Volkslieder Kinderlieder

Ein Hund kam in die Küche

Volkslied

Musiknoten zum Lied Ein Hund kam in die Küche

Liedtext

Ein Hund kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Hund entzwei.

Da kamen viele Hunde
und gruben ihm sein Grab
und setzten drauf 'nen Grabstein,
darauf geschrieben stand:

Ein Hund kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Hund entzwei.

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Kinderlieder

Über den Verfasser des Scherz- und Kinderliedes Ein Hund kam in die Kücheist nichts bekannt. Nicht belegt ist die Vermutung einiger Liedforscher, dass der Text in der Mitte des 19. Jahrhunderts in studentischen Kreisen entstanden ist. Die Melodie dagegen ist seit dem 18. Jahrhundert als neapolitanische Canzonette O cara mamma mia bekannt. Eine Melodie, die auch für das Endloslied Mein Hut der hat drei Ecken verwendet wird.

Obwohl ein Hund normalerweise in einer Küche nichts zu suchen hat, sind die beiden ersten Zeilen noch nachzuvollziehen. Doch, dass der Koch nach dem Diebstahl eines Eies den Hund daraufhin "entzwei" schlagen sollte, dürfte unrealistisch sein. Es wird wohl kaum einen Koch geben, der wegen eines Eies so grausam sein sollte und außerdem lässt sich ein Hund nicht, wie es brutaler in anderen Texten heißt, zu "Brei" schlagen. Er dürfte heftig um sich gebissen haben oder gleich nach dem ersten Schlag geflohen sein.

Die Übertreibungen des ersten Verses und die realitätsfremden Zeilen der zweiten Strophe machen das Lied zu einem Scherzlied, an dem vor allem Kinder Gefallen finden. Hinzu kommt der Spaß, dass die Sänger - herausgefordert durch die Endlosschleife "darauf geschrieben stand" -, die beiden ersten Strophen solange wiederholen, bis sie keine Lust mehr haben weiter zu singen.

In Kindergärten und -tagesstätten wird Ein Hund kam in die Küche gern gesungen, wie auch häufig Mein Hut der hat drei Ecken als sogenanntes ›Lückentextlied‹. Bei jeder Wiederholung wird ein Wort ausgelassen, anfangs das letzte Wort aus der ersten Zeile, dann das aus der zweiten Zeile usw. Manchmal wird das ausgelassene Wort durch eine Geste ersetzt. Wer aus Versehen das Wort singt, muss ein Pfand abgeben. Ist das Lied beendet, werden die Pfänder nur dann eingelöst, wenn man eine einfache Aufgabe bewältigt hat, z.B. Hüpfen im Kreis, Bellen wie ein Hund, Aufsagen eines kurzen Gedichts, Singen eines Liedes, o.ä.

Rezeption - Vom Karneval in Venedig bis nach Großbritannien

Die Melodie des neapolitanischen Volkslieds war bereits im 17. Jahrhundert bekannt.

1707 nahm der Komponist und Opernproduzent Robert Keiser (1674- 1739) die Melodie in sein Singspiel Der Carneval von Venedig auf. Auch der weltberühmte Violinist Nicolo Paganini (1782 -1840) spielte in seinen Konzerten Variationen dieser Volksweise unter dem Titel Carnevale di Venezia (Opus 10 II), und Frédéric Chopin (1810 - 1849) verwendete sie für sein Rondo Nr. 1.

Der deutsche Text Ein Hund kam in die Küche ist in Deutschland seit 1880 im Saarland belegt. In ein Liederbuch aufgenommen, wurde das Lied, soweit ich den mir zugänglichen Online Archiven und Privatbibliotheken entnehmen konnte, jedoch erst 1930, und zwar in das Volksliederbuch für die Jugend (Band II, Heft 5). Bis 2009 erschien es nur in weniger als 20 Liederbüchern. Liedersammlungen von deutschen Volksliedforschern, wie z.B. Ernst Klusen oder Heinz Rölleke, nahmen das Lied ebenso wenig auf wie das weit verbreitete, von der Musikwissenschaftlerin Frauke Schmitz-Gropengießer heraus gegebene Scherzliederbuch Drei Chinesen mit dem Kontrabass des Reclam Verlags.

Auch im Katalog des Deutschen Musikarchivs Leipzig werden im Gegensatz zu Mein Hut der hat drei Ecken (69 Tonträger, 79 Noten und Partituren) nur sechs Noten bzw. Partituren und acht Tonträger aufgeführt. Von den Kinder- und gemischten Chören sind die Aufnahmen von 1875 und 1978 der Schöneberger Sängerknaben hervorzuheben.

Das Lied war allerdings so populär, dass die Titel Ein Hund kam (lief) in die Küche oder Ein Mops kam in die Küche als Incipit gleich mehrfache Verwendungen fand: als Theaterstück des Staatstheaters Mainz, als Spielfilm (Österreich 2002, ein sogenannter Ösi-Krimi), als Fachbuch über Hunde, als Kinderbuch mit Gedichten und als Bilderbuch.

Bekannt ist das Lied auch in Österreich und in der Schweiz. In Großbritannien wird folgende englische Fassung gesungen:

A dog came in the kitchen
and stole a crust of bread.
Then cook up with a ladle
and beat him till he was dead.

Then all the dogs came running
and dug the dog a tomb
and wrote upon the tombstone
for the eyes of dogs to come.

A dog came in the kitchen
and stole a crust of bread.
Then cook up with a ladle
and beat him till he was dead.

Georg Nagel, 8. September 2017