Ich wil zu Landt ausreyten

Volkslied (1545/1570)

Musiknoten zum Lied Ich wil zu Landt ausreyten

Liedtext

Ich wil zu Landt ausreyten, sprach sich Meister Hiltebrandt;
der mir die weg thet weysen gen Bern wol jnn die Landt;
sie sind mir vnkund geworden vil manchen lieben tag.
Ey ia, jnn zweyvnd dreißig jaren Fraw Vtten ich nie gesach.

Wilt du zu Landt außreyten, sprach sich Herzog Abelon:
Was begegnet dir auff der Heyde ein schneller Degen jung.
Was begegnet dir auff der Marcke, dein Sohn Herr Alebrandt;
ja rittest du selb zwölffte von jhm wurdest angerandt.

Ja rennet er mich ane in seinem vbermût:
Ich zerhaw jm grühnen Schildt, es thut jm nimmer gût.
Ich zerdaw jhm seine Brinne mit seinem schirmen schlag,
das er ein gantzes Jare Fraw Vtten zu klagen hat.

Das solt du nicht thûne sprach sich von Bern Herr Dieterich:
Dann dein Sohn Herr Alebrandt ist mir in trewen lieb;
solt jm freundtlich zuspechen wol durch den willen mein,
vnd das er dich laß reyten als lieb ich jm mög sein.

Da er zum Rosengarten außreyt wol inn des Berners Marck:
Da kam er inn grosse arbeyt von einem Helden starck.
Von einem Helden junge da ward er da angerandt,
nun sag an du vil Alter wie stehts in deinem Landt

Du fürs ein Harnisch lauter vnd klar recht als werest eins Königs Kind:
Du wilt mich jungen Helden mit sehenden augen machen blind.
Du soltest daheym beleyben vnd haben gût Haußgemach;
ob eine heiße Glûte. Der Alte lachet vnd sprach:

Solt ich daheymen bleyben vnd haben gût Haußgemach:
mir ist bey alle mein tagen zu Raysen auffgesatzt.
Zu Raysen vnd zu fechten biß auff mein hinefart,
das sag ich dir vil junger darumb grawet mir mein Bart.

Dein Bart will ich dir außrauffen das sag ich dir vil Alter Mann;
das dir das Rosenfarbe Blût vber die Wangen muß abgahn.
Dein Harnisch vnd dein grühnen Schidt den must du mir auffgeben
darzu biß mein Gefangener wilt du bhalten dein leben.

Mein Harnisch vnd mein grühner Schidt die thûnd mich so dick ernehren,
ich traw wol Christ von Himmel ich wöll mich dein erwehren.
Sie liessen von den worten vnd zuckten scharpffe Schwerdt,
was die zwen Helden begerten deß wurden sie gewert.

Ich weiß nicht wie der Junge dem Allten gab ein schlag,
das sich der Allte Hildebrandt von hertzen sehr erschrack.
Er sprang hindersich zurucke wol siben Klaffter weyt;
nun sag du vil mir Junger den streich lehrt dich ein Weyb.

Solt ich von Weybern lehrnen das wer mir jmmer ein schand.
Ich hab vil Ritter vnd Grafen in meines Vatters Land.
Ich hab vil Ritter vnd Knechte an meines Vatters Hof,
vnd was ich nit gelehrnet hab, das lehrn ich aber noch.

Er nam jn bey der mitte da er am schwechsten was
schwang jn hindersich zu rucken wol in das grühne Graß.
Nun sag du mir vil Junger, dein Beichtuatter will ich wesen,
bist ein Junger Wölffinger, vor mir magst wol genesen.

Der sich an allte Kessel reibt derselb empfehet gern raum.
Also geschicht dir Jungen wol von mir alten Mann.
Dein Beicht mûst du auffgeben auff diser Heyden grün.
das sag ich dir vil eben, du junger Helde kühn.

Du sagst mir vil von Wölffen, die laffen inn dem Holtz.
Ich bin ein Edler Degen auß Griechenlanden stoltz;
meine Mûtter heist Fraw Vtte, ein gwaltige Hertzogin,
so ist Hiltebrandt der alte der liebste Vatter mein.

Heist dein Mûtter Fraw Vtten ein gewaltige Hertzogin.
So bin ich Hiltebrandt der Alte, der liebste Vatter dein.
Er schloß jhm auff sein guldin Helm, kust jn an seinen Mund;
nun sey es Gott gelobet das wir beyd seyend gesund.

Ach Vatter, liebster Vatter mein die wunden die ich dir hab geschlagen.
Die wolt ich drey mal lieber inn meinem Haupte tragen.
Nun schweyge lieber Sone, der Wunden wirdt wol rath,
seydt das vns Gott alle beyde zusammen gefüget hat.

Das weret von der None biß zu der Vesper zeyt.
Biß das der Junge Hiltebrandt gen Berne einhin reyt.
Was führt er auff seinem Helme, von Gold ein Kräntzelein,
was führt er an seiner seyten, den liebsten Vatter sein.

Er führt jn inn seiner Mûtter Hauß vnd satzt jn oben an Tisch vbersich.
Das daucht sein Mûtter Fraw Vtten gar sehr vnbillich.
Ach Sone, lieber Sone, ist dier das nicht zuuil,
das du ein gefangen Mann oben ansetzst ohn mein will.

Nun schweyge liebe Mûtter, laß dir die rechte warheyt sagen.
Er hat mich auff der Heyde gar nich zu todt geschlagen.
Nun höre liebe Mûtter, kein Gefangner soll er sein,
es ist Hiltebrandt der Alte mit jr fürbaß hin mehr.
In seinem Hauß zu Berne jm auch vil guts geschach,
damit Hiltebrandt der Alte lebt fürbaß inn gemach.