Herzog Ulrich der Verbannte

(Vom Turme, wo ich oft gesehen hernieder)

Wilhelm Hauff

Musiknoten zum Lied Herzog Ulrich der Verbannte

Liedtext

Vom Turme, wo ich oft gesehen
hernieder auf ein schönes Land,
vom Turme fremde Fahnen wehen,
wo meiner Ahnen Banner stand.
Der Väter Hallen sind gebrochen;
gefallen ist des Enkels Los:
Er birgt, besiegt und ungerochen,
sich in der Erde tiefstem Schoß.

Und wo einst in des Glückes Tagen
mein Jagdhorn tönte durchs Gefild,
da meine Feinde gräßlich jagen,
sie hetzen gar ein edles Wild.
Ich bin das Wild, auf das sie pirschen!
Die Bluthund' wetzen schon den Zahn;
sie dürsten nach dem Schweiß des Hirschen,
und sein Geweih steht ihnen an.

Die Mörder han in Berg und Heide
auf mich die Armbrust ausgespannt;
drum in des Bettlers rauhem Kleide
durchschleich' ich nachts mein eigen Land.
Wo ich als Herr sonst eingeritten
und meinen hohen Gruß entbot,
da klopf ich schüchtern an die Hütten
und bettle um ein Stücklein Brot.

Ihr warft mich aus den eignen Toren;
doch einmal klopf ich wieder an:
drum Mut, noch ist nicht all's verloren,
ich hab' ein Schwert und bin ein Mann!
Ich wanke nicht und will es tragen,
und ob mein Herz darüber bricht,
so sollen meine Feinde sagen:
Er war ein Mann und wankte nicht.