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Thema: Lieder über Menschen und Mächte    Lieder erzählen Geschichten

Es waren zwei Königskinder

Das Lied der beiden Königskinder, die nicht zueinander kommen können, stammt aus Niederdeutschland und ist seit dem 15. Jahrhundert in verschiedenen Variationen bekannt. Die erste bekannte Druckversion des Textes stammt aus 1807.

 

  Musik Volksweise (18. Jhdt.)
  Text Volkslied (19. Jhdt.)

 

Es waren zwei Königskinder

 

1. 

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten beisammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief, das Wasser war viel zu tief.

 

2. 

Ach Liebster, könntest du schwimmen,
so schwimm doch herüber zu mir!
Drei Kerzen will ich anzünden,
und die sollen leuchten zu dir.

 

3. 

Das hört ein falsches Nönnchen,
die tät als wenn sie schlief;
sie tät die Kerzelein auslöschen,
der Jüngling ertrank so tief.

 

4. 

Es war an ei'm Sonntag-Morgen,
die Leut waren alle so froh;
nicht so die Königstochter,
ihr Augen saßen ihr zu.

 

5. 

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Kopf tut mir so weh!
Ich möcht so gern spazieren
wohl an die grüne See.

 

6. 

Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngste Schwester,
und die soll mit dir gehn!

 

7. 

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
meine Schwester ist noch ein Kind,
sie pflückt ja all die Blümlein,
die auf Grünheide sind.

 

8. 

Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngsten Bruder
und der soll mit dir gehn!

 

9. 

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Bruder ist noch ein Kind,
der schießt ja all die Vöglein,
die auf Grünheide sind.

 

10. 

Die Mutter ging nach der Kirche,
die Tochter hielt ihren Gang.
Sie ging so lang spazieren,
bis sie den Fischer fand.

 

11. 

Ach Fischer, liebster Fischer,
willst du verdienen groß Lohn,
so wirf dein Netz ins Wasser
und fisch mir den Königssohn!

 

12. 

Er warf das Netz ins Wasser,
er ging bis auf den Grund;
er fischte und fischte so lange,
bis er den Königssohn fand.

 

13. 

Sie schloß ihn in ihre Arme
und küßt seinen bleichen Mund:
Ach Mündlein, könntest du sprechen,
so wär mein jung Herze gesund!

 

14. 

Was nahm sie von ihrem Haupte?
Ein goldne Königskron:
Sieh da, du wohledler Fischer,
hast dein verdienten Lohn!

 

15. 

Was zog sie von ihrem Finger?
Ein Ringlein von Gold so rot:
Sieh da, du wohledler Fischer,
kauf deinen Kindern Brot!

 

16. 

Sie schwang sich um ihren Mantel
und sprang wohl in die See:
Gut Nacht, mein Vater und Mutter,
ihr seht mich nimmermeh!

 

17. 

Da hört man Glöcklein läuten,
da hört man Jammer und Not.
Hier liegen zwei Königskinder,
die sind alle beide tot!

 
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