
Behold throughout the heavens,
There shone a holy light:
Go, Tell It On The Mountain,
Over the hills and everywhere;
Go, Tell It On The Mountain
That Jesus Christ is born.

The shepherds feared and trembled
When lo! above the earth
Rang out the angel chorus
That hailed our Saviour's birth:
Go, Tell It On The Mountain...

Down in a lowly manger
Our humble Christ was born
And God send us salvation,
That blessed Christmas morn:
Go, Tell It On The Mountain...

When I am a seeker,
I seek both night and day;
I seek the Lord to help me,
And He shows me the way:
Go, Tell It On The Mountain...

He made me a watchman
Upon the city wall,
And if I am a Christian,
I am the least of all.
Go, Tell It On The Mountain...

Herkunft

In den Liederbüchern und auf den Tonträgern wird häufig angegeben:“ Spiritual um 1865, Textfassung von John Wesley Work Jr. (1871 - 1925) um 1880“. Spiritualforscher sind sich indes sicher, dass das Originaltext aus der Zeit des zu Ende gehenden Bürgerkriegs, der sog. Sezessionskriege etwa um 1865, stammt. Der Chordirigent J. W. Work hat die Melodie, als Plantation Song gehört und verschiedene Strophen gesammelt. Plantation Songs gehören zu den Arbeitsliedern, die häufig von einer Gruppe und einem Vorsänger abwechselnd gesungen wurden und die anstrengende, häufig monotone körperliche Arbeit auf den Baumwoll-, Zuckerrohr- und Tabakplantagen erleichtern sollten. J. W. Work III soll zwei oder drei Strophen hinzugefügt haben, welche ist jedoch nicht bekannt.

Erstmals öffentlich aufgeführt wurde seine Version in den 1880er Jahren von seinem Chor den Fisk Jubilee Singers. Der Liederforscher Thomas P. Fenner veröffentlichte Go tell it on the Mountain zum ersten Mal 1909 in seiner Liedersammlung Religious Folk Songs of the Negro as Sung on the Plantations. Es folgten mehrere Publikationen mit unterschiedlichen Strophen. Erst 1940 folgte im Arrangement von Works Sohn John Work III die heute bekannte Version im Liederbuch American Negro Songs and Spirituals.

Die Variante mit der Zeile »Let my people go« wird häufig Peter Yarrow, Paul Stookey, Mary Travers, bekannt als US-amerikanische Folkloregruppe Peter, Paul and Mary, und dem Musicaldirektor Milton Okun zugeschrieben.

Biblische Bezüge

Der Text von Go tell it to the Mountain ist inspiriert durch die im Neuen Testament bei Lukas im Kapitel 2 erzählte Weihnachtsgeschichte. In den ersten Strophen wird geschildert, wie Hirten auf den Feldern sich fürchten, als sie ein Licht am Himmel erblickten, das sie sich nicht erklärten konnten (vgl. Lukas 2, Vers 8 und 9). Doch bald hören sie die Engel singen, die die Geburt Christi verkünden (Vers 10) und 11) und sie auffordern, von den Bergen und Hügeln und überall zu verbreiten, dass Jesus Christus geboren worden ist. Die Hirten besprechen das untereinander und beschließen, »das was da geschehen ist und uns der Herr kundgetan hat…, das Wort zu verbreiten« (Lukas,2, Verse 15 und 17). Diese bedeutsame Mitteilung wird nach jedem Vers wiederholt und die, die die Botschaft gehört haben, werden aufgefordert, die Geburt Christi weiterzusagen. Die Hirten gehen nach Bethlehem und finden Jesus in einer einfachen Krippe in einem Stall. (vgl. Lukas 2, Verse 12 und 16).

Dem Gottsuchenden (s. 4. Strophe) wird gesagt, dass Gott Christus geschickt hat, um die Menschen (von den menschlichen Sünden) zu erlösen. Ganz im Sinne von Psalm 69, Vers 33 (»die Gott suchen, denen wird das Herz leben«) hat das lyrische Ich erfahren, dass Gott ihm »den Weg zeigen wird« (s. Strophen 3 und 4).

Die Strophe 5 geht auf Jesaja 62, Vers 6 zurück. Dort heißt es: »Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen«; ähnlich Jeremia 51, Vers 12 »…nehmt die Wache ein, setzt Wächter«. Der Sänger erzählt, dass er zu einem der Wächter bestellt wurde, der bereit ist zu ›wachen und zu beten, um nicht in Anfechtung zu fallen‹ (vgl. Matthäus 26, Vers 41). Nicht leicht nachzuvollziehen sind die Zeilen drei und vier: Wieso ist er als Christ »der Letzte von allen«? Mit Hilfe der Wortkonkordanz des Biblischen Nachschlagewerks erhält man Aufschluss: Im Brief an die Korinther bekennt Paulus, dass er »der Geringste unter den Aposteln ist«, weil er als Saulus »die Gemeinde Gottes verfolgt« hat (1. Korinther 15, Vers 9).

Der Liedtext zeigt: der oder die Verfasser von Go Tell It on the Mountain müssen gute Bibelkenntnisse gehabt haben. Daher ist es unwahrscheinlich, dass das Lied in einer Gruppe von Gemeindemitgliedern, wie es in Anmerkungen zum Lied in einigen Liederbüchern heißt, entstanden ist. Vieles spricht für die Annahme, dass ein Prediger oder Pastor den Text vor Weihnachten für seine Gemeinde gedichtet hat.

Liedvarianten

Wie bei beliebten und weitverbreiteten Liedern üblich, kam es auch bei Go tell it on the Mountain zu Ergänzungen und Varianten. In vielen Liederbüchern (z. B. im Liederkarren, Berlin, 2. Auflage 1980) findet man daher zwei andere Strophen:

When I was a gambler
I gambled both night and day
I asked my Lord to help me
an He showed me the way.

When I was a sinner
I sinned both night and day
I asked my Lord to help me
an He showed me the way.

In beiden Fällen, ob Spieler (Spielsüchtiger) oder Sünder (fortwährend Sündiger), sofern sie sich an Gott wenden und um Hilfe bitten, zeigt ihnen Gott den Weg, von ihren Lastern abzulassen.

Eine der erfolgreichsten Folk-Gruppe der 1960’er Jahre, Peter; Paul and Mary, zugeschriebene Version greift auf die kirchliche Farbensymbolik zurück. Zugleich nimmt diese Fassung in jeder Strophe Bezug auf das ebenfalls aus den 1880’er Jahren stammende Spiritual Go down Moses.

Doch weder die Zeile »let my people go« noch der Gedanke, sie in die Folk-Version einzufügen, sind auf Peter, Paul and Mary zurückzuführen. Gemäß dem Professor für religiöse Studien und des Bürgerrechts-Historikers Charles Marsh stammen sie von der Leiterin der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Fannie Lou Hamer. Sie war es, die die aus dem Spiritual Go down Moses stammende Zeile mit einer Variante von Go tell it on the Mountain kombinierte. Diese 1963 entstandene Fassung bezieht sich auf die Jahre der Kinder Israels, in der sie 40 Jahre für den damaligen Pharao arbeiten mussten. Mit der Aufforderung »Let my people go!« und dem göttlichen Auftrag (2. Mos. 3, 10) gelang es Moses, die Israeliten aus Ägypten zu führen. In den USA wurde diese aus dem Spiritual When Israel was in Egypt’s Land stammende Losung in den frühen 1960’er Jahren von der Bürgerrechtsbewegung aufgenommen.

1. Who's that yonder dressed in red,
let my people go
Must be the children that Moses led,
let my people go
Who's that yonder dressed in red
Must be the children that Moses led
Go tell it on the mountain,
to let my people go.

Von farbig gekleideten Israeliten in Ägypten ist in der Bibel weder während ihres 40-jährigen Zwang-Aufenthalts noch bei ihrem Auszug die Rede (vgl. 2. Mose, Kapitel 1 bis 18). Das Rot der in roter Kleidung besungenen Kinder Israels ist die Farbe des Lebens, der Freude (Klementine Lipfert, Symbol-Fibel, Kassel, 4. Auflage1964). Damit soll wahrscheinlich symbolisch gesagt werden, dass die Israeliten trotz der Unterdrückung, Gewalt und harter Sklavenarbeit ihren Lebensmut nicht verloren haben; zugleich freuen sie sich, in ihr Heimatland zurückzukehren.

2. Who's that yonder dressed in white,
let my people go
Must be the children of the Israelite,
let my people go
Who's that yonder dressed in white
Must be the children of the Israelite
Go tell it on the mountain,
to let my people go.

Weiß ist Ausdruck des Lichts und der Reinheit; die Farbe weiß ist Gott geweiht. Die Priester als Vertreter des göttlichen Seins, tragen weiße Gewänder. Bekannt ist, dass die aus dem Stamm Levi stammenden Tempeldiener weißgekleidet waren. Noch heute tragen die katholischen Priester unter dem Messgewand die Albe, ein weißes Untergewand, dass die Taufe symbolisiert.

3. Who's that yonder dressed in black,
let my people go
Must be the hypocrites turnin' back,
let my people go
Who's that yonder dressed in black
Must be the hypocrites turnin' back
Go tell it on the mountain to let my people go.

Die 3. Strophe erzählt von den »hypocrites«, die schwarzgekleidet sind. Schwarz steht hier nicht, wie sonst üblich für Trauer oder Tod, sondern für das negative Verhalten der zur Buße Aufgerufenen. Diesen Frömmelnden, Unaufrichtigen, Heuchlern wird gesagt, dass sie unter Umständen nach Ägypten zurückkehren müssen. Unausgesprochen steht dahinter die Möglichkeit, wieder auf den rechten Weg geführt zu werden, sofern sie sich um Hilfe an Gott wenden und ihrer Heuchelei entsagen entsprechend dem reumütigen Verhalten der »gambler« und »sinner«.

Rezeption

Die eingängige Melodie, der bei Christen wohlbekannte Text und die berühmten Interpreten haben zur weltweiten Popularität von Go tell it on the Mountain beigetragen. Der Song wurde in viele Sprachen u.a. japanisch und brasilianisch übersetzt.

Gleich nachdem die Interpretation von Frank Sinatra im Duett mit Bing Crosby in Europa bekannt wurde, verfasste 1964 der evangelische Pfarrer Friedrich Waltz (1932 – 1984) den deutschen Text Komm, sag es allen weiter. Friedrich Waltz war zu der Zeit Pfarrer des Jugendgottesdienstes in Nürnberg, später Studentenpfarrer in Erlangen und dann kirchlicher Beauftragter für Hörfunk und Fernsehen. Heute ist sein Lied im evangelischen Gesangbuch unter EG 225 zu finden.

Laut den mir online oder in Privatbibliotheken zugänglichen Lieder- bzw. Gesangbüchern taucht die deutsche Fassung Komm, sag es allen weiter erstmalig 1964 auf in Neue geistliche Lieder - Gott ist da und dann 1968 in der weitverbreiteten Mundorgel (3. Auflage 1968). 1980 wurde diese Version in Gemeindelieder der damaligen DDR und 1989 in das Gesang- und Gebetbuch für katholische Soldaten in der Bundeswehr aufgenommen. Aus letzter Zeit (2011) ist mir Der Liedergnom des Verbandes Christlicher Pfadfinder bekannt.

Go tell it on the Mountain haben außer Simon and Garfunkel (mit einer variierten Version 1964), den Wailers (1971) und Nana Mouskouri (1972) auch Esther und Abi Ofarim (1992), Aretha Franklin (1994) und Helmut Lotti (1998) gesungen, um nur die bekanntesten Interpreten zu nennen.

Wie beliebt das Spiritual ist, kann man auch daraus ersehen, dass noch in den vergangenen Jahren Aufnahmen mit André Rieu (2012) und Diana Ross (2018) erschienen und bei You Tube über 120 Videos mit dem Song zu sehen und zu hören sind.

Bereits 1953 wählte der amerikanische Schriftsteller James Baldwin Go tell it on the Mountain als Titel seines stark autobiografischen Romans.

Georg Nagel, 24.11.2020