Wer das Elend bauen will

Volkslied (15. Jh.)

Musiknoten zum Lied Wer das Elend bauen will

Liedtext

Wer das Elend bauen will,
der mach sich auf und zieh dahin
wohl auf Sanct Jakobs Straßen!
Zwei Paar Schuch die muß er han,
ein Schüssel bei der Flaschen.

Ein breiten Hut den soll er han
und ohne Mantel soll er nit gahn
mit Leder wohl besetzet;
es schnei oder regn' oder wehe der Wind,
daß ihn die Luft nicht netzet.

Sack und Stab ist auch dabei.
Er lug, daß er gebeichtet sei,
gebeichtet und gebüßet.
Kummt er in der Welschen Land,
er findt kein' deutschen Priester.

So ziehen wir durch Schweizerland ein,
sie heißen uns gottwillkommen sein
und geben uns ihre Speise;
sie legen uns wohl und decken uns warm,
die Straßen tun sie uns weisen.

So ziehen wir durch die welschen Land,
die seind uns Brüdern unbekannt:
Das Elend müssen wir bauen.
Wir rufen Gott und Sankt Jacob an
und unser liebe Frauen.

So ziehen wir durch der armen Jecken Land.
Man gibt uns nicht dann Apfeltrank,
die Berge müssen wir steigen.
Gäb man uns Äpfel und Birn genug,
wir äßens für die Feigen.

So ziehen wir durch Soffeien hinein.
Man gibt uns weder Brot noch Wein,
die Säck stehn uns gar leere:
Wo ein Bruder zu dem andern kommt,
der sagt ihm böse Märe.

So ziehen wir zu Sanct Spiritus ein;
man gibt uns Brot und guten Wein:
Wir leben in reichem Schalle.
Langedoken und Hispanierland
das loben wir Brüder alle.

Es liegen fünf Berg im welschen Land,
die seind uns Pilgram wohlbekannt:
Der erst heißt Runzevalle,
und welcher Bruder darüber geht,
sein' Backen werden ihm schmale.

Der ander heißt der Monte Christein:
Der Pfortenberg mag wohl sein Bruder sein,
sie sein einander fast gleiche;
und welcher Bruder darüber geht,
verdient das Himmelreiche.

Der vierte heißt der Ravenel,
darüber laufen die Brüder und Schwestern gar schnell;
der fünfte heißt ihn Alle Fabe:
Da liegt viel manches Biedermanns Kind
aus deutschem Land begraben.

Der König von Hispanien der führt ein Kron:
Er hat gebauet drei Spital gar schon
in Sanct Jakobs Ehren:
Und welcher Bruder darein kommt,
man beweist ihm Zucht und Ehre.

Es war dem Spitalmeister nit eben,
vierthalbhundert Brüdern hat er vergeben,
Gott, laß nit ungerochen!
Zu Burges ward er an ein Kreuz geheft,
mit scharfen Pfeilen durchstochen.

Der König der war ein Biedermann:
Die Pilgramkleider legt er sich an,
sein Spital wollt er beschauen:
Was ihm die deutschen Brüder sagten,
das wollt er nit glauben.

Da ging er in das Spital ein.
Er hieß ihm bringen Brot und Wein;
die Supp die was nit reine:
Spittelmeister, lieber Spittelmeister mein.
Die Brot sind viel zu kleine!

Der Spittelmeister was ein zornig Mann.
Der Greulich hat dich herein getrag'n,
das nimmt mich immer Wunder.
Und wärst du nit ein wälscher Mann,
ich vergäb dir, wie den deutschen Hunden.

Und da es an den Abend kam,
die Brüder wollten schlafen gahn,
er tät zu dem Spital aus laufen;
die andern Brüder täten
den Spittelmeister sehr raufen.

Da es an den Morgen kam,
man sach viel gewappneter Mann
zu dem Spital eindringen:
Man fing den Spittelmeister
und all sein Hausgesinde.

Man band ihn auf ein hohes Roß,
man führt ihn gen Burges auf das Schloß,
man tät ihn in ein Eisen schließen:
Es tät dem Spittelmeister
gar sehre und hart verdrießen.

Der Spittelmeister hätt ein Töchterlein,
es mocht recht wohl ein Schälkin sein:
Es nimmt mich immer Wunder,
daß der liebste Vater mein
soll sterben wegen der deutschen Hunde.

Es stund ein Bruder nahe dabei:
Nun soll es nit verschwiegen sein,
ich will es selber klagen:
Da ward dasselbig Töchterlein
unter den Galgen begraben.

Sieh Bruder, du sollst nit stille stahn!
Vierzig Meil' hast du noch zu gahn,
wohl in Sanct Jakobs Münster,
vierzehn Meil hin hinter baß
zu einem Stern, heißt Finster.

Den „Finstern Stern" wollen wir lan stahn
und wollen zu Salvator eingahn,
groß Wunderzeichen anschauen:
So rufen wir Gott und Sanct Jakob an
und unser liebe Frauen.

Bei Sanct Jakob vergibt man Pein und Schuld,
der liebe Gott sei uns allen hold
in seinem höchsten Throne!
Der Sanct Jakob dienen tut,
der lieb Gott soll ihm lohnen.