Weihnachtsfreude

(Der Winter ist gekommen)

Weihnachtsfreude ist ein Weihnachtslied von Robert Reinick, das auf eine ältere Volksweise gesungen wird.

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Musiknoten zum Lied - Weihnachtsfreude

Der Winter ist gekommen
und hat hinweg genommen
der Erde grünes Kleid;
Schnee liegt auf Blütenkeimen,
kein Blatt ist an den Bäumen,
erstarrt die Flüsse weit und breit.

Da schallen plötzlich Klänge
und frohe Festgesänge
hell durch die Winternacht.
In Hütten und Palästen
ist rings in grünen Ästen
ein bunter Frühling aufgewacht.

Wie gern doch seh ich glänzen
mit all den reichen Kränzen
den grünen Weihnachtsbaum;
dazu der Kindlein Mienen,
von Licht und Lust beschienen;
wohl schönre Freude gibt es kaum!

Drum pflanzet grüne Äste
und schmücket sie aufs Beste
mit frommer Liebe Hand
dass sie ein Abbild werden
der Liebe, die auf Erden
solch großes Heil uns hat gesandt.

Ja, lasst die Glocken klingen
dass wie der Englein singen
sie rufen laut und klar:
»Gott in der Höh soll werden
der Ruhm, und Fried auf Erden
und Wohlgefallen immer dar!«

Und rings ob allen Bäumen
sang in den Himmelsräumen
der frohen Engel Schar.
»Gott in der Höh‘ soll werden
der Ruhm, und Fried auf Erden
und Wohlgefallen immerdar!«

Das Gedicht Weihnachtsfreude mit der Anfangszeile »Der Winter ist gekommen« schrieb der Maler und Schriftsteller Robert Reinick (1805-1852) im Jahr 1837. Gesungen wird es auf eine ältere Volksweise.

Mit den Zeilen »Der Winter ist gekommen und hat hinweg genommen« setzt Reinick den Grundtenor seines Herbstgedichts: Die Vergänglichkeit und Erneuerung der Natur – sie gehen Hand in Hand. Damit etwas erneuert werden kann, muss es zunächst vergehen. Und so nimmt auch in diesem Gedicht der Winter das »grüne Kleid der Erde«, wie Reinick es poetisch formuliert. Die Blätter fallen von den Bäumen, Schnee bedeckt alles was im Sommer so prächtig leuchtete. Sogar gar die Flüsse erstarren. Gar grausig schildert die erste Strophe den Winter.

Doch dann, in der zweiten Strophe, flackert Hoffnung auf:

Da schallen plötzlich Klänge
und frohe Festgesänge
hell durch die Winternacht.

Weihnachten lässt die trostlose Natur wieder erwachen, denn es müssen nicht immer bunte Blumen sein, die uns Freude bereiten. Auch der Weihnachtsbaum, bunt geschmückt und hell erleuchtet von Kerzen, die ihren Schein in die kalte, winterliche Dunkelheit senden. Nein, die Natur ist nicht vergänglich, sie erneuert sich lediglich, schöpft neue Kraft, um im nächsten Frühjahr erneut aufzublühen. Der Winter ist somit auch ein Symbol der Hoffnung, denn der dunkelste Tag des Winters ist gleichzeitig auch der Anfang der neuen Helligkeit, des Wiederwachens der Natur. Es ist somit kein Zufall, dass Robert Reinick den Winter mit Weihnachten in Verbindung bringt. Denn auch Jesus, der als Erlöser der Welt geboren wurde, kam am 24. Dezember, mitten im Winter, in unsere Welt.

Und auch im Lied Weihnachtsfreude wird der Winter nur als Übergang, als Schnittstelle zwischen alt und neu gesehen. Denn während der Winter die Welt symbolisch frieren lässt, zieht bereits eine neue Hoffnung herauf in Form des Christuskinds. Es trotzt der symbolischen Kälte der Menschheit und der Dunkelheit in uns selbst und lässt uns Weihnachtsbäume schmücken, die inmitten des Winters hell erleuchtet strahlen und damit zu einer Botschaft werden: Auch unser Leben ist nur ein Kommen und Gehen; doch es gibt ein größeres Leben, eines, das wie die Natur, nicht vergeht, sondern sich beständig erneut. Auch wir sind Teil dieser ewigen Welt – wir müssen sie nur als solche annehmen.

Robert Reinick verpackt uns diese Botschaft in poetische Worte, die Weihnachten als einen Wendepunkt beschreibt. Denn nach dem Winter kommt ein neuer Frühling…!

Tom Borg, 24. Oktober 2023

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