Die Vogelhochzeit

(Ein Vogel wollte Hochzeit machen)

Hoffmann von Fallersleben

Musiknoten zum Lied Die Vogelhochzeit

Liedtext

Ein Vogel wollte Hochzeit machen
in dem grünen Walde.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Drossel war der Bräutigam,
die Amsel war die Braute.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Sperber, der Sperber,
der war der Hochzeitswerber.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Stare, der Stare,
der flocht der Braut die Haare.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Gänse und die Anten,
die war'n die Musikanten.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Spatz, der kocht das Hochzeitsmahl,
verzehrt die schönsten Bissen all.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Uhu, der Uhu,
der bringt der Braut die Hochzeitsschuh’.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Kuckuck schreit, der Kuckuck schreit,
er bringt der Braut das Hochzeitskleid.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz,
der bracht’ der Braut den Hochzeitskranz.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Sperling, der Sperling,
der bringt der Braut den Trauring.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Taube, die Taube,
die bringt der Braut die Haube.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
der bringt der Braut nen Blumentopf.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Lerche, die Lerche,
die führt die Braut zur Kerche.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Brautmutter war die Eule,
nahm Abschied mit Geheule.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Auerhahn, der Auerhahn,
der war der stolze Herr Kaplan.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Meise, die Meise,
die singt das Kyrie leise.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Puten, die Puten,
die machten breite Schnuten.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Pfau mit seinem bunten Schwanz
macht mit der Braut den ersten Tanz.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Schnepfe, die Schnepfe,
setzt auf den Tisch die Näpfe.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Finken, die Finken,
die gaben der Braut zu trinken.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der lange Specht, der lange Specht,
der macht der Braut das Bett zurecht.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Das Drosselein, das Drosselein,
das führt die Braut ins Kämmerlein.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Uhu, der Uhu
der macht die Fensterläden zu
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Der Hahn, der krähet: "Gute Nacht",
nun wird die Kammer zugemacht.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Die Vogelhochzeit ist nun aus,
die Vögel fliegen all’ nach Haus.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Das Käuzchen bläst die Lichter aus
und alle ziehn vergnügt nach Haus.
Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala.

Karaoke

Brautpaar und Brautwerbung

Ein Vogel wollte Hochzeit machen ist seit etwa Mitte des 19. Jahrhundert ein beliebtes Kinderlied, das sich an einer Hochzeit, wie Menschen sie kennen, orientiert. Es gibt eine Brautwerbung, Hochzeitsgäste, eine kirchliche Trauung, "im grünen Walde" (Vers 1) ein Hochzeitsfest und eine Hochzeitsnacht. Bemerkenswert ist, dass alle Gäste – 25 verschiedene Vögel und manchmal gleich mehrere, vgl. "Gänse, Enten, Puten, Finken" – aktiv an den Hochzeitsfeierlichkeiten mitwirken.

Die Reihenfolge eines menschlichen Hochzeitsfestes ist allerdings nicht streng eingehalten worden: Hier passiert schon einiges, noch bevor das Paar verheiratet ist (Vers 13). Es spielen die Musikanten (Vers 5), und das Hochzeitsmahl wird schon gekocht (Vers 6). Dass der Spatz "verzehrt die schönsten Bissen all" ist sicherlich eine Übertreibung; zum einen würde er solche Mengen gar nicht schaffen, zum anderen hat er als Koch sicherlich nur etwas probiert.

Im 2. Vers erfahren wir, dass der Bräutigam eine Drossel und die Braut eine Amsel ist. Auch hier gilt die dichterische Freiheit, denn eigentlich gehört die Amsel zur Familie der Drosseln. Nehmen wir also an, dass es sich beim Bräutigam um eine Misteldrossel handelt - was auch im Konventionellen Sinn macht, denn dann ist der Bräutigam drei cm größer als die Braut.

Gestutzt habe ich, als ich las, der Brautwerber sei ein Sperber (Vers 3). Nun aber ist der Sperber ein Raubvogel, auf dessen Speiseplan kleine Vögel stehen. Da hat die Braut, die Amsel, mit ihrer Größe von durchschnittlich 27 cm jedoch noch einmal Glück gehabt. Aber wie sieht es mit dem Spatz (Vers 6) oder der Meise (Vers 16) und den anderen kleineren Vögeln aus? Wenn man bedenkt, dass aus der Familie der Eulen auch Uhu und Kauz, also weitere Raubvögel, eingeladen wurden, geht es um des guten Zusammenseins willen nicht ohne ein - wenn auch zeitlich befristetes - Friedensabkommen. Wir können wohl davon ausgehen, dass der weise Uhu mit dem Herrn Kaplan, dem Auerhahn, ganz im christlichen Sinne solch ein gentleman agreement ausgehandelt hat.

Kirchgang, Feier, Hochzeitsnacht

Danach steht nichts mehr im Wege, die Braut von Fuß bis Kopf fein zu machen Verse 7 - 11), und dann ist auch noch Zeit, ihr einen Blumentopf zu überreichen (Vers 12), bevor es endlich in die Kirche geht (Vers 13). Warum Mütter aber immer derart gerührt sind, dass ihnen zum vermeintlichen Abschied Tränen kommen – hier sehr deutlich die Brautmutter Eule mit Geheule (Vers 14) -, entzieht sich meiner Kenntnis.

Vom Jawortgeben erzählt dieses Lied nicht, doch nach der Ansprache des Kaplans und dem Kyrie können wir davon ausgehen, dass alles seine Ordnung gehabt haben muss und Amsel und Misteldrossel verheiratet sind. Ist Ihnen, liebe Lesende aufgefallen, dass wir mit Ausnahme des Liedanfangs vom Bräutigam nichts mehr gehört haben? Sollte das alles gewesen sein?

Und wenn er auch nicht gerade den Tanz mit seiner frisch Angetrauten eröffnet, so werden die beiden doch miteinander tanzen, eventuell erst nach dem Hochzeitsmahl (Verse 19 und 20).

Von der ganzen Feierei sind Braut und Bräutigam schließlich ermattet. Der "Braut [wird] das Bett zurecht gemacht" - und sicherlich nicht nur ihr - und dann wird die "Braut ins Kämmerlein geführt". Der Bräutigam weiß, wohin er gehen muss. Damit niemand hineingucken kann, schließt der Uhu umsichtig die Fensterläden. Der Hahn kräht hier anlässlich der beginnenden Hochzeitsnacht ausnahmsweise "Gute Nacht".

Dann "ist die Vogelhochzeit aus und die Vögel fliegen all‘ nach Haus". Zu hoffen ist, dass das Friedensabkommen noch bis zum anderen Morgen anhält.

Entstehungsgeschichte und Verbreitung

Ein Lied mit der heute noch gesungenen Melodie ist bereits 1604 auf einer Papierhandschrift der Philippi Hainhofer Lautenbuecher Band 2 (Wolfenbüttler Bibliothek) zu finden. Gemäß dem renommierten Volksliedforscher Ernst Klusen ist das Lied seit 1603 bekannt (Deutsche Lieder, Band 2). 1613 tauchten in Nürnberg und Basel Flugblätter mit der Vogelhochzeit auf. Die Lieder variieren im Umfang von 23 Versen mit 40 Vögeln bis 32 Versen mit 30 Vögeln.

Johanna Ziemann vom Zentrum für Populäre Kultur und Musik benennt noch eine ältere Vogelhochzeit mit einer anderen Melodie: De kuckuck und de reigere (Reiher) aus Das Wienhäuser Liederbuch (1470).

Doch populär wurde Ein Vogel wollte Hochzeit machen in der heutigen Fassung. Im 19. Jahrhundert nahmen sämtliche bedeutende Liedersammlungen das Lied auf, z. B. die von Hoffmann von Fallersleben herausgegebenen Schlesischen Volkslieder und Melodien (1842), Ludwig Uhlands Alte hoch- und neudeutsche Volkslieder (Band 1, 1844 und Band 2, 1866), Arnim / Brentano, Des Knaben Wunderhorn Band 1 – 4, 1854) und weitere.

Auch in der Jugendbewegung, von den Wandervögeln bis zu den bündischen Gruppierungen, war die Vogelhochzeit beliebt. 1906 bis 1927 erschienen etliche Liederbücher mit dem Lied; hier soll nur das bekannteste Der Zupfgeigenhansl von 1909 (1927, Auflage: 826.000) genannt werden. Von 1912 bis 1927 wurden zahlreiche Kinderbücher herausgegeben, in denen die Vogelhochzeit illustriert dargestellt wird.

Während in der Zeit des Nationalsozialistischen Regimes nur sehr wenige Bilderbücher mit dem Lied erschienen, setzte ab 1947 geradezu ein Boom ein. Im Durchschnitt wurde bis 2017 pro Jahr ein Bilderbuch herausgegeben, einige davon erreichten 10, 15 oder gar 24 Auflagen. Im Vergleich zu den Liederbüchern ist die große Anzahl der Tonträger, von Schallplatten über LPs bis hin zu CDs, beachtlich (140 laut Katalog des Deutschen Musikarchivs). Gesungen wird das Lied überwiegend von Kinderchören, von denen der berühmteste die Wiener Sängerknaben sind. Von der Kelly Family, die ihre größten Erfolge 1994 - 1999 hatten, und Rolf Zuckowski, dem Musiker und Autor zahlreicher Kinderlieder, sind mehrere Aufnahmen vorhanden. Zuckowski ist auch der Komponist des Singspiels Die Vogelhochzeit.

Geht man von der Anzahl der Videos bei YouTube mit dem Lied aus, dann dürfte Ein Vogel wollte Hochzeit machen eines der beliebtesten Kinderlieder sein.

Parodien

Wie alle besonders populäre Lieder wurde auch Ein Vogel wollte Hochzeit machen oft parodiert oder umgedichtet. Die folgende Parodie aus dem Jahr 1911 stammt aus studentischen Kreisen. Der vollständige Text ist in Rolf W. Brednich: Erotische Lieder aus 500 Jahren zu finden.

1. Ein Vogel wollte Hochzeit machen,
wohl in dem grünen Walde.

Die Verse 2 bis 10 entsprechen der o.a. Fassung

11. Das Finkelein, das Finkelein,
das führt das Paar zur Kammer hinein.

12. Der Uhu, der Uhu,
der macht die Fensterläden zu.

13. Die Fledermaus, die Fledermaus,
die zieht der Braut die Strümpfe aus.

14. Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
der macht der Braut die Höschen upf.

15. Die Krähe, die Krähe,
die sagt: Heh, was ich sehe.

Die Verse 16 bis 21 sind nicht stubenrein.

22. Die Elster, die Elster,
die fragt: Na, wie gefällt's der?

23. Frau Kratzefuß, Frau Kratzefuß
gibt allen einen Abschiedskuss.

24. Der Henning krähet: "Gute Nacht!"
Nun wird die Kammer zugemacht.

Der Dichter des folgenden Feierliedes ist unbekannt. Der Text ist 2005 entstanden:

1. Wer heut' mit uns nicht singt und lacht,
sondern ‘ne böse Schnute macht,
bei dem stimmt was nicht,
bei dem stimmt was nicht,
bei dem stimmt was nicht!

2. Wer auf dem Tisch hat Schnaps und Wein
und schenkt sich nicht ein Gläschen ein,

3. Wenn einer hat viel Geld und Gut
und dabei trotzdem hungern tut,

4. Wer aus der Wirtschaft kommt heraus
Und kann nicht gehen geradeaus,

5. Wenn einer einen Hering isst
und denkt, dass es Salami ist,

6. Wer seine Schwiegermutter küsst
und sagt "Wie lieb und nett Du bist",

7. Wer ausführ‘n könnt  'ne schöne Maid
und sagt "Heut hab ich keine Zeit",

8. Wer abends spät ins Bette geht
und dann am morgen früh aufsteht,

9. Wer in der Jauche liegt, oh weh
und dabei singt "Still ruht der See",

10. Wer zum Finanzamt geht und denkt
hier kriegt er irgendwas geschenkt,

11. Wer Freiburg nimmt als Urlaubsort
und sucht den Eiffelturm dann dort,

12. Wer seine Frau stets lässt zuhaus
und feiert dann in Saus und Braus,

13. Wer heut nicht trinkt ein Gläschen Wein
und feiert nicht mit in d‘Früh hinein,

14. Wer nicht das schöne Lied kapiert
und wer nicht feste applaudiert,
bei dem stimmt was nicht,
bei dem stimmt was nicht,
bei dem stimmt was nicht!

Georg Nagel, 28.10.2017