Sabinchen war ein Frauenzimmer

Das Volkslied Sabinchen war ein Frauenzimmer stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die erste und letzte Strophe werden nach der ersten Melodie gesungen, alle übrigen nach der zweiten.

Musiknoten zum Lied - Sabinchen war ein Frauenzimmer

Sabinchen war ein Frauenzimmer,
dabei gar tugendhaft.
Sie diente treu und redlich immer
bei ihrer Dienstherrschaft.

Da kam aus Treuenbrietzen
ein junger Mann daher.
Der wollte gern Sabinchen besitzen
und war ein Schuhmacher.

Sein Geld hat er versoffen
in Schnaps und auch in Bier,
da kam er zu Sabinchen geloffen
und wollte welches von ihr.

Sie konnt ihm keins geben,
da stahl er auf der Stell
von ihrer guten Dienstherrschaft
sechs silberne Blechlöffel.

Jedoch nach achtzehn Wochen,
da kam der Diebstahl raus,
da jagte man mit Schimpf und Schande
Sabinchen aus dem Haus.

Sie rief: verfluchter Schuster,
du rabenschwarzer Hund!
Da nahm er sein Rasiermesser
und schnitt ihr ab den Schlund.

Das Blut zum Himmel spritzte;
Sabinchen fiel gleich um,
der böse Schuster aus Treuenbrietzen,
der stand um ihr herum.

In einem dunklen Kellerloch,
bei Wasser und bei Brot,
da hat er endlich eingestanden
die grausige Moritot.

Und die Moral von der Geschichte:
Trau keinem Schuster nicht!
Der Krug, der geht so lange zu Wasser,
bis dass der Henkel bricht.

Der Henkel ist zerbrochen,
er ist für immer ab,
und unser Schuster muss nun sitzen
bis an sein kühles Grab.

Die Ballade Sabinchen war ein Frauenzimmer ist ein deutsches Volkslied aus dem 18. Jahrhundert, das bis heute deutschlandweit bekannt ist.

Die erstmals 1849 in der Liedersammlung Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten erschiene Ballade Sabinchen war ein Frauenzimmer erzählt von einer Dienstmagd, eben jenes Sabinchen, die »gar tugendhaft war«. So wird sie in der ersten Strophe vorgestellt. »Sie diente treu und redlich immer bei ihrer Dienstherrschaft.« Doch, wie es so ist im Leben, es »kam aus Treuenbrietzen ein junger Mann daher« den Sabinchen kennenlernte. »Er war ein Schumacher und wollte gern Sabinchen besitzen«, die sich wohl mit ihm einlässt. Aber der junge Schuster war ein Taugenichts; »sein Geld hat er schon lang versoffen«. Deshalb möchte er etwas von Sabinchen haben, die ihm aber auch nichts geben konnte.

Daraufhin stiehlt der Schumacher kurzerhand von Sabinchens »guten Dienstherrschaft sechs silberne Blechlöffel«. In machen Textversionen heißt es »sie« anstelle von »er«. Ob das tugendhafte Sabinchen nun selbst zur Diebin oder nur ausgenutzt wurde, macht allerdings keinen großen Unterschied, denn der Diebstahl wird bemerkt und »da jagte man mit Schimpf und Schande Sabinchen aus dem Haus.«

Nun kommt Sabinchens Tugendhaftigkeit wieder hervor, sie schimpft mit dem Schuster, denn sie weiß, dass er Unrecht getan hat. Das war dem Schumacher aber egal. Denn er nahm »sein Rasiermesser und schnitt ihr ab den Schlund.« Daraufhin landete der Schuster »in einem dunklen Kellerloch, bei Wasser und bei Brot«.

Und die Geschichte kann natürlich nicht enden ohne einen moralischen Fingerzeig. Nach dem eher spöttischen »Und die Moral von der Geschichte: Trau keinem Schuster nicht!« folgt die eigentliche moralische Botschaft: »Der Krug, der geht so lange zu Wasser, bis dass der Henkel bricht.« Es ist der Hinweis darauf, dass wir im Leben nicht immer mit allen unseren Taten durchkommen, irgendwann bekommen wir die Rechnung präsentiert. Und die Lehre daraus: Versuch es lieber mit Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, die haben Bestand, auch wenn es manchmal etwas dauert, bis es sich auszahlt.

Sabinchen war ein Frauenzimmer wird auch heute noch gerne gesungen. Allerdings eher selten von den bekannten Stars. In Gesangvereinen oder auch am Stammtisch, da wird es schon immer wieder angestimmt. Denn zum Aufhänger Sabinchen war ein Frauenzimmer lassen sich viele Strophen hinzudichten – die aber mit dem Originaltext nur die Titelzeile gemein haben.

Tom Borg, 3. Mai 2023

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