Heho, spann den Wagen an

Volkslied (19. Jh.)

Volksweise (Anfang 17. Jh.)

Musiknoten zum Lied Heho, spann den Wagen an

Liedtext

Hejo, spann den Wagen an,
seht, der Wind treibt Regen über's Land!
Holt die goldnen Garben,
holt die goldnen Garben!

Der Dichter des Liedes Hejo, spann den Wagen an (auch He ho) ist bis heute unbekannt geblieben. Die Melodie wird dem englischen Musiker und Sänger Thomas Ravenscroft (1590 - 1633) zugeschrieben, der sie 1609 komponiert haben soll. Wegen der einfachen und leicht zu singenden Melodie ist sie in späteren Jahrhunderten vor allem als Kinderlied in vielen Ländern bekannt worden. Mit älteren Kindern wird das Lied als Kanon gesungen, wobei eine Stimme nach der anderen einsetzt, hier nach der ersten Zeile. Alle Stimmen verfolgen dieselbe Melodie auf gleicher Tonhöhe, um dann auf ein Zeichen, unabhängig davon, in welcher Zeile man gerade singt, gemeinsam die Melodie ausklingen zu lassen.

Hejo spann den Wagen an
seht, der Wind treibt Regen übers Land
Holt die goldenen Garben!
Holt die goldenen Garben!

Hejo, spann den Wagen an könnte man als Erntelied bezeichnen. Das Getreide ist gemäht und zum Trocknen in Garben gebunden, aber noch nicht unter Dach und Fach gebracht. Angesichts des nahenden Regens ("der Wind treibt Regen übers Land"), gilt es, schnell "den Wagen anzuspannen" - also die Pferde vor den Wagen zu spannen - und die Ernte einzuholen. Der Text zeigt hier deutlich, dass es sich um ein Lied aus dem vorindustriellen Zeitalter handelt: In einer Sendung seines Kinderkanals meint der Westdeutsche Rundfunk, das Lied sei über 200 Jahre alt.

Der von Ravenscroft stammende englische Text hat nichts mit der Ernte zu tun.

Heigh-ho! Anybody home?
Meat nor drink nor money have I none
Fill the pot Ea die.

Er handelt von einem Mann, der um etwas Essen bettelt. Das "Anybody home?" in der ersten Zeile deutet darauf hin, dass er irgendwo anklopft und bittet, seinen (Bettel-)Topf zu füllen. Er bringt vor, dass er weder Fleisch (etwas zu Essen) noch zu Trinken geschweige denn Geld hat und sonst sterben muss.

So die Originalfassung von 1609. Eine spätere Fassung entschärft die den Text und stellt den Bettler als Lebenskünstler dar, der trotz aller Not und allem Mangel fröhlich ist (in einer anderen Version: glücklich).

Heigh ho, anybody home
Food and drink and money have I none.
Still I will be merry, still I will be merry.
(auch: Yet I will be happy).

Hejo, spann den Wagen an ist auch heute noch in Kindertagesstätten und bei Kinderchören ein sehr beliebtes Lied. Auch in den Schulen wird es gern gesungen; bei vielen Schülern beliebter ist jedoch der besser in die Zeit passende Text des Musiksonderpädagogen Björn Tischler, der zusätzlich vier Strophen aufweist, die als Rap vorgetragen werden können:

Hey Joe, schmeiß den Trecker an.
Rütteln, Schüttelndurch den tiefen Schlamm
Irrer Wind und Regen
Was ist das für ein Leben!?

Wie beliebt Hejo, spann den Wagen an, vor allem als Kanon, ist, davon zeugen die über 50 Notenblätter für Kinder und gemischte Chöre des Deutschen Musikarchivs Leipzig. Die große Popularität des Liedes lässt sich auch aus der Aufnahme in nahezu 90 Lieder- und Schulbücher in den vergangenen 50 Jahren ablesen. Beigetragen zur großen Popularität haben auch gern gesehene Fernsehsendungen wie die Musikveranstaltungen Fahrt ins Blaue und Schöne Heimat - schöne Lieder, vor allem aber Heino mit den auflagestarken LPs und CDs Sing mit Heino, Teil 5 bis 6 und Die schönsten deutschen Volkslieder sowie Nena, die durch ihren Megahit 99 Luftballons weltberühmt gewordene Popsängerin, die u.a. auch eine CD mit Volksliedern veröffentlichte, darunter Hejo, spann den Wagen an.

Georg Nagel, 17. November 2016