Jahreszeiten

Frühlingslieder

Der Frühling schleicht heran

Auch wenn sich der Winter in so manchen Jahren noch eine kleine Weile ins Land schleppen mag, so empfinden wir doch schon früh im Jahr die stetig ansteigende Lichtintensität. Der Frühling schleicht sich mit ersten Vorboten heran und will sich seine eigene Zeit erobern.

Die Pflanzen und Tiere öffnen sich diesem Begehren und der Mensch sehnt sich ebenfalls nach der neu anbrechenden Jahreszeit. Es ist die Zeit der erwachenden Natur, die sich im Sprießen und Blühen erfreut.

Schon mag mancher das Lied Nicht lange mehr ist Winter, schon glänzt der Sonne Schein anstimmen und den Frühling mit seinen neuen Liedern einladen. Die Lerche beginnt ihren Gesang und der Kuckuck erfreut uns mit seinen Rufen.

Die Tag-und-Nachtgleiche am 19./20. März ist der astronomische Zeitpunkt, dem wir den Frühlingsbeginn zuordnen. Doch die Natur hält sich nicht immer an astronomische Gegebenheiten. Mal kommt er früher, mal etwas später und lässt dann in uns allen die Glückshormone von Serotonin und Dopamin je nach lokalen Wetterbedingungen wirksam werden. Dieser hormonelle Einfluss unseres Zentralgestirns der Sonne bewirkt in uns ein stärkeres Wohlbefinden, das sogar euphorisch stimmen kann. Allein schon das ist Freude genug, um die Lieder ertönen zu lassen (vgl. Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder) und dem Hirten und seiner Schalmei im Liedtext zu gedenken.

Die schönen Frühlingsgefühle, die im Menschen erwachen und auch zwischen den Geschlechtern eine nicht unerhebliche Rolle spielen können, werden bei manchem jedoch durch die so genannte Frühjahrsmüdigkeit überlagert. Dafür soll das immer noch stark im Blutvorhandene Schlafhormon Melatonin verantwortlich zeichnen, das sich erst nach und nach abbaut. Doch haben wir erst einmal den Frühling gesehen, die Blumen begrüßt und der Nachtigall gelauscht haben (Ich hab den Frühling gesehen), werden diese Frühjahrsmüdigkeit auch schnell überwinden.

Eines der beliebtesten und bekanntesten Frühlingslieder im deutschen Liedgut, haben wir Hoffmann von Fallersleben zu verdanken. Er schrieb den Text zu Alle Vögel sind schon da. Heute sind wir mehr denn je dankbar, wenn uns die Zugvögel wieder besuchen und die einheimischen Vögel, die bereits durch Klimawandel stark gefährdet und teils dezimiert sind, sich wieder in unseren Gärten, Feldern und Wäldern mit ihrem Gesang einfinden.

Natur und Mensch blüht auf

Der Frühling hat viel für Auge und Ohr und alle Sinne zu bieten. Nicht nur müssen die Felder bestellt oder das Gemüse vorgezogen werden, sondern es steht für viele Menschen auch ein innerer und/oder äußerer Hausputz an.

Während der innere Hausputz von vielen Menschen mit Fasten und Diäten zu österlichen Zeiten stattfindet, ist der äußere Hausputz im heimischen Umfeld zum Beispiel den Fenstern ebenso gewidmet wie all den tausend Ecken, Schubladen oder Nischen, die nicht täglich gereinigt werden können.

Kulturell gepflegt werden auch die unterschiedlichsten Frühlingsfeste, die im Monat Mai besonders viele Höhepunkte feiern. Alles neu, macht der Mai - er macht die Seele frisch und frei. Das sang man bereits 1829.Und Emanuel Geibel schrieb sein bekanntes und viel besungenes Lied Der Mai ist gekommen um 1841. Es wurde ein ganz außerordentlich berühmtes Frühlings- und Wanderlied, das bis in die heutige Zeit gern gesungen wird.

Von der Schönheit der neu aufbrechenden Natur kündet auch das Lied Die Luft ist blau, das Tal ist grün. Hier wird die Schöpfung in ihrer Schönheit geehrt, man gedenkt der Maienglöckchen ebenso wie den Schlüsselblumen und dem immer stärkeren Erblühen der bunten Wiesen.

Frühling ist nicht nur die Zeit der Kindheit und Jugend, sondern auch im Alter erlebt manch einer noch das Glück der Frühlingsgefühle. Eine neue Verliebtheit ist auch im Alter ist keine Seltenheit, die die Kräfte noch einmal auf besondere Weisebefeuern kann. Denn die Offenheit, die mit dieser Jahreszeit einhergeht , ist auch eine Offenheit des Herzens und des Gemütes. So wie die Blumenkelche Tau und neue Sonnenkraft einlassen, so öffnen sich Menschen der Schönheit und der Liebe: Lieblich hat sich gesellet mein Herz in kurzer Frist, zu ein'r die mir gefället, Gott weiß wohl wer sie ist. Sie liebet mich ganz inniglich, die Allerliebste mein. Gott weiß wohl, wen ich mein.