Trariro, der Sommer, der ist do

Volkslied (18. Jh.)

Früher wurde der Sonntag Lätare, der 4. Sonntag in der Fastenzeit, als Frühlingsbeginn mit Todaustragen und Sommereinholen gefeiert. Dabei sangen Kinder das hier vorgestellte Lied,das in verschiedenen Fassungen bekannt ist. Carl Maria von Weber veröffentlichte 1817 eine Fassung für 2 Singstimmen und Klavierbegleitung und auch Friedrich Silcher nahm das Lied 1826 in seine für vier Männerstimmen gesetzte Volkslieder auf.

Volksweise (18. Jh.)

Musiknoten zum Lied Trariro, der Sommer, der ist do

Liedtext

Trariro, der Sommer, der ist do!
Wir wollen naus in den Garten
und wollen des Sommers warten.
Jo,jo,jo, der Sommer, der ist do!

Trariro, der Sommer, der ist do!
Wir wollen hinter die Hecken
und wolln den Sommer wecken.
Jo,jo,jo, der Sommer, der ist do!

Trariro, der Sommer, der ist do!
Der Sommer hat gewonnen,
der Winter ist zerronnen.
Jo,jo,jo, der Sommer, der ist do!

Herkunft

Das Sommerlied Trariro, der Sommer der ist do erschien im Druck zum ersten Mal 1778 in einem Artikel von Professor Seybold in der Zeitschrift Teutsches Museum mit den ersten beiden Strophen (vgl. auch Ernst Rölleke, Das große Buch der Volkslieder, 1903, S. 182). Bereits vorher war es in den Regionen Rheinland-Pfalz, Bergstraße und Odenwald bekannt. Dort wurde es am dritten Sonntag in der Mitte der Fastenzeit (Mittfasten, im Kirchenjahr ›Laetare‹ = Freue dich - auf die Auferstehung Jesu) bei den Umzügen gesungen, bei denen symbolisch der Winter ausgetrieben und der Frühling bzw. der herannahende Sommer begrüßt wurde (vgl. So treiben wir den Winter aus).

Die Melodie ist seit etwa seit Mitte des 18.Jahrhunderts überliefert. Sie wurde 1807 mit kleinen Abweichungen von Carl Gottlieb Hering (1768 - 1853) für das von Carl Hahn stammende Kinderlied Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp verwendet.

Obwohl eine spätere Vertonung des Textes von Carl Maria von Weber (1786 - 1826) "wegen der schwierigen Singbarkeit für Kinder keine besondere Verbreitung gefunden" hat (Theo Mang, Sunhilt Mang, Deutsche Lieder, 2015, S. 103), wird Ende des 19. Jahrhunderts in etlichen Liederbüchern Carl Maria von Weber als Komponist angegeben. In Liederbüchern der 1960er Jahre wird zur Melodie ausgeführt: "Carl Maria von Weber, vereinfacht von Ludwig Erk". Die uns heute geläufige Melodie geht auf die Singweise bei den Sommertagsumzügen aus dem 18. Jahrhundert zurück.

1808 nehmen Clemens Brentano (1778 - 1842) und Achim von Arnim (1787 - 1831) Trariro, der Sommer der ist do in ihre dreibändige Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn auf, und zwar in den Anhang Kinderlieder des 3. Bandes unter dem Titel Sommertagslied mit sechs Strophen. In spätere Liedersammlungen wurden überwiegend die oben genannten drei Strophen mit der Anfangszeile "Trarira, der Sommer der ist da" (manchmal auch Traria … oder Trarara ….) aufgenommen.

An Mittfasten wurden auch andere Lieder gesungen, so z.B. das heute noch bekannte Lied So treiben wir den Winter aus. Ob bei den Sommertagsumzügen auch Trarira! Bald ist der Frühling da! gesungen wurde, ist nicht bekannt. Dieses Lied wurde angesichts des populär gewordenen Trarira, der Sommer der ist da nach einer alten Volksweise 1845 von Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874) gedichtet.

Interpretation

Heißt es noch in der ersten Strophe "(wir) wollen des Sommers warten", kommt einem der Beginn der ersten Strophe vor wie eine Wunschformel. Der Wunsch, dass "der Sommer (nun endlich) do" sein möge, wird in der zweiten Strophe bekräftigt, denn zunächst geht es darum, "den Sommer (zu) wecken".

Ähnlich wie es im Lied Alles neu macht der Mai in der ersten Strophe heißt: "Lasst das Haus, kommt hinaus", soll es hier "naus in den Garten" gehen. Dort gut geschützt "hinter Hecken" gedeihen ja – wie man häufig beobachten kann – die ersten Frühlingsboten. Wie man in dem Lied Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün den Mai herbeigesehnt hat, so wird es hier in der dritten Strophe gewiss: der Sommer (zu mindestens der Sommeranfang) hat begonnen. Wie früher die Postillions in ihre Posthörner ihr Trarira schmetterten, so kann jetzt aus voller Lunge und mit großer Freude gesungen werden: "Tra ri ro, der Sommer, der ist do". Wie jedes Jahr hat der Sommer den Sieg über den Winter davon getragen, wobei nicht erwähnt wird, dass bereits der Frühling seinen Teil dazu beigetragen hat.

Die mit "zum Biere" oder "zum Weine" beginnenden Zeilen der vierten und fünften Strophe wirken in einem im Wunderhorn als Kinderlied bezeichneten Text befremdlich. Das dürfte der Grund dafür sein, dass spätere Sammlungen und Liederbücher diese beiden Strophen nicht mehr enthalten.

Der im Wunderhorn als vierte Strophe abgedruckte Text

Tra, ri, ro, der Sommer, der ist do.
Zum Biere, zum Biere,
Der Winter liegt gefangen,
Den schlagen wir mit Stangen,
Jo, jo, jo, der Sommer, der ist do.

wurde gegen Ende eines Umzugs gesungen, auf dem der Winter ausgetrieben wurden. Am sogenannten Sommersonntag zogen die Kinder mit hölzernen Stäben, an denen eine mit bunten Bändern geschmückte Brezel hing singend von Haus zu Haus. Die kleineren Knaben trugen kleine Kränze an ihren Stecken. Nachdem sie etwas Kleingeld oder Süßigkeiten erhalten hatten, übergaben sie den Spendern die Brezel bzw. das Kränzlein. Spielerisch wurde dann mit den Stangen gekämpft, wobei einige Kinder den Winter, andere den Sommer darstellten. Wie man sich denken kann: es gewann immer der Sommer.

In späteren Liederbüchern ist der Text, in dem der Sommer den Winter besiegt hat, als dritte Strophe zu finden:

Tra, ri, ro, der Sommer, der ist do!
Der Sommer hat gewonnen,
Der Winter ist zerronnen,
Jo, jo, jo, der Sommer, der ist do.

Brentano und von Arnim haben in ihrem Wunderhorn noch folgende fünfte Strophe aufgenommen:

Tra, ri, ro, der Sommer, der ist do.
Zum Weine, zum Weine,
In meiner Mutter Keller,
Liegt guter Muskateller,
Jo, jo, jo, der Sommer, der ist do.

Die folgende letzte Strophe aus dem Wunderhorn wird nur in wenigen Liederbüchern aufgeführt. Zu finden ist sie u.a. in den Liedersammlungen der Volksliedforscher Ernst Klusen und Heinz Rölleke.

Tra, ri, ro, der Sommer, der ist do.
Wir wünschen dem Herrn ein goldnen Tisch,
Auf jeder Eck ein gebacknen Fisch,
Und mitten hinein drei Kannen voll Wein,
Dass er dabei kann fröhlich sein.
Jo, jo, jo, der Sommer, der ist do.

Als Dank für die Gaben wird noch heute von den umherziehende Kindern die erste Zeile gesungen; die Zeilen zwei bis fünf werden nicht gesungen, sondern im Rezitationston gesprochen (Klusen, S. 824).

Rezeption

Seitdem Trariro, der Sommer, der ist da 1840 in der Sammlung Deutsche Lieder mit ihren Originalweisen in pfälzischer Mundart aufgetaucht war, wurde es in ganz Deutschland derart populär, dass es allein bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur in Schulliederbüchern wie das Liederbuch für Schule und Leben (1857), sondern auch in alle bedeutenden Liedersammlungen aufgenommen wurde. Nur mit den ersten drei Strophen finden wir es in Erks Deutscher Liederschatz - Eine Auswahl der beliebten Volks-, Vaterlands-, Soldaten-, Jäger-, Studenten- und Liebeslieder (ca. 1880, Band 3, Nr. 156), Franz Magnus Böhme, Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895) und Deutscher Liederhort (Erk/Böhme, Band 3, S. 131, 1894).

Betrachtet man die Vielzahl der Liederbücher, in die das Lied während der Zeit der Jugendbewegung und der Weimarer Republik Aufnahme fand, so kann man zu Recht sagen, dass die Beliebtheit des Liedes ungebrochen war. Auch in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes, in der auch regionales Brauchtum stark gefördert wurde, wurde Trariro, der Sommer, der ist do in viele Schulliederbücher ebenso aufgenommen wie in Liederbücher der Hitlerjugend, des Bundes Deutscher Mädel und der NS-Frauenschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen erneut zahlreiche Schul- und andere Gebrauchsliederbücher das Lied Trariro, der Sommer, der ist do in ihr Repertoire auf. Vorwiegend fehlt allerdings die letzte Strophe, die ja eh nur bei den Sommertagsumzügen Verwendung fand bzw. heute noch findet.

Von der Vielzahl der Liederbücher sollen hier nur die auflagestarken Taschenbücher Lieder unserer Zeit – Lieder, Songs und Gospels Band 2 (Schneider, 1982), Das Kinder-Lieder-Buch (Fischer, 1984) und Deutsche Hausbibliothek – Liederschatz (Weltbild, 1987) erwähnt werden.

Von dem vorwiegend von Kinderchören auf CDs aufgenommenen Lied soll hier nur kurz auf die des Nymphenburger Kinderchor und der Schaumburger Märchensänger hingewiesen werden. Zu den wenigen Partituren des DMA sind im Internet zusätzlich weitere Klavier-, Blocklöten- und Akkordeonpartituren zu finden, ebenso eine Tonaufnahme von Nena. Wie beliebt das Lied jedoch nach wie vor ist, erkennt man auch an den über 100 Videos auf YouTube, die meist in der hochdeutschen Version "Trarira, der Sommer der ist da" gesungen sind.

Nachdem das Lied in den vergangenen 50 Jahren "eine beachtliche Wiederbelebung" (Mang, S. 102), nicht nur in den Regionen Rheinpfalz, Bergstraße und Odenwald erfahren hat, wird bei den Umzügen zum Austreiben des Winters bzw. zur Begrüßung des Sommers nach wie vor Tra, ri, ro, der Sommer, der ist do gesungen.

Georg Nagel, 27.05.2018