Horch, was komm von draußen rein

Volkslied (19. Jh.)

Volksweise (19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Horch, was komm von draußen rein

Liedtext

Horch, was komm von draußen 'rein? Hollahi, hollaho!
Wird wohl mein Feinsliebchen sein; hollahihaho!
Geht vorbei und kommt nicht 'rein, hollahi, hollaho!
Wird's wohl nicht gewesen sein! hollahihaho

D'Leute haben's oft gesagt, hollahi, hollaho!
Daß ich kein Feinsliebchen hab', hollahihaho!
Laß sie red'n, ich schweig' fein still, hallahi, hallaho!
Kann doch lieben, wenn ich will, hollahihaho!

Leutchen, sagt mir's ganz gewiß, hollahi, hollaho!
Was das für ein Lieben ist, hollahihaho!
Die man will, die kriegt man nicht, hollahi, hollaho!
Und 'ne andre will ich nicht, hollahihaho!

Wenn mein Liebchen Hochzeit hat, hollahi, hollaho!
Hab' ich meinen Trauertag, hollahihaho!
Gehe in mein Kämmerlein, hollahi, hollaho!
Trage mein Schmerz allein, hollahihaho!

Wenn ich dann gestorben bin, Hollahi, hollaho!
Trägt man mich zu Grabe hin, hollahihaho!
Setzt nir einen Leichenstein, hollahi, hollaho!
Blühn bald da Vergißnichtmein, hollahihaho!

Das Volkslied Horch, was komm von draußen rein wurde nicht nur in studentischen Kreisen Anfang des letzten Jahrhunderts beim Zechen gesungen, sondern galt auch in den Wirtschaftswunderjahren als Stimmungslied dessen Bekanntheit bis heute anhielt.

Wer die Melodie komponierte und den Text dichtete ist ebenso unbekannt wie das Entstehungsjahr. Die Mehrheit der mir in Online-Archiven und Privatbibliotheken zugänglichen Liederbücher weist 1870, vereinzelt auch 1850 oder 1885, aus. Sofern die Liederbücher eine Entstehungsregion ausweisen, werden am häufigsten Baden bzw. die badische Pfalz und danach mit Abstand Schwaben und manchmal auch das Rheinland oder das Vogtland angegeben.

Nachweisbar stammt die erste Veröffentlichung des Liedtextes aus dem Jahr 1884 im Kommersbuch ›Vivat Academia‹ (Quelle: Historisch - kritisches Liederlexikon, Freiburg, online 2012). Textteile, z.B. der dritten Strophe, sind bereits 1808 in dem von Clemens Brentano und Achim von Arnim von 1805 bis 1808 herausgegebenen Sammelwerk ›Des Knaben Wunderhorn zu‹ finden (vgl. Thomas und Sunhilt Mang, Der Liederquell, 2015, S. 300).

Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Horch, was kommt von draußen rein vorwiegend in studentischen Kreisen gesungen und fand u.a. 1914 Aufnahme in das ›Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs‹ zeigt. Zusätzliche Popularität erlangte das Lied in der Wandervogelzeit der deutschen Jugendbewegung durch die Aufnahme in zahlreiche Liederbücher des Wandervogels. Darunter auch das vom Medizinstudenten und späteren Arzt Hans Breuer ab 1909 herausgegebene Standardwerk ›Der Zupfgeigenhansl‹. Darüber hinaus wurde es auch in Schulen (z.B. ›Preußisches Schulbuch‹), von der Reichswehr (sechs Liederbücher, z.B. ›Kamerad komm - Soldaten und Vaterländische Lieder‹, 1914, und ›Stolz ziehn wir in die Schlacht‹, diverse Ausgaben 1914 - 1918), von den Pfadfindern, der Arbeiterjugend und auch in Österreich (›Vaterlandslieder – Armeemärsche‹, 1917) gern gesungen.

In der Zeit des Nationalsozialismus setzte sich die Beliebtheit des Liedes fort. Sowohl der Deutsche Arbeitsdienst (später RAD) als auch die NS-Frauenschaften gaben Liederbücher mit dem Lied heraus. Betrachtet man die Anzahl der von und für die Wehrmacht herausgegebenen Liederhefte, so muss Horch, was kommt von draußen rein bei den Soldaten ebenso populär gewesen sein wie in den Schulen.

Anmerkungen zum Liedtext

Liest man nur die erste Strophe, so hat man den Eindruck, es handelt sich um ein Liebeslied. Ein wahrscheinlich junger Mann hört Schritte und hofft, dass es sein Feinsliebchen sein möge. ›Feinsliebchen‹ war zur Zeit der Entstehung des Liedes eine Bezeichnung für eine Liebste bzw. Angebetete oder, wie wir heute sagen würden, nahestehende Freundin. Doch der junge Mann hat sich geirrt, die junge Frau geht vorbei, ohne ihn zu beachten. Er tröstet sich damit, dass es wohl sein Feinsliebchen gar nicht gewesen ist. Oder hat er sich etwas vorgemacht, wie wir der zweiten Strophe entnehmen können. Die Leute haben schon darüber geredet, dass er gar kein Feinsliebchen habe, er träumt nur davon. Ihm ist es gleichgültig, was die Leute meinen, in Gedanken schwärmt er davon, eine Freundin zu haben.

Der junge Mann ist sich darüber im Klaren, sicherlich hat er die Erfahrung gemacht, dass es nicht so einfach ist, ein ›Feinsliebchen‹ zu haben. Das Lied greift in der dritten Strophe die zum Sprichwort gewordenen Zeilen auf: »Die man will, die kriegt man nicht«, und der Sänger meint trotzig: »Und ‘ne andre will ich nicht!«

Seinen Wunsch, diese bestimmte junge Frau für sich zu gewinnen, muss er endgültig aufgeben, als, wie er selbstironisch meint, »sein Liebchen« einen anderen heiratet (vierte Strophe).

Seine tiefe Trauer will er nicht öffentlich zeigen; er zieht sich zurück und trauert an den Tod denkend allein. Resignierend wünscht er sich nur noch, dass auf seinem Grab Vergissmeinnicht gepflanzt werden, in der Hoffnung, dass man ihn und seine nicht erfüllte Liebe nicht vergessen möge.

So ist aus dem Liebeslied ein Lied geworden, das das Liebesleid eines jungen Mannes beschreibt. Die fröhliche Melodie und vor allem der Refrain »hollahihaho« widersprechen dem traurigen Inhalt; aber gerade sie haben zur Popularität des Liedes beigetragen.

Darüber hinaus haben sie zu einigen Parodien angeregt, wie eine davon Manuela 1966 gesungen hat. Der Text, geschrieben von Georg Buschor, lautet im Original mit Refrain:

1.Horch, was kommt von draußen rein/ Ja, das wird mein Charly sein/ Schaut nicht rein und geht vorbei / Bin ich ihm denn schon einerlei…

2. Geht er zu Elisabeth/ Die ihm nur den Kopf verdreht / Treu sein, nein das kennt er nicht / Wenn er auch ein Herz zerbricht…

3. Horch, wer klopft an meine Tür / Charly kommt zurück zu mir / Rote Rosen für mich allein / Alles soll vergessen sein…

Rezeption

Von Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute wird das Lied gern gesungen. Auffällig ist, dass es von 1914 bis 1998 in zahlreichen Liederbüchern für Soldaten vertreten ist, herausgegeben von der Reichswehr, der Wehrmacht, der Bundeswehr, des Militärverlags der DDR und auch des Österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung. Die Aufnahme dieses Liebesliedes in eine Vielzahl von Schulliederbüchern ist m. E. nur durch die beschwingte Melodie und das »hollahihaho« zu verstehen.

Geht man von den Liederbüchern aus, so ist Horch, was kommt von draußen rein auch in der DDR bekannt gewesen, so wie es noch heutzutage in der Schweiz, vor allem aber in Österreich, gesungen wird.

In Deutschland wird das Lied besonders gern von Chören gesungen, worauf die vielen Chorbücher und vor allem die zahlreichen Partituren hinweisen. Im Katalog des Deutschen finden sich 80 Musiknoten nur mit Horch, was kommt von draußen rein. Eines der ersten Chorbücher war das auf Veranlassung von Kaiser Wilhelm II (1859 - 1941) herausgegebene Volksliederbuch für den Männerchor (1906; vgl. Quelle Historisch - kritisches Liederlexikon, online 2012). In der Zeit von 1948 bis 2014 beziehen sich die Partituren hauptsächlich auf Männerchöre, vereinzelt auch auf Kinderchöre, wie z. B. die Wiener Sängerknaben.

Wie beliebt Horch, was komm von draußen rein in den vergangenen fünfzig Jahren war, zeigen die mehr als 30 Tonträger mit dem Lied in Form von Schellackplatten, Singles, Langspielplatten, Kassetten und Compact Discs. Nicht nur der Opern- und Liedsänger Rudolf Schock, sondern auch die Schlagersängerin Nena, die Schauspielerin Heike Makatsch und die Kelly Family haben das Lied interpretiert. Der flotten Melodie wegen wurde es gern verjazzt, z. B. von Abbi Hübner and his Low Down Wizards. Eine hohe Auflage erreichte eine Hörzu-CD mit dem gleichnamigen Titel.

Das Liebes-Leid-Lied ist in mehr als 400 Liederbüchern. Rund 150 davon sind nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen, davon ein Drittel in den 1950er und 1960er Jahren. Deutsche Liedforscher, wie z. B. Ernst Klusen, Rolf Brednich, Lutz Röhrich und Wolfgang Suppau, Theo Mang sowie Heinz Rölleke haben das Lied in ihre Sammelwerke aufgenommen. Weit verbreitet waren Lieder-Taschenbücher mit hohen Auflagen der Verlage Fischer, Heyne, Schneider und Moewig. Von den ebenfalls recht populären Volksliederbüchern des Weltbild Verlags abgesehen, steht das Liederheft Die Mundorgel mit einer Auflage von elf Millionen Exemplaren (2013) und als Hardcover-Ausgabe mit Liedtexten und Noten von vier Millionen an erster Stelle des Auflagen-Rankings.

Anlässlich vom Hochzeiten und Geburtstagen wird die stimmungsvolle Melodie und der Refrain von Horch, was kommt von draußen rein häufig für selbst gedichtete Texte benutzt.

Georg Nagel, 16.11.2019