Volkslieder Kinderlieder

Im Märzen der Bauer

Volkslied

Das romantisch verklärte Lied vom fleißigen Bauernvolk stamnmt aus Mähren. Die erste Strophe geht auf ein älteres Kalenderlied zurück, das der Sternberger Männergesangsversion 1884 für einen Wettbewerb überarbeitete und erweiterte.

Musiknoten zum Lied Im Märzen der Bauer

Liedtext

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.
Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand.
Er pflüget den Boden, er egget und sät
und rührt seine Hände früh morgens und spät.

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn,
sie haben im Haus und im Garten zu tun;
sie graben und rechen und singen ein Lied
und freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.

So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei,
dann erntet der Bauer das duftende Heu;
er mäht das Getreide, dann drischt er es aus:
im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.

Weitere

Kinderlieder

Das ursprünglich aus Nordmähren stammende Lied wurde »von der deutschen Landbevölkerung der mährischen Sudeten häufig und gern gesungen.« so der österreichische Ethnomusikologe Josef Pommer (1845 -1918). Daher sind verschiedene Fassungen überliefert. So lautet eine ältere Version des Liedtextes:

Im Märzen der Bauer
Die Rößlein einspannt;
Er pfleget und pflanzet
All' Bäume und Land.
Er akkert, er egget,
Er pflüget und sät
Und regt seine Hände
Gar früh und noch spät.

Den Rechen, den Spaten,
Den nimmt er zur Hand
Und ebnet die Äcker
Und Wiesen im Land.
Auch pfropft er die Bäume
Mit edlerem Reis
Und spart weder Arbeit
Noch Mühe und Fleiß.

Die Knechte und Mägde
Und all sein Gesind,
Das regt und bewegt sich
Wie er so geschwind.
Sie singen manch munteres,
Fröhliches Lied
Und freu'n sich von Herzen,
Wenn alles schön blüht.

Und ist dann der Frühling
Und Sommer vorbei,
So füllet die Scheuer
Der Herbst wieder neu.
Und ist voll die Scheuer,
Voll Keller und Haus,
Dann gibt's auch im Winter
Manch fröhlichen Schmaus.

Das uns heute geläufige Lied wurde von dem Musikpädagogen und Mitbegründer der Jugendmusikbewegung Walter Hensel (1887–1956) textlich und musikalisch bearbeitet. 1923 erschien diese Version erstmalig in seiner Liedersammlung Das Aufrecht Fähnlein.

Im Märzen der Bauer ist bis heute eines der bekanntesten und beliebtesten Frühlingslieder. Allerdings stellt sich heutzutage kein Städter mehr ein derart idyllisches Landleben vor. Gepflügt und gesät wird im Frühjahr mit dem Trecker, der häufig gleich mehrere Pflüge und später die Sämaschine zieht. Stadtkinder sind froh, wenn sie Pferde auf der Weide zu Gesicht bekommen und selbst Erwachsene staunen, wenn mit Hilfe eines Pferdes ein für Maschinen zu kleines oder nicht zugängliches Stück Ackerland gepflügt wird und der Landmann per Hand den Samen streut. Zur Zeit der Entstehung des Liedes und der Romantisierung des Alltäglichen, auch der Arbeit, mussten Bauern und Knechte hart arbeiten. Immerhin geben die letzten beiden Zeilen eine Vorstellung davon: »rührt seine Hände frühmorgens und spät«.

Aber auch die Bäuerin und die Mägde haben ihre Arbeit »im Haus und im Garten« zu leisten. Doch beim »Graben und Rechen« geht es munter zu, es wird gesungen, und sie haben sogar die Muße, sich zu freuen, »wenn alles schön grünet und blüht«. Wer schon einmal einen Garten umgegraben hat, dem war gewiss nicht nach singen zumute. Aber sicherlich hat man sich nach getaner Arbeit später am Gedeihen des Gemüses und am Blühen der Blumen erfreut.

Von der damaligen Hausarbeit, u.a. mit dem häufig verbundenen anstrengenden Wasser aus dem Brunnen holen, ist im Lied nicht die Rede. Ohne die heutigen maschinellen Küchenhelfer, ohne Staubsauger, Waschmaschine und andere technische Hilfen war die Arbeit im Haus damals wirklich schwere Arbeit. Auch von den beschwerlichen Verrichtungen im Stall und in der Scheune erfahren wir nichts.

Romantisch verklärte Landidylle

Über das Ernten erzählt der Text uns lapidar, dass der Bauer das Heu erntet und das Getreide mäht (was wir uns fast schon gedacht haben). Erneut erfahren wir nicht, welche Arbeit damit verbunden ist, nämlich mit der Sense das Gras zu mähen, es ab und zu zum besseren Trocknen mit der Heugabel umzudrehen und ebenfalls mit der Sense das Getreide zu mähen und es zum Trocknen in Garben zu binden. Später musste es der Bauer auf einen Anhänger mit Pferdegespann laden und mit dem »Rößlein« – der romantischen Umschreibung für den Ackergaul – zur Scheune bringen. Dort war das Heu in Heuhaufen zu stapeln und das Getreide portionsweise auf der Tenne auszubreiten, um es dann tagelang mit dem Flegel schweißtreibend zu dreschen.

Womit die Arbeit, wie es in der letzten Strophe scheint, noch nicht zu Ende ist. Die Körner müssen in Säcke gefüllt, die Säcke auf den Anhänger getragen und zur Mühle gefahren werden usw. Die Arbeit nimmt kein End‘.

Aber im Spätherbst kommen Bauer, Bäuerin und das Gesinde - von der notwendigen Tätigkeiten im Haus und im Stall abgesehen - etwas zur Ruhe und »im Winter, da gibt es manch herrlichen Schmaus«.

Im Märzen der Bauer geht an der Wirklichkeit des damaligen Bauernlebens vorbei. Ein ganz anderes Bild zeichnet uns Ach ich bin wol ein armer Baur, das wohl bekannteste Bauernlied aus dem 17. Jahrhundert, dessen erste Strophe (von 31 Strophen) lautet:

Ach ich bin wol ein armer Baur,
Mein Leben wird mir mächtig saur,
Ich mein, ich könnt oft nimmermehr:
Ach, daß ich nie geboren wär!

Unser Lied Im Märzen der Bauer jedoch wird noch heute wegen des leicht verständlichen Inhalts und der eingängigen und einfachen Melodie im Dreivierteltakt gern gesungen, weniger von den Leuten auf dem Lande als von den Städtern, die gern mal dem Getriebe der Stadt und der Stadtluft entfliehen oder mit Familie und kleinen Kindern »Ferien auf dem Bauernhof« machen und sich an der Natur und der guten Luft erfreuen.

Georg Nagel, 2. März 2016