Schwarzbraun ist die Haselnuss

Volkslied (19. Jh.)

Zu Schwarzbraun ist die Haselnuss existieren diverse ältere Textfassungen aus dem 19. Jahrhundert. Auch die hier wiedergegebene Melodie ist nur eine von vielen Varianten in der das Lied gesungen wurde.

Musiknoten zum Lied Schwarzbraun ist die Haselnuss

Liedtext

Schwarzbraun ist die Haselnuss,
schwarzbraun bin auch i, ja i,
schwarzbraun muß mein Madel sein,
gerade so wie i.
Holderi juvi juvi di ha ha ha,
holderi juvi juvi di ha ha ha !
holderi juvi juvi di ha ha ha,
holderi juvi juvi di!

Mädel hat mir Busserl geb'n,
hat mich schwer gekränkt, ja kränkt,
hab ich's ihr gleich wiedergeb'n,
ich nehm ja nichts geschenkt.
Holderi juvi juvi di ha ha ha,...

Mädel hat nicht Hof noch Haus,
Mädel hat kein Geld, ja Geld.
Doch ich geb es nicht heraus
für alles auf der Welt.
Holderi juvi juvi di ha ha ha,...

Schwarzbraun ist die Haselnuß,
schwarzbraun bin auch i, ja i,
wenn i eine heirat'n tu,
so muß sie sein wie du.
Holderi juvi juvi di ha ha ha,...

Karaoke

Mitte Mai 2017 hat sich die Bundesministerin für Verteidigung, von der Leyen, für ein Verbot des 1991 mit einer Auflage von 100.000 vom Verteidigungsministerium herausgegebenen Liederbuchs Kameraden singt ausgesprochen, weil es außer dem Panzerlied und O, du schöner Westerwald auch Schwarzbraun ist die Haselnuss enthält. Diese drei Lieder seien "in der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs als Ausdruck nationalsozialistischer Überhöhung missbraucht" worden. Demnächst soll ein neues Liederbuch herausgebracht werden ohne diese Lieder und andere "Kompositionen und Texte von NS-Ideologen".

Bereits vor vielen Jahren hatte Heino das Lied zur Zeit der Apartheid in der südafrikanischen Union gesungen und war daraufhin als ›Nazi‹ bezeichnet worden. Wegen der farbigen Nähe zur braunen Uniform der Hitlerjugend und der NSDAP sowie zum Schwarz der SS-Uniformen ist das Lied als ›Nazilied‹ in antifaschistischen Kreisen verpönt. Meines Erachtens ist das eine weit überzogene Interpretation.

Das ›Haselnusslied‹ ist inhaltlich ein Liebeslied; es sollte weiterhin als Volkslied anerkannt werden.

In der Mehrheit der Liederbücher wird zur Entstehung des Liedes Schwarzbraun ist die Haselnuss vage das 19. Jahrhundert genannt. Auch der Volksliedforscher Ernst Klusen führt in seinem zweibändigen Werk Deutsche Lieder aus: "nach älteren Fassungen trad. 19. Jahrhundert". Dagegen hat die Volksliedforscherin und ehemalige Archivarin des Deutschen Liederarchivs Freiburg Barbara Boock eine Quelle gefunden, nach der Text und Melodie bereits 1833 bekannt waren: "In seiner Autobiographie ‘Aus dem Volksleben‘, die 1863 in Nürnberg erschien, erzählt Christoph Weiss von einem feuchtfröhlichen Abend aus seiner Handwerksburschenzeit in Berlin am 21. Oktober 1833: ‘Ich wurde so lustig, dass ich fast den halben Abend hoch vom Tische herunter Schnaderhüpferl sang und dazu jodelte [….]:

Schwarzbraun sind d’Haselnüß
Schwarzbraun bin ich,
Schwarzbraun ist mein Schatzerla,
G’rad so wie ich."

Rezeption

Ob die ›Haselnüß‹ nicht nur in Franken beliebt war, ist schwer zu sagen. Im 19. Jahrhundert ist das Lied in den bekannten Liedersammlungen und Gebrauchsliederbüchern nicht vertreten. Auch in der Jugendbewegung scheint es nicht sehr verbreitet gewesen zu sein. Jedoch ist das Lied mündlich weitergetragen worden; in den 1920er Jahre taucht es als Schwarzbraun ist die Haselnuss in Liederbüchern der Arbeiter-, der Turnerjugend und der Naturfreunde auf. Wurde es zunächst als Geselligkeitslied bezeichnet, so wird es in den Liederbüchern bis 1933 zum Wanderlied.

Dass sich nach dem 4/4-Takt nicht nur flott wandern, sondern auch gut marschieren ließ, war auch bald den Nationalsozialisten bekannt. Nach der Aufnahme in das Liederbuch der Hitlerjugend Uns geht die Sonne nicht unter (1934) übernahmen es auch der Reichsarbeitsdienst, mehrere Organisationen der SA und einige Schulbücher. Auch Nicht-NS-Verlage konnten noch bis 1939 eigene Liederbücher mit dem Lied herausbringen.

Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 kamen 1936 und 1938 die ersten Soldatenliederbücher heraus. Soldaten, Kameraden und Kameraden - Liederbuch für Wehrmacht und Volk sollten wohl auf den Krieg einstimmen. Bis 1944 folgten mehr als 25 Soldatenliederbücher. Aus dem Wanderlied war schließlich ein Soldatenlied geworden.

Erstaunlicherweise wurde das ›Haselnusslied‹ gleich 1945 vom Kulturbund der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ, ab 1949 DDR) in das Volksliederbuch zur demokratischen Erneuerung Deutschlands aufgenommen. In der Bundesrepublik brachten bis Mitte der 1960er Jahre nur wenige Verlage Liederbücher mit dem Lied heraus; ihnen schien es wohl aufgrund der Instrumentalisierung durch die Nazis zu belastet. Nachdem viele Kultusministerien scheuten, es von den Schulbuchverlagen in Schulbücher aufzunehmen, wurde Schwarzbraun is die Haselnuss“ erst wieder populär, als seit 1956 Wehrpflichtige das Lied aus den Liederbüchern (Liederbuch für Soldaten, Liederbuch der Bundeswehr und Hell klingen unsere Lieder) kennenlernten und alle großen Schallplattenproduzenten begannen, Schwarzbraun ist die Haselnuss zu verlegen. Allein mit Heino kamen von 1975 bis 2014 10 LPs bzw. CDs heraus. Insgesamt weist der Katalog des Deutschen Musikarchivs Leipzig, dem von allen musikalischen Veröffentlichungen ein Pflichtexemplar zuzusenden ist, fast 200 Tonträger aus. Auch über 200 Videos bei YouTube zeugen von der nach wie vor großen Popularität des Liedes.

Liedbetrachtung

Die Haselnuss ist bereits vor 1833 besungen worden, z.B. im schwäbischen Lied Komm wir wolln in d‘ Haselnuss (18. Jahrhundert) oder in Ei, du liewi Dorrdee-Liß geh mit mir in die Haselniß (Anfang 19. Jahrhundert). Ein Haselnussstrauch galt als Pflanze, die man vielseitig verwenden konnte: die Gerten zum Flechten von Gartenzäunen, Körben u.ä., die Blätter als stärkenden Teeaufguss, die Knospen zum Essen und als Heilmittel für schwer heilende Wunden. Sogar die Pollen mit ihren vielen Proteinen wurden verwendet; zu Zeiten des Mangels an Nahrungsmitteln wurden sie mit Mehl vermischt - das auch noch im Zweiten Weltkrieg. Die Nüsse essen wir heute noch gern, roh oder verarbeitet im Nusseis oder in der Nusstorte. Es ist diese Wertschätzung der Hasel, die der junge Mann dem ›Madel‹ entgegenbringt, der selbstbewusst von sich sagt, dass auch er "schwarzbraun" ist.

Da die Haselnuss nicht schwarzbraun ist - sie ist im Reifestadium eher etwas bräunlich - fragt man sich, wie es dazu kommt, dass der junge Mann stolz darauf ist, schwarzbraun zu sein und sich sein ›Madel‹ ebenso wünscht. Man kann sich vorstellen: beide arbeiten als Magd und Knecht in der Landwirtschaft, sind viel draußen und ihre Haut hat im Laufe der Zeit eine bräunliche Farbe angenommen (im Gegensatz zur feinen bleichen Dame, vgl. unten Röhrich). Schwarz ist die Erde des Ackers und des Gartens, die ihnen bei ihrer Arbeit nicht nur schmutzige (= schwarze) Hände macht.

Das Motiv des schwarzbraunen Mädchens taucht gleich in mehreren Liedern auf: Ein schwarzbraunes Mädchen hatte ein Feldjäger lieb (18. Jh.), Schön schwarz braunes Mädchen, du hast einen wunderschönen Mund (1820), Schwarzbraunes Mädchen im blütenweißen Hemd (1890) u.a.

Ein ›schwarzbraunes Mädchen‹ beschreibt gemäß dem Volksliedforscher Lutz Röhrich "einen zupackenden, herzhaften Typus, der auch der körperlichen Liebe ganz und gar nicht abgeneigt ist. Das Gegenbild ist die spröde, blonde Frau, die meistens auch einen höheren sozialen Rang einnimmt" (aus: »Liebesmetaphorik im Volkslied«, in: D. K. Wilgus (Hrsg.): Folklore International. Essays in traditional literature, belief, and custom. In honor of Wayland Debs Hand, Hatboro, PA. 1967, S. 187ff). So auch Ingrid Riedel im Symbol-Lexikon: "In Europa war ›schwarzbraun‹ zugleich Symbolfarbe für erdhaft sinnenfrohe Erotik".

Verständlich, dass sich der junge Mann ein solches Mädchen wünscht. Dem zweiten Vers ist zu entnehmen, dass beide sich schon näher gekommen sind: Busserl geben" und "wiedergeb’n". Aber wollen wir dem Mann wirklich abnehmen, dass es ihn gekränkt hat, als ihn das Mädel küsste? Hat es ihn gewurmt, dass sie seinem Wunsch, sie zu küssen, zuvor gekommen ist? Eher hat er sich gefreut und seine Aussage ist nur als Scherz aufzufassen. In Verbindung mit dem folgenden Jodler deutet auch die nächste Zeile, nach der er nichts geschenkt haben will, ohne das Geschenk zu erwidern, darauf, dass er nur Spaß gemacht hat.

Dass das Mädel nicht wohlhabend ist, ja, als Magd wahrscheinlich nicht einmal über eine Aussteuer verfügt, stört den jungen Mann nicht. Er liebt es so sehr, dass er es nicht herausgeben will, selbst wenn ein anderer Mann, womöglich ein gut betuchter, auftaucht, um die junge Frau werben sollte und ihm eine Art Abfindung anbieten würde.

Hat sich der Sänger in den ersten drei Strophen an Dritte, an uns als Zuhörer gewandt, so spricht er in der vierten und letzten Strophe sein umworbenes Mädchen direkt an. Er wiederholt noch einmal die schwarzbraune Gemeinsamkeit und sagt ihr, dass seine Braut und spätere Ehefrau genauso sein muss, wie sie. Streng genommen, hat er ihr damit noch keinen Heiratsantrag gemacht, aber alles deutet darauf hin (s. dritte Strophe), dass er sie heiraten möchte.

Georg Nagel, 23. August 2017