Nun wil ichs aber heben an

Volkslied (1515)

Volksweise (um 1500)

Musiknoten zum Lied Nun wil ichs aber heben an

Liedtext

Nun wil ichs aber heben an
von dem Danheuser zu singen,
vnd was er wunders hat getan
mit seiner fraw Venus sinnen.

Danheuser war ein Ritter gut,
wann er wolt wunder schawen,
er wolt in fraw Venus berg
zu andern schönen frawen.

Herr Danheuser, ir seyt mir lieb,
daran solt ir mir gedencken!
Ir habt mir einen aydt geschworen:
Ir wölt von mir nit wencken!

Fraw Venus, das enhab ich nit,
ich wil das widersprechen,
wann redt das yemant mer dan ir,
Got helff mirs an jm rechen!

Herr Danheuser, wie redt ir nun?
Ir solt bey mir beleyben;
ich wil euch mein gespilen geben
zu einem stetten weybe.

Vnd nem ich nun ein ander weyb,
ich hab in meynem sinnen,
so müst ich in der helle glut
auch ewigklich verbrinnen.

Ir sagt mir vil von der helle glut
und habt es nie entpfunden;
gedenckt an meinen rotten mundt,
der lachet zu allen stunden.

Was hilffet mich ewer roter mundt?
Er ist mir gar vnmere;
nun gebt mir vrlaubt, frewlein zart,
durch aller frawen ere!

Herr Danheuser, wölt ir vrlaub han,
in wil euch keinen geben;
nun beleybent, edler Danheuser,
vnd fristet ewer leben!

Mein leben das ist worden kranck,
ich mag nit lenger bleyben;
nun gebt mir vrlaub, frewlein zart,
von ewrem stoltzen leybe!

Herr Danheuser, nit redet also,
ir thut euch nit wol besinnen;
so geen wir in ein kemerlein
vnd spilen der edlen minnen!

Gebrauch ich nun ein frembdes weyb,
ich hab in meinem sinne:
Fraw Venus, edle frawe zart,
ir seyt ein Teuffellinne!

Herr Danheuser, was redt ir nun,
das ihr mich grünnet schelten?
Nun solt ir lenger hierinne sein,
ir müstent sein dick entgelten.

Fraw Venus, vnd das wil ich nit,
ich mag nit lenger bleyben.
Maria mutter, reyne maydt,
nun hilff mir von den weyben!

Herr Danheuser, ir solt vrlaub han,
mein lob das solt ir preysen,
wo ir do in dem landt vmbfart.
Nembt vrlaub von dem Greysen!

Do schiedt er wider auß dem berg
in iamer vnd in rewen:
Ich wil gen Rom wol in die stat
auff eines Babstes trawen.

Nun far ich frölich auff die ban,
Got müß sein ymmer walten,
zu einem Babst, der heyst Vrban,
ob er mich möcht behalten.

Ach Babst, lieber herre mein,
ich klag euch meine sünde,
die ich mein tag begangen hab,
als ich euchs wil verkünde.

Ich bin gewesen auch ein jar
bey Venus einer frawen,
so wölt ich beycht vnd buß entpfahen,
ob ich möcht got anschawen.

Der Babst het ein steblein in der handt,
das was sich also dürre:
Als wenig es begrünen mag,
kumpst du zu gottes hulde.

Nun solt ich leben nur ein jar,
ein jar auff diser erden,
so wölt ich beycht vnd buß entpfahen
vnd gottes trost erwerben.

Da zog er wider auß der stat
in iamer vnd in leyden:
Maria mutter, reyne maydt,
muß ich nun von dir scheyden?

Er zog do wider in den berg
vnd ewigklich on ende:
Ich wil zu Venus, meiner frawen zart,
wo mich got wil hinsende.

Seyt got wilkumen, Danheuser,
ich hab ewer lang entporen;
seyt wilkumen, mein lieber herr,
zu einem bulen außerkoren!

Das weret biß an den dritten tag,
der stab hub an zu grünen,
der Babsz schicket auß in alle landt:
Wo der Danheuser wer hinkumen?

Do was er wider in den berg
vnd het sein lieb erkoren,
des must der vierte Babst Vrban
auch ewigklich sein verloren.