Guten Morgen, verborgen

(Als der Wächter auf dem Turme saß, rief er mit heller Stimme)

Volkslied

Musiknoten zum Lied Guten Morgen, verborgen

Liedtext

Als der Wächter auf dem Turme saß,
rief, er mit hel1er Stim me:
"Steht auf, steht auf, ihr jungen Leut,
wo eins oder zwei beisammen seid,
der Tag fängt an zu leuchten, zu leuchten."

Das Mäldchen wohl aus dem Bette sprang,
den Tag wollt sie beschauen.
"Sei still, sei still, mein junger Knab!
Es sind noch zwei drei Stund bis Tag:
Der Wächter hat uns betrogen, betrogen."

"Ei, wenn uns der Wächter betrogen hat,
komm her und leg dich nieder!
Komm leg dich in mein' Arm hinein,
Übers Jahr sollst du mein eigen sein,
mein eigen sollst du werden auf Erden!"

"Dein eigen werd ich nimmermehr,
das kannst du sicherlich glauben.
Wenn du's beschwörst mit deiner Treu,
dass dir kein andre lieber sei,
so will ich dir's schon glauben, ja glauben."

Des Morgens als der Tag anbrach
ging sie wohl Wasser holen,
da begegnet ihr derselbig Knab,
der die Nacht bei ihr geschlafen hat,
er bot ihr einen guten Morgen, verborgen:

"Guten Morgen, du herztausender Schatz,
wie hast du heut geschlafen?"
"Ich hab geschlafen in deinem Arm,
und hab verschlafen, dass Gott erbarm!
Mein Ehr hab ich verschlafen, verschlafen."

"Dein Ehr, dein Ehr die verschläfst du nicht,
lass dich das nicht gereuen.
Ich bin fürwahr ein reicher Knab,
der auch viel Geld und Güter hat,
dein' Ehr will ich bezahlen mit Taler."

"Mein Ehr, mein Ehr die bezahlst du mir nicht,
du bist ein lustger Schelme.
Wenn Feur und Stroh beisammen sind
und wenn auch Schnee dazwischen schneit,
tut es doch endlich brennen, ja brennen."