Menschen, die ihr wart verloren ist ein katholisches Weihnachtslied von Christoph Bernhard Verspoell (1743–1818). Veröffentlicht wurde es 1810 in Orgelbegleitung zu den Gesängen beym Römisch-katholischen Gottesdienste, herausgegeben von Verspoell, dem damaligen Vikarius zu Münster. Das Werk gehört zu den erfolgreichsten katholischen Liedersammlungen des 19. Jahrhunderts in Münster.
Mit seinem volksliedhaften Charakter ist das Lied typisch für das katholische Lied des 19. Jahrhunderts und wohl auch deshalb bis heute in weiten Kreisen bekannt. Auch wenn es im Stammteil des katholischen Gotteslob nicht mehr enthalten ist, wird es dennoch weiterhin in einigen Diözesanhängen präsent.
Von den ursprünglich zehn Strophen des Liedtextes werden heute in der Regel nur noch die Strophen 1, 5, 8 und 9 – in dieser Reihenfolge – gesungen. Hier sind sie mit 1 bis 4 durchnummeriert.
Der Liedtext ist, wie es von einem römisch-katholischen Priester zu erwarten ist, im kirchlichen Ton gehalten. Davon zeugt bereits die erste Zeile, die auch den Liedtitel bildet: »Menschen, dir ihr wart verloren«. Ihr folgt der Aufruf zur Freude darüber, dass »Gottes Sohn geboren« ist. Dass Gott als Mensch geboren wurde, ist eine Vorstellung. Mit der wir uns bis heute schwertun. Doch das Lied gibt dazu keine Erklärung, sondern fordert uns auf, vor Gott auf die Knie zu fallen und ihm dankbar zuzurufen: »Ehre sei Gott, Ehre sei Gott«. Diese Zeile wird wiederholt und dient zusammen mit der Aufforderung als Refrain, der nach jeder der Strophen angefügt wird.
Zur Erinnerung an die Menschwerdung Gottes durch die Geburt seines Sohn Jesus feiern wir bis heute das Weihnachtsfest als Symbol dafür, das Gott als Mensch geboren und als Mensch am Kreuz gestorben ist, um für uns die alte Erbsünde zu büßen. Es ist diese Hoffnung, die den christlichen Glauben ausmacht und in Menschen, die ihr wart verloren besungen wird. Wir sollen Gott danken, ihn loben und preisen. Denn er ist unsere Hoffnung, so wie es in der Bibel (Zweiter Brief an die Korinther, 1,8ff) geschrieben steht: »Wir wollen Euch die Not nicht verschweigen, … (aber) er rettet uns noch, auf ihm ruht unsere Hoffnung.«
Tom Borg, 1. November 2023