Es geht wohl zu der Sommerzeit

Volkslied (1690)

Musiknoten zum Lied Es geht wohl zu der Sommerzeit

Liedtext

Es geht wohl zu der Sommerzeit,
der Winter fährt dahin,
mancher Soldat zu Felde leit,
wie ich berichtet bin.
Zu Fuß und auch zu Pferd,
wie man nur ihr begehrt,
ganz munter,
besunder die beste Reiterei,
ein ganze werte Ritterschaft,
Fußvolk ist auch dabei.

Wann man liegt auf dem Musterplatz,
und jetzt im Anzug sein,
so lauft daher mein edler Schatz
und herzigs Schätzelein:
Wann sieh ich wieder dich?
Sag es mir, frag ich dich.
Sie weinet und greinet,
bot mir ihr schneeweiß Händ,
darnebn ihr rotes Mündelein
in Kummer und Elend.

Gott gsegne dich wiederum,
du edler Schatz, glaub mir!
Hab dir ein Kuß, und bleib mir fromm!
Ich komm wieder zu dir.
Ja mit gelegner Zeit
bring ich ein gute Beut
von Golde. Ich wollte,
daß ich sollt bei dir sein,
zubringen meine junge Tag,
aber jetzt kanns nicht sein.

Unser Hauptmann der mahnet auf,
dazu rührt man das Spiel.
Alsdann so zeucht der ganze Hauf,
ist unser aller Will,
greifen den Feind stark an;
da sieht man manchen Mann
mit Schießen, mit Spießen
ritterlich fechten frei.
Uns kommt zu Hülf also geschwind
die löblich Reiterei.

Da geht recht der Scharmützel an,
da bläst man tapfer auf
unter der Reiterei sofort an,
dann schlägt man darauf.
Wir schreien in der Not:
Schieß, schlag und stich zu Tod!
Herwieder hau nieder
nach des Hauptmanns Begehr!
Fällt eure Piquen auf den Mann!
Machet die Sättel leer!

Wann der Feind überwunden ist,
zeucht man dem Lager zu,
sieht man was übrig ist zur Frist
und hat die Welt kein Ruh;
erst geht das Klagen an:
Wo ist blieben mein Gspan?
Wir haben begraben,
ihn funden tot allein.
Hilft nichts! es ist einmal gewiß:
Es muß gestorben sein.

Wir wollen sie ohn allen Spott
bestatten zu der Erd.
Ihnen wollte gnädig sein Gott,
der sie wieder verklärt.
Auf Reisspießen zum Grab
wolln wir sie tragen ab,
einscharren und harren,
wann uns auch trifft die Zeit;
mit Trumml und Pfeifen wohlgemut
ihn geben das Geleit.

Viel liebr ich sterb auf solche Weis
mit frischem, freiem Mut;
dadurch erlang ich Ehr und Preis
und wag daran mein Blut.
Dabei ich freundlich bitt,
wollt mirs verargen nit,
ich wende und ende
dies Liedlein ohn Beschwerd.
Ehrlich Soldaten, sag ich rund,
die sind noch lobenswert.