Was könnte wohl Edlers auf Erden

Volkslied (um 1750)

Volksweise (um 1750)

Musiknoten zum Lied Was könnte wohl Edlers auf Erden

Liedtext

Was könnte wohl Edlers auf Erden
beim Menschen gefunden werden,
als wann sich im Mai verfüget herbei,
des Frühlings holdselige Zeit;
da unsre Natur
durch muntere Kur
aufs Neu sich erholet vom Leid:
Ein Zeit von Gott b'sonders erkoren
zur Herzenserquickung geboren,
wo alles was lebt,
schier allerdings schwebt
in einer unb'schreiblichen Freud.

Betrachte die Schönheit der Gärten,
wo Flora mit ihren Gefährten
in Gala und Flor, sich machet hervor,
eilfertig besuchet ihr Reich:
die Felder bedeckt, mit Blumen besteckt,
gleich einer vielfältigen Bleich;
sie wundert die schöne Narcissen,
und möchte vor anderen wissen,
was immer ein Blum, ohn weiteren Ruhm,
ihr möge an Zierde sein gleich.

Pomona bleibt auch nicht dahinten,
sie will sich ganz freundlich einfinden,
die Völle der Blüh, ohn fernere Müh,
ihr alles nur Gutes verspricht.
Die Ästlein durchgeht, betrachtend, wie's steht,
und selbe in Ordnung sie schlicht;
kaum kann sie die Zeit mehr erwarten,
bis sie in dem vollen Obstgarten
von großer Begierd, gereizt und verführt,
abbreche die zeitige Frucht.

Es werden die nackenden Auen,
durch Phoebi erwünschtes Anschauen,
auf künstliche Art, ohn mühsame Wart
mit frischem Grün sammet bekleidt;
Diana frohlockt, den Jäger sie lockt
nach einer ergötzlichen Beut:
die weit herum liegende Wiesen
an Größe von jedem gepriesen,
die machen mit Gwalt, ein frische Gestalt,
dem traurigen Winter zum Neid.

Die spiegel-hell rinnenden Bäche,
begießen die blumreiche Fläche,
bei währendem Sitz, der brennenden Hitz,
mit einer kristallinen Quell;
worin sich Narciss vergaffen tät g'wiss
aus eigner Leib stürzen sie schnell;
die Äcker annehmlich florieren,
mit frischem Grün Saaten stolzieren,
erfüllen mit Scherz, die Augen und Herz,
erquicken die menschliche Seel.

Im Garten ein jeder spazieret,
wann Cynthia nächtlich regieret,
am himmlischen Port, beleuchtet alldort
die Sternen mit silbernen Schein;
Trompeten, Schalmei, man höret ganz frei,
bald schlagt man die Pauken auch drein;
der blaset ganz zierlich die Flauten,
der ander mit Stimmung der Lauten,
und mit dem Clavier (wer wettet mit mir?)
Lehrmeister des Orpheus will sein.