Holde Nacht, dein dunkler Schleier

Volkslied (19. Jh.)

Volksweise (19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Holde Nacht, dein dunkler Schleier

Liedtext

Holde Nacht, dein dunkler Schleier
decket mein Gesicht vielleicht zum letzten mal!
Morgen lieg ich schon dahingestrecket,
ausgelöscht aus der Lebend'gen Zahl.

Morgen ziehn wir für unsre Brüder
und für unser Vaterland zum Streit:
Aber ach! so mancher kommt nicht wieder,
wo sich Freund an Freundesbusen freut.

Mancher Säugling lieget in den Armen
seiner Mutter, fühlt nicht an ihren Schmerz;
sie schreit himmelan, ach! um Erbarmen
und drückt hoffnungslos ihn an ihr Herz.

Freudig hüpft und fragt ein muntrer Knabe:
Mutter, kommt nicht unser Vater bald?
Armes Kind, dein Vater liegt im Grabe,
sein Auge sieht nicht mehr der Sonne Strahl!

Dort liegt schon ein Held mit Sand bedecket,
Waise ist das Mädchen und der Knab';
hier auch liegt ein Sohn dahingestreckt,
der den Eltern Brot im Alter gab.

Mädchen, denke nicht an süße Bande,
denk' auch nicht an Freud' und Hochzeitstanz,
denn die Liebe schlummert schon im Sande,
schwinget hoch empor den Totenkranz!

Traurig, traurig, daß wir unsre Brüder
hier und dort als Krüppel wandeln sehn;
aber heilge Pflicht ists dennoch wieder,
mutig seinem Feind entgegengehn.

Reißt mich gleich des Feindes Kugel nieder,
schwingt mein Geist sich freudig hoch empor;
ach, wer weiß, sehn wir uns jemals wieder?
Darum, Freunde, lebt auf ewig wohl!