Was wöll wir aber heben an

Volkslied (1525)

Musiknoten zum Lied Was wöll wir aber heben an

Liedtext

Was wöll wir aber heben an,
ein neues Lied zu singen
wol von dem König aus Frankreich,
Mailand das wollt er zwingen.
Das geschah, da man zählt tausendfünfhundert Jahr,
im fünfundzwanzigsten ist's geschehen:
er zog daher mit Heereskraft
hat mancher Landsknecht gsehen.

Er zog für ein Stadt, heißt Mailand,
dieselbig tät er zwingen,
dernach für ein Stadt, die heißt Pavia,
er meint, er wollt es gewinnen,
darin lag mancher Landsknecht frisch,
das hätt der König verschworen,
er sprach, sie sollten die Stadt aufgeb'n,
sie wär sunst schon verloren.

Wir lagen die winterlange Nacht,
vor Kält kunt' wir nicht bleiben,
wir kunnten nicht erwarten des kühlen Wein,
gar eilend tät wir schreiben,
und schrieben dem Fürsten aus Oesterreich,
er soll nicht ausbleiben,
soll bringen manchen Landsknecht frisch,
den König zu vertreiben.

Alsbald der König das vernahm,
tät er sich nit lang besinnen,
wie bald er die Stadt zum Sturm beschoß,
er meint, er wollts gewinnen,
davor verlor er viel manchen Mann,
das tät dem König zoren,
er sprach, sie sollen die Stadt aufgeben,
sie wär doch sunst verloren.

Der Sturm hat er fünf getan
und hat sie all verloren.
Da zug Herr Jörg, Marx Sittich v. Ems daher,
die zween Herren auserkoren,
legten sich vor Pavia in das Feld,
Pavia tät sich das freuen,
der König mit Heereskraft davor,
man kehrt sich nit an sein Dräuen!

Die Landsknecht machten ihr Ordnung fest,
ein Rat der wurd beschlossen:
Ein „verlornen Haufen" man machen soll,
ein Hauptmann ausgeschlossen.
Hauptmann Edel ist er genannt,
man ruft ihn mit den Treuen:
Nimm den verlornen Haufen zu Hand,
laß dich dein Leben nit reuen!

Die Schlacht währt anderthalbe Stund
da war sie schon vergangen.
Wurd' mancher Schweizer zu Tod geschlagen,
manicher wurd' gefangen.
Die Landsknecht blieben dahinten stahn
als viel mich will bedunken;
die Summ' man nit erzählen kann,
die im Wasser sein ertrunken.

Schweizer, du schießt mir ein Dreck auf d' Nas,
und fünfzehn in Knebelbarte;
ich mein, wir haben dich bar bezahlt,
zu Pavia im Tiergarten.
Du sprichst: ich berühme mich eigner Schand,
das ist wahrlich erlogen:
Du hast dem Franzos verloren Land,
bist schändlich von ihm geflohen.

Der uns das Liedlein neuwes sang,
von neuem hat gesungen,
das hat getan ein Landsknecht gut,
den Reihen hat er gesprungen.
Wann er ist auf der Kirchweih gewest,
der Pfeffer ward versalzen,
man richt ihn mit langen Spießen an,
mit Hellebarden g'schmalzen.