Die fröhliche und festliche Melodie, die – so Mang (Liederquell, 2015, S. 1107) - »Weihnachtsfreude ausstrahlt«, war schon früher dem weihnachtlichen Text »Still geschwinde, still ihr Winde, stört dem Kind nicht seine Ruh« von Heinrich Lindenberg (1712-1750) unterlegt und 1741 in dem »Kirchen- und Hausgesangbuch« Heinrich Lindenborns in Köln erschienen.
Der Kölner Erzbischof Kardinal Johannes Baptist Jacob von Geissel (1796-1864) schuf aus dieser Textvorlage in freier Nachdichtung einen zehn Strophen langen Liedtext, der später zu den heute bekannten vier Strophen überarbeitet und umgedichtet wurde.
Der Weihnachtsbezug der ersten Fassung ging dabei weitestgehend verloren. Erde singe, dass es klinge wird heute nur noch regional als Weihnachtslied aufgefasst und speziell zur Weihnachtszeit gesungen. In vielen Regionen Deutschlands, Österreich und Südtirol ist Erde singe, dass es klinge ein ganzjähriger Bestandteil des Gottesdienstes, ohne direkten Bezug zur Geburt Jesu.
Im Gotteslob (GL 411) ist Erde singe, dass es klinge als katholische Kirchenlied nach wie vor enthalten. Das Hauptthema des Lieds ist der Lobpreis Gottes und der gesamten Schöpfung. Alles was Singen und Jubeln kann, ist aufgefordert, das Wunder der Menschwerdung Gottes laut und stark jauchzend zu besingen. Dazu sind alle Kreaturen aufgerufen, in tiefer Verbundenheit mit der Erde und der Schöpfung Gottes die Wunder der Natur zu preisen und sie als Geschenk Gottes zu betrachten.
Deshalb ruft das Lied dazu auf, dass die Erde selbst Lobgesänge singt, um ihre Schönheit und Vielfalt widerzuspiegeln. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Natur zu achten, zu schützen und zu bewahren, und dass dies eine Form des Lobes und der Anbetung Gottes ist, indem wir seine Schöpfung ehren. Dazu sind alle »Nationen, die da wohnen auf dem weiten Erdenrund« eingeladen, ja, geradezu aufgefordert. »Singt ein Loblied eurem Meister« heißt es in der ersten Strophe. »Denn er trug unsere Ketten« in der dritten.
Tom Borg, 1.Dezember 2023