Integer vitae

(Hier in des Abends traulich ernster Stille)

Die deutsche Fassung des Lieds Integer vitae, »Hier in des Abends traulich ernster Stille«, dichtete Christian Schulz in der Zeit vor 1811. Die Musik stammt aus dem gleichen Jahr von Friedrich Ferdinand Flemming. Der Text nimmt Bezug auf Odem I. 22 von Horaz, hat mit dem latainischen Original nur wenig gemein.

Musiknoten zum Lied - Integer vitae

Hier in des Abends
traulich ernster Stille,
kann erst das Leben
freudig sich gestalten;
hier, wo der Eintracht
sanfte Geister walten.
stärkt sich der Wille.

Eintracht und Liebe
halten uns zusammen,
wie auch im Wechsel steigt
und fällt das Leben.
Aufwärts die Blicke!
kräftigt euer Streben!
Wahret die Flammen!

Rastlos und fröhlich
treiben unsre Blüten,
wenn schon der Jugend Sterne
abwärts zogen;
winken sie freundlich
doch vom fernen Bogen
Ruhe und Frieden.

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Der latainische Text orientiert sich an Oden (I, 2) von Horaz. Die in deutscher Sprache bekannte Fassung des Lieds hat mit dem antiken Text jedoch nur wenig gemeinsam. Nachfolgend die latainische Textvarinate:

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nec venenatis gravida sagittis,
Fusce, pharetra,

sive per Syrtis iter aestuosas
sive facturus per inhospitalem
Caucasum vel quae loca fabulosus
lambit Hydaspes.

namque me silva lupus in Sabina,
dum meam canto Lalagen et ultra
terminum curis vagor expeditis,
fugit inermem,

quale portentum neque militaris
Daunias latis alit aesculetis
nec Iubae tellus generat, leonum
arida nutrix.

pone me pigris ubi nulla campis
arbor aestiva recreatur aura,
quod latus mundi nebulae malusque
Iuppiter urget,

pone sub curru nimium propinqui
solis, in terra domibus negata:
dulce ridentem Lalagen amabo,
dulce loquentem.

Die deutsche Übersetzung dieses latainischen Textes lautet:

Wer von Lastern frei und von Frevel rein lebt,
Der bedarf nicht maurischer Speer und Bogen,
Noch des schweren Köchers von giftgetränkten
Pfeilen, o Fuscus!

Führt in auch durch glühende Syrten sein Weg,
Oder durch des Caucasus unwirtbare
Höhn, und wo Hydaspes, der sagenreiche,
netzet die Fluren.

Denn es floh ein Wolf im Sabinerwalde,
Als ich meine Lalage pries in Liedern,
Und von Sorgen frei in die Weite schweifte,
Mich unbewehrten;

Solch ein Untier, wie es in weiten Forsten
Nicht das kühne Daunien auferziehet,
Noch das Land des Iuba erzeugt, der Löwen
Lechzende Mutter.

Setze hin mich, wo in den trägen Fluren
Keine Sommerlüfte den Baum erfrischen,
In den Erdteil, welchen der Nebel drückt und
Schädlicher Regen;

Setze dicht mich unter der der nahen Sonne
Wagen, wo dem Lande versagt ist Obdach,
Dort auch lieb ich Lalages holdes Lächeln,
Holde Gespräche.

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