Wer klopfet an?

»Herbergsuche«, wie das Lied auch genannt wird, ist ein Weihnachtslied aus dem 19. Jahrhundert

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Musiknoten zum Lied - Wer klopfet an?

»Wer klopfet an?« »O zwei gar arme Leut!«
»Was wollt ihr denn?« »O gebt uns Herberg heut!
O durch Gottes Lieb wir bitten,
öffnet uns doch eure Hütten!«
»O nein, nein, nein!« »O lasset uns doch ein!«
»Es kann nicht sein.« »Wir wollen dankbar sein.«
»Nein, nein, nein, es kann nicht sein.
Da geht nur fort, ihr kommt nicht rein.«

»Wer vor der Tür?« »Ein Weib mit ihrem Mann.«
»Was wollt denn ihr?« »Hört unser Bitten an!
Lasset heut bei euch uns wohnen.
Gott wird euch schon alles lohnen!«
»Was zahlt ihr mir?« »Kein Geld besitzen wir!«
»Dann geht von hier!« »O öffnet uns die Tür!«
»Ei, macht mir kein Ungestüm,
da packt euch, geht wo anders hin!«

»Was weinet ihr?« »Vor Kält erstarren wir.«
»Wer kann dafür?« »O gebt uns doch Quartier!
Überall sind wir verstoßen,
jedes Tor ist uns verschlossen!«
»So bleibt halt drauß!« »O öffnet uns das Haus!«
»Da wird nichts draus.« »Zeigt uns ein andres Haus.«
»Dort geht hin zur nächsten Tür!
Ich hab nicht Platz, geht nur von hier!«
»Da geht nur fort!«

»O Freund, wohin, wo aus?«
»Ein Viehstall dort!« »O Josef, nur hinaus!
Ach mein Kind, nach Gottes Willen
musst du schon die Armut fühlen!«
»Jetzt packt euch fort!« »O dieses harte Wort!«
»Zum Viehstall dort!« »O wohl ein schlechter Ort!«
»Ei, der Ort ist gut für euch;
ihr braucht nicht viel, da geht nur gleich!«

»Herbergsuche«, wie das Lied auch genannt wird, ist ein traditionelles Adventslied aus dem süddeutschen und alpenländischen Raum, vorwiegend Tirol und Oberbayern, wo es oft Bestandteil von Krippenspielen ist. Denn Wer klopfet an? symbolisiert die Not von Josef und Maria, die in der Adventszeit durch Bethlehem irren, auf der Suche nach einer Herberge, wo Maria ihr Kind zur Welt bringen kann. Sie klopfen an viele Türen und bitten um Einlass, doch sie werden immer wieder abgewiesen bis sie schließlich in einem Stall unterkommen.

Die Melodie und der heute übliche Text sind ab dem 19. Jahrhundert aus Oberbayern und Österreich überliefert. Erste Textfragmente von Wer klopfet an? sind bereits um 1740 in einem Quodlibet in der Ostracher Liederhandschrift enthalten. Sie basieren inhaltlich auf der Weihnachtsgeschichte, wie sie in der Bibel erzählt wird.

Wer klopfet an?, heißt es auch in den Klöpfel- oder Bösselnächten. Dies sind die Nächte der letzten drei Donnerstage des Advents. In ländlichen Gegenden Bayerns und Oberösterreichs war es lange gepflegter Brauch, dass die Dorfburschen in diesen Nächten um die Häuser zogen, an die Fenster klopften und sogenannte Klöpfellieder sangen in denen die verzweifelte Herbergssuche von Maria und Josef nachgespielt und Dialogform gesungen wird. Die Burschen klopfen an und die Hausbewohner weisen die Besucher ab, so wie Maria und Josef einst abgewiesen wurden bis sie schließlich in einem Stall unterkamen, wo Maria ihr Kind zur Welt bringen konnte.

Diese symbolische Herbergssuche wird als Zwiegespräch zwischen dem bittenden Paar Maria und Josef und dem herzlosen Herbergswirt gesungen. In früheren Zeiten wurde das Lied von der Herbergssuche aber auch in Krippenspielen verwendet. Auch beim Brauchtum der Wandermuttergottes wird das Lied bei der Übergabe des Marienbilds gesungen. Auch dieser Brauch wird vorwiegend im Alpenland gepflegt.

Obwohl das Lied von bekannten Interpreten wie Nena und Frank Zander gesungen wurde, erreichte es stilbedingt nie die Bekanntheit und Beliebtheit anderer deutscher Weihnachtslieder.

Tom Borg, 7. Oktober 2023

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