Zum Tanze da geht ein Mädel

Volkslied (1908)

Das aus Schweden stammende Tanzlied "Och flickan hon gar i dansen" war mit dem deutschen Text seit 1908 auch in Deutschland sehr beliebt.

Volksweise (19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Zum Tanze da geht ein Mädel

Liedtext

Zum Tanze da geht ein Mädel mit güldenem Band.
Das schlingt sie dem Burschen gar fest um die Hand.
Das schlingt sie dem Burschen gar fest um die Hand.

Ach herzallerliebstes Mädel, so laß mich doch los,
ich lauf dir gewißlich auch so nicht davon.

Kaum löset die schöne Jungfer das güldene Band,
da war in den Wald schon der Bursche gerannt.

Herkunft

Das Tanzlied Zum Tanze da geht ein Mädel war unter dem Titel »Och jungfrun (auch: flicka) hon går i dansen« in schwedischen Volksliedsammlungen des 19. Jahrhunderts vertreten, und zwar mit einigen Text- und Melodievarianten sowie unterschiedlichen Tanzbeschreibungen. Der Textdichter der heute am meisten verbreiteten Strophen eins bis drei ist namenlos geblieben. Die Strophen vier und fünf stammen von dem deutschgebürtigen schwedischen Musikpädagogen Friedrich ›Fredrik‹ Eggeling (1822 - 1895) aus dem Jahr 1865.

Von wem die heute bekannte Melodie stammt, ist nicht bekannt. Um 1900 entstand ein Chorsatz des schwedischen Komponisten Hugo Alfvén (1872 - 1960), durch den das Lied weit verbreitet wurde (vgl. Tobias Widmayer, im Historisch-Kritischen Liederlexikon, 2010).

Ins Deutsche übersetzt wurde es 1908 (nach anderen Quellen 1910) von dem Tenor und Gesangslehrer Alfred Julius Boruttau (1877 - 1940).

Zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht wurde das Lied 1908 in dem kaum bekannten Heft 5 der Liederstimmen. Laut Tobias Widmayer vom Deutschen Liederarchiv Freiburg ist Zum Tanze, da geht ein Mädel zum ersten Mal belegt 1910 im Liederborn (Wandervogel Liederborn – Für die deutsche Jugend). Die oben angegebenen drei Strophen folgen fast wörtlich dem schwedischen Original.

Liedbetrachtung

Das im ¾-Takt stehende Lied Zum Tanze da geht ein Mädel beginnt ganz nüchtern mit einer Beschreibung: Ein Mädchen will zum Tanzen gehen und schmückt sich mit einem goldglänzenden Band. Im schwedischen Text bändelt sie mit ihrem Liebsten an, indem sie ihm das Band spielerisch um den Arm legt. Im deutschen Text geht sie es gleich ernster an und schlingt ihm das Band fest um die Hand, als wenn sie ihn ewig an sich binden wollte.

In der zweiten Strophe spricht der junge Mann das Mädchen direkt an und bittet sie, das Band nicht zu eng zu knüpfen (im deutschen Text: nicht das Band zu eng zu schlingen). Will er sich nicht zu eng oder nicht auf die Dauer an sie binden? Jedoch versichert er ihr, dass er auch dann nicht von ihr fortlaufen würde.

Das Mädchen möchte das nur zu gern glauben und löst das Band mit dem Ergebnis, dass der Bursche in den nächsten Wald rennt.

Mit diesem fast tragischen Ausgang endete das schwedische Lied, wie auch bis heute die Liedtexte in der überwiegenden Anzahl der deutschen Liederbücher.

Doch 1865 hat Fredrik Egerling noch die Strophen vier und fünf hinzugesetzt, die nur in ganz wenigen deutschen Liederbüchern zu finden sind:

4. Sie kamen mit 15 Gewehren so schnell,
›Und wollt ihr mich haben, hier bin ich zur Stell!‹

Im Lied wird nicht gesagt, wer »sie« sind. Möglich ist, dass das Mädchen bereits befürchtet hat, dass der junge Mann auf ihre Annäherung derart reagiert. Man kann sich vorstellen, dass sie vorsichtshalber einigen Bekannten im Jagdverein gebeten hat, ordentlich mit ihren Büchsen zu knallen, falls der Bursche tatsächlich sich im Wald davonmachen will. Wahrscheinlich nicht nur wegen dieser massiven Einschüchterung kehrt der junge Mann zurück. Er hat gemerkt, das Mädchen meint es ernst mit ihrer Liebe und er wirbt um sie mit den Worten: »Hier bin ich zur Stell!«

Auch in der Tanzbeschreibung II (s. u.) geht die Initiative vom Mädchen aus und nach dem symbolischen Schießen kehrt der Junge zu dem Mädchen zurück in die Mitte des Kreises.

Im Lied geht dann alles ganz schnell: Etwas lapidar heißt es, dass sie versprochen ist, sprich: dass die beiden sich verlobt haben (s. auch Tanzbeschreibung II: das Niederknien des Jungen vor dem Mädchen ist symbolisch für einen Heiratsantrag).

5. Hei, nun ist sie versprochen und hat ihren Mann,
den wackersten Burschen überall hier im Land

Während wir im ganzen Lied nichts über Aussehen oder Wesen des Mädchens erfahren, wird in der 5. Strophe der Mann gelobt: er sei der »wackerste Bursche im ganzen Land«. Das Mädchen ist zufrieden; sie hat den von ihr Geliebten als Ehemann bekommen. Und so nimmt nach dem Ereignis in der dritten Strophe mit den zusätzlichen Strophen die Geschichte doch noch ein gutes Ende.

Statt der vierten Strophe von Egerling habe ich in den Videos bei Youtube zwei Varianten gefunden, die beide nach dem unglücklichen Ausgang der dritten Strophe die ›Moral von der Geschicht‹ predigen:

Variante I:

D'rum traut keinem jungen Burschen und nehmt euch in acht,
denn so wie im Lied hat’s schon mancher gemacht.

Variante II:

D'rum haltet die Burschen so fest wie es geht,
Sie nehmen sonst Reißaus eh' ihr euch's verseht.

Statt der fünften und sechsten Strophe wird auch manchmal nach der vierten dem Mädchen folgender Rat gegeben:

D'rum tanz mit ihm Walzer und trink mit ihm Bier,
sing mit ihm, dann bleibt er von selber bei dir.

Rezeption

Besonders populär wurde das Tanzlied Zum Tanze da geht ein Mädel in der Jugendbewegung. Von den sechs mir bekannten Wandervogel-Liederbüchern, einige mit bis zu 11. Auflagen, soll hier nur der sechs Strophen und der Tanzbeschreibung wegen das Wandervogel Liederbuch (5. Auflage 1920) hervorgehoben werden.

Was die Anzahl der mir Online und in Privatbibliotheken zugänglichen Liederbücher betrifft, so zeigt sich weiterhin ein Wachsen der Beliebtheit des Liedes in den 1940er Jahren Zum Tanze da geht ein Mädel nicht nur in Schulliederbüchern, sondern auch in zahlreichen anderen Gebrauchsliederbüchern vertreten ist. Sogar der nationalsozialistische Bund Deutscher Mädel hat das Lied in sein Wir Mädel singen aufgenommen.

In den ersten fünfzehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen fast 50 Ausgaben mit dem Lied, darunter Schul-, Chor- und Tanzliederbücher alle mit jeweils drei Strophen. Wie beliebt das Lied auch weiterhin war, kann man auch an den 30 Ausgaben von 1960 bis 1979 sehen. Zum ersten Mal seit 1920 wurde das Tanzlied 1961 mit sechs Strophen herausgegeben in Windrose - Lieder Kanons und Chöre. Wenn auch die Anzahl der Liederbücher mit dem Tanzlied in den nächsten 20 Jahren auf 14 abnahm, so erschienen doch einige mit beachtlichen Auflagen, z. B. 1988 beim Weltbild Verlag Deutscher Liederschatz, 1990 das Taschenbuch Lieder, Songs, Gospels des Schneider Verlags und 1995 die zweibändige Liedersammlung des Liederforschers Ernst Klusen Deutsche Lieder im Insel Verlag. Seit dem Jahr 2000 fällt auf, dass das Zum Tanze da geht ein Mädel besonders bei Pfadfinderschaften als Tanzlied populär ist, worauf die Liederbücher Schwarzer Adler, Jurtenburg, Liederjurte und Tonspur hinweisen.

Wie dem Katalog des Deutschen Musikarchivs Leipzig mit 77 Partituren zu entnehmen ist, ist das Tanzlied bei Chören, speziell bei gemischten Chören, besonders beliebt.

Tanzbeschreibungen

In Schweden wurde und wird Och jungfrun hon går i dansen als Kreiswalzer bzw. als Reigen in mehreren Varianten getanzt. Mir ist folgende Tanzbeschreibung eines Kreiswalzers bekannt:

Choreografie 1:

Mann und Frau stehen sich gegenüber. Die Frauen bilden den inneren Kreis, die Männer den äußeren. Beim Singen oder Spielen des Liedes tanzt jedes Paar Walzer. Nach jeder Strophe gehen die Männer im Uhrzeigersinn zur nächsten Partnerin. Wenn ein Paar sich besonders gut versteht, geht es aus dem Doppelkreis und tanzt in der Mitte. Über die Beendigung des Tanzes gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Paar in der Mitte klatscht in die Hände, alle hören auf zu tanzen und klatschen mit oder immer mehr sich einander verstehende Paare tanzen in der Mitte bis sich der Kreis vollständig aufgelöst hat.

Aus Wandervogel Liederbuch (1929, S. 238) stammt folgende - zur besseren Nachvollziehbarkeit hier leicht geänderte – Tanzbeschreibung.

Choreografie 2:

Es wird ein Kreis gebildet und ein Mädchen steht in der Mitte. Während der Kreis mit Nachstellschritten nach links schreitet, geht das Mädchen mit Nachstellschritten nach links. Ein ›Nachstellschritt‹ meint hierbei: Ein Fuß schreitet vor, der andere wird mit Gewichtsübertragung daneben gestellt, also ›beigestellt‹, was im Volkstanz auch als ›Beistellschritt‹ bezeichnet wird. Ein Nachstellschritt ist somit die Kombination von einem Gehschritt und einem Beistellschritt.

In der 1.Strophe bei »schlingt« wählt das Mädchen einen Jungen aus. Beide gehen nebeneinander im Keis weiter.

In der 3. Strophe zaudert das Mädchen immer wieder bis »lauf« dann tritt der Junge zurück und blickt zu Boden. Bei »gerannt« durchbricht er den Kreis und läuft außen in entgegengesetzter Richtung weiter.

In der 4. Strophe durchbricht das Mädchen auf »sie« an beliebiger Stelle den Ring und läuft dem Knaben nach. Der Ring löst sich auf und folgt ihr, indem der erste Tänzer links von der Stelle, wo sie durchlief, sich ihr anschließt.

Alle ahmen das Schießen nach, indem sie abwechselnd den linken und den rechten Arm ausstrecken. Auf »wollt« läuft der Junge in die Mitte des Rings; nach der Wiederholung der Zeile bei »wollt« geht das Mädchen in die Mitte. Der Junge kniet vor ihr nieder (»hier bin ich zu Stell«).

In der 5. Strophe macht das Paar Wiegeschritte nach links und nach rechts, auf »wackersten« tanzen sie linksum (linker Arm gestreckt) auf das zweite Mal »wackersten« umgekehrt.

In der 6. Str. tanzt das Paar Walzer. Entweder tanzen und singen dann alle mit oder ein anderes Mädchen und dann ein anderer Junge fangen vorn vorne an.

Eine weitere Choreographie findet sich auf Youtube unter Trachtentanzgruppe ›Wetschehausen / Würzburg‹

Georg Nagel, 6. Juli 2020