Die güldene Sonne

Philipp von Zesen

Musiknoten zum Lied Die güldene Sonne

Liedtext

Die güldene Sonne
bringt Freude und Wonne,
die Finsternis weicht.
Der Morgen sich zeiget,
die Röte aufsteiget,
der Monde verbleicht.

Nun sollen wir loben
den Höchsten dort oben,
daß er uns die Nacht
hat wollen behüten
vor Schrecken und Wüten
der höllischen Macht.

Kommt, lasset uns singen,
die Stimmen erschwingen
zu danken dem Herrn.
Ei, bittet und flehet,
daß er uns beistehet
und weiche nicht fern.

Es sei ihm ergeben
mein Leben und Schweben,
mein Gehen und Stehn.
Er gebe mir Gaben
zu meinem Vorhaben,
laß richtig mich gehn.

Er wird mich ernähren
selbst allerlei lehren
und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen
zu meinem Beginnen
und öffnen die Tür.

Das Gedicht Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne veröffentlichte Philipp von Zesen 1641 im Alter von 22 Jahren. Erst 30 Jahre später komponierte Johann Rudolf Ahle eine Melodie, die aus dem religiösen Gedicht ein Morgenlied machten.

Die hier vorgestellten fünf Strophen folgen Philip von Zesens Gedicht ›Morgenlied‹, das 1649 im Werk ›Hoch-deutscher Helikon, oder Grund-richtige Anleitung zur hoch-deutschen Dicht- und Reim-Kunst‹ gedruckt wurde.

In vielen Liederbüchern wird eine andere Fassung angegeben, bei denen die fünfte Strophe lautet:

In meinem Studieren
wird er mich wohl führen
und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen
zu meinem Beginnen
und öffnen die Tür.