Fröhlich soll mein Herze springen

Weihnachtliches Kirchenlied von Paul Gerhardt mit Melodie von Johann Crüher.

Musiknoten zum Lied - Fröhlich soll mein Herze springen

Fröhlich soll mein Herze springen
dieser Zeit, da vor Freud'
alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören
alle Luft laute ruft:
Christus ist geboren.

Heute geht aus seiner Kammer
Gottes Held, der die Welt
reisst aus allem Jammer.
Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute.
Gottes Kind, das verbind't
sich mit unserm Blute.

Sollt' uns Gott nun können hassen,
der uns gibt, was er liebt
Über alle Maßen?
Gott gibt, unserm Leid zu wehren,
seinen Sohn aus dem Thron
seiner Macht und Ehren.

Sollte von uns sein gekehret,
der sein Reich und zugleich
sich uns selbst verehret?
Sollt' uns Gottes Sohn nicht lieben,
der jetzt kömmt, von uns nimmt,
was uns will betrüben?

Hätte vor der Menschen Orden
Unser Heil winen Greu'l,
wär'er nicht Mensch worden.
Hätt' er Lust zu unserm Schaden,
ei, so würd' unsre Bürd'
er nicht auf sich laden.

Er nimmt auf sich, was auf Erden
wir getan, gibt sich an,
unser Lamm zu werden,
unser Lamm, das für uns stirbet
und bei Gott Fuer den Tod
Gnad' und Fried' erwirbet.

Nun, er liegt in seiner Krippen,
ruft zu sich mich und dich,
spricht mit süßen Lippen:
lasset fahr'n, o liebe Brüder,
was euch quält, was euch fehlt,
ich bring' alles wieder.

Ei, so kommt und lasst uns laufen!
stellt euch ein, groß und klein,
eilt mit großem Haufen!
Liebt den, der vor Liebe brennet;
schaut den Stern, der uns gern
Licht und Labsal gönnet.

Die ihr schwebt in großen Leiden,
sehet, hier Ist die Tür
zu den wahren Freuden.
Fasst ihn wohl, er wird euch führen
an den Ort, da hinfort
euch kein Kreuz wird rühren.

Wer sich fühlt beschwert im Herzen,
wer empfind't seine Sünd'
und Gewissensschmerzen,
sei getrost, hier wird gefunden,
der in Eil' machet heil
die vergift'ten Wunden.

Die ihr arm seid und elende,
kommt herbei, füllet frei
eures Glaubens Hände!
Hier sind alle guten Gaben
und das Gold, da ihr sollt
euer Herz mit laben.

Süßes Heil, lass dich umfangen,
lass mich dir, meine Zier,
unverrückt anhangen!
Du bist meines Lebens Leben;
nun kann ich mich durch dich
wohl zufrieden geben.

Meine Schuld kann mich nicht drücken,
denn du hast meine Last
all' auf deinem Rücken.
Kein Fleck ist an mir zu finden,
ich bin gar Rein und klar
aller meiner Sünden.

Ich bin rein um deinetwillen;
du gibst g'nug Ehr' und Schmuck,
mich darein zu hüllen.
Ich will dich ins Herze schließen;
o mein Ruhm, Edle Blum',
lass dich recht genießen!

Ich will dich mit Fleiß bewahren,
ich will dir Leben hier,
dir will ich abfahren;
mit dir will ich endlich schweben
voller Freud' ohne Zeit
dort im andern Leben.

Fröhlich soll mein Herze springen ist ein Weihnachtslied, das Paul Gerhardt (1607-1676). vermutlich um 1651 gedichtet hat. Die Melodie komponierte Johann Crüger (1598-1662) und veröffentlichte das Lied 1653 in der fünften Auflage seines Gesangbuchs Pietatis Melica. Im Evangelischen Gesangbuch ist das Lied unter Nummer 36 aufgenommen.

Gerhardts Kirchenlied wurde zu einem Klassiker der deutschen Weihnachtslieder, das auf keiner Weihnachtsfeier fehlen darf. Doch, was fesselt uns so sehr an diesem Lied? Da ist zum einen die einfache und bildhafte Sprache Gerhardts, die leicht zu verstehen ist und von Menschen aller Altersgruppen mitgesungen werden kann. Hinzu kommt Crügers eingängige Melodie, die leicht zu merken ist und dem Lied einen starken rhythmischen Charakter verleiht.

Das Lied Fröhlich soll mein Herze springen ist ein Lied der Hoffnung und der Freude das uns die Weihnachtsbotschaft auf eindringliche Weise verkündet. Es ist ein ursprünglich fünfzehn Strophen langes Bekenntnis der tiefen Überzeugung in die Liebe und Gnade Gottes. Das Evangelische Gesangbuch berücksichtigt davon jedoch nur noch zwölf Strophen. Entfallen sind die ursprünglichen Strophen 4, 5 und 13.

In seinem imposanten Gedicht schildert Paul Gerhardt die Weihnachtsbotschaft aus seiner subjektiven Sicht indem er nicht allgemein berichtet, sondern seine subjektive Empfindung und seine persönliche Ergriffenheit schildert und den Leser bzw. Hörer daran teilhaben lässt. Wie ein Liebesgedicht als Gebet. Konsequenterweise heißt es darum auch in der ersten Strophe »mein Herze«. Im Mittelteil spricht das Gedicht die Gemeinde an, die herbeieilen und teilhaben soll. In der 13. Strophe spricht Gerhardt dann wieder von »meiner Schuld« und in der ersten Person.

Doch auch formal ist das Gedicht bemerkenswert. Jede Strophe besteht aus zwei Teilen, von denen jeweils der zweite Vers wiederum aus zwei Teilen besteht, die einem markanten Rhythmus folgen:

Diese Zeit,
da vor Freud

sind jeweils drei Silben, aus zwei kurzen und einer langen Silbe. Johann Crüger setzt dieses Motiv genial um in zwei Viertelnoten gefolgt von einer halben. Sie erklingen mit einem ihnen innewohnenden Schwung, wie ein Jubelschrei, um dann auf dem dritten Vers auszuklingen:

alle Engel singen.

Aus heutiger Sicht mag man das Lied als kitschig empfinden, was auch der Grund war, dass im evangelischen Gesangbuch sechs der fünfzehn Strophen gestrichen und einige Textpassagen modernisiert wurden. Doch es ist bis heute ein beeindruckendes Glaubensbekenntnis und ein beliebtes Weihnachtslied.

Tom Borg, 1. September 2023

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