Der treue Husar

(Es war einmal ein treuer Husar)

Volkslied

Musiknoten zum Lied Der treue Husar

Liedtext

Es war einmal ein treuer Husar,
Der liebt' sein Mädchen ein ganzes Jahr,
|: Ein ganzes Jahr und noch viel mehr,
Die Liebe nahm kein Ende mehr. :|

Der Knab' der fuhr ins fremde Land,
Derweil ward ihm sein Mädchen krank,
|: Sie ward so krank bis auf den Tod,
Drei Tag, drei Nacht sprach sie kein Wort. :|

Und als der Knab' die Botschaft kriegt,
Daß sein Herzlieb am Sterben liegt,
|: Verließ er gleich sein Hab und Gut,
Wollt seh'n, was sein Herzliebchen tut. :|

Ach Mutter bring' geschwind ein Licht,
Mein Liebchen stirbt, ich seh' es nicht,
|: Das war fürwahr ein treuer Husar,
Der liebt' sein Mädchen ein ganzes Jahr. :|

Und als er zum Herzliebchen kam,
Ganz leise gab sie ihm die Hand,
|: Die ganze Hand und noch viel mehr,
Die Liebe nahm kein Ende mehr. :|

"Grüß Gott, grüß Gott, Herzliebste mein!
Was machst du hier im Bett allein?"
|: "Hab dank, hab Dank, mein treuer Knab'!
Mit mir wird's heißen bald: ins Grab!" :|

"Grüß Gott, grüß Gott, mein feiner Knab.
Mit mir wills gehen ins kühle Grab.
|: "Ach nein, ach nein, mein liebes Kind,
Dieweil wir so Verliebte sind." :|

"Ach nein, ach nein, nicht so geschwind,
Dieweil wir zwei Verliebte sind;
|: Ach nein, ach nein, Herzliebste mein,
Die Lieb und Treu muß länger sein. :|

Er nahm sie gleich in seinen Arm,
Da war sie kalt und nimmer warm;
|: "Geschwind, geschwind bringt mir ein Licht!
Sonst stirbt mein Schatz, daß's niemand sicht. :|

Und als das Mägdlein gestorben war,
Da legt er's auf die Totenbahr.
|: Wo krieg ich nun sechs junge Knab'n,
Die mein Herzlieb zu Grabe trag'n? :|

Wo kriegen wir sechs Träger her?
Sechs Bauernbuben die sind so schwer.
|: Sechs brave Husaren müssen es sein,
Die tragen mein Herzliebchen heim. :|

Jetzt muß ich tragen ein schwarzes Kleid,
Das ist für mich ein großes Leid,
|: Ein großes Leid und noch viel mehr,
Die Trauer nimmt kein Ende mehr. :|

Karaoke

Herkunft und Entstehung

Bis ich mich mit dem Lied Der treue Husar beschäftigte, kannte ich, wie vermutlich die meisten Leute, nur die erste Strophe. Diese Strophe, im Archiv des Karnevals als »Kölner Nationalhymne« bezeichnet, wird seit den 1920er Jahren als Karnevalslied gesungen nach einer Melodie, die dem Militärkapellmeister und Komponisten von Karnevalsliedern Heinrich Frantzen (1880 - 1953) zugeschrieben wird.

Über das Jahr der Entstehung der Karnevalsstrophe gibt es in der Literatur unterschiedliche Meinungen. Laut Wikipedia nimmt die Kölner Karnevalsgesellschaft »KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1825 e.V.« für sich in Anspruch, dass Frantzen 1925 das Lied als Marsch zur Gründung des Vereins komponiert hat. Allerdings hat der damalige Kölner Musikverlag Gustav Gerdes OHG das Lied bereits 1924 veröffentlicht. Der Essayist und Hörspielautor Hartmann Goertz (1907 – 1991) weist darauf hin, dass die Melodie notengetreu, im 3/4-Takt stehend, aus dem Bänkellied Ich ging einmal für mich allein stammt (Goertz, Lieder aus der Küche. Perlen vergessener Poesie, 1957, S. 35).

Die oben aufgeführten Strophen gehen auf verschiedene Volkslieder zurück, die etwa seit der Wende vom 18. auf das 19 Jahrhundert bekannt sind. So wie es eine unterschiedliche Anzahl von Strophen und verschiedene Texte gibt, so wurden die Lieder auch nach diversen Melodien gesungen. Laut dem Volksliedforscher Heinz Rölleke haben die Herausgeber Clemens Brentano und Achim von Arnim in ihrer Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn (Band 3, 1808) die Textvariante »Die gute Sieben« (Es war einmal ein junger Knab, der liebt sein Schätzchen sieben Jahr) mit 12 Strophen »aus nicht weniger als fünf verschiedenen Volksliedern meisterhaft verschmolzen« (Rölleke, Das große Buch der Volkslieder, Lizenzausgabe Bertelsmann o.J., S. 220 f.). Weitere Textvarianten im Wunderhorn sind »Es war einmal ein treuer (ein edler oder auch junger) Knab« und »Der treue Husar« mal mit acht, mal mit 9 Strophen jeweils mit zwei Melodiefassungen. Ein verkürzter Text ähnlichen Inhalts mit sechs Strophen wurde 1825 in den Münsterschen Geschichten abgedruckt (Theo Mang, Sunhilt Mang, Der Liederquell, 2015, S. 507).

Interpretation und Liedtexte

Die Ballade erzählt die traurige Liebesgeschichte eines jungen Mannes und seiner sterbenden Liebsten. Der junge Mann ist in der uns heute bekannten Version ein Husar, in anderen Fassungen ein Knabe (zur Erklärung des Begriffs »Knabe« s. 3. Abschnitt Rezeption im 19. Jahrhundert).

In allen Versionen, ob Husar oder Knabe, wird »sein Mädchen«, »sein Schätzlein« bzw. »sein Mädel« geliebt. Es ist, wie man in der ersten Strophe den Eindruck bekommt, eine unendliche Liebe. Das drücken die verschiedenen Texte zeitlich aus: Entweder »ein ganzes Jahr« oder »sieben Jahr« (Wunderhorn); entscheidend jedoch ist »und noch viel mehr«.

In der Wunderhorn-Fassung liebt der Knabe die Tochter eines Bauern, doch der Bauer will ihm seine Tochter nicht geben. Statt einer Mitgift (Geld, Haus) soll sie ein schwarzes Kleid als Zeichen ihrer Trauer tragen. Daraufhin reist der »Knabe« in die »Niederland», wo er hört, dass seine »Herzallerliebste« zu Hause todkrank darniederliegt.

Im Gegensatz dazu erfahren wir in unserer Version nicht den Grund, warum der »Husar ins fremde Land kam«, jedoch, dass »sein Liebchen« schwerkrank ist (Wunderhorn: »krank auf den Tod«). Und so sehr, wie »die Liebe kein Ende nahm«, nahm, wie es oben in der zweiten Strophe heißt, »die Krankheit kein Ende mehr«.

Kaum hat der junge Mann diese Botschaft vernommen, reist er zurück, um sogleich nach seiner Liebsten zu sehen. Hätte man bisher meinen können, dass seine Abreise zuvor nur vorübergehend ist, vernehmen wir hier, dass er sich im fremden Land niedergelassen hat: Er »verließ gleich sein Hab und Gut« (in allen Textfassungen).

Bei seiner Liebsten angekommen, zeigt sich, dass beide sich nach wie vor unendlich lieben. Gleich zweimal heißt es in den Strophen fünf und sechs: »Die Liebe nahm kein Ende mehr«. Sowohl in der Version aus dem Wunderhorn als auch in unserem Lied, ist die junge Frau sich darüber im Klaren, dass es mit ihr zu Ende geht (s. 6. Strophe). Der junge Mann will das nicht wahrhaben: »Die Lieb und Treu muss länger sein« und er wünscht: »Schön Schätzl … werd wieder gesund!«, (so im Wunderhorn).

Doch als er sie in seine Arme nimmt, merkt er, dass sie schon gestorben ist. Während in der Textfassung des Wunderhorns der junge Mann am Totenbett noch verweilt und seine Tränen trocknet, geht es in der obigen Fassung m. E. recht gefühlsarm zu. Ohne Übergang denkt der Husar gleich an die Beerdigung und fragt, wo man »sechs (geeignete) Träger herkriegt«. Und für sein »Schatzliebchen«, meint er, dürfen es nicht einfache »Bauernbuben« sein. Es soll eine seiner Liebe und seines Standes angemessene Bestattung werden, und daher müssen es – wohl auch wegen der schicken Uniformen - sechs Husaren sein, die sein »Schatzliebchen heimtragen«. Aus beiden Textversionen erfahren wir nichts Näheres über die Totenfeier jedoch, dass er ab jetzt als Zeichen der Trauer schwarze Kleidung tragen wird. Angesichts seines großen Leids wird er »sieben Jahre und noch viel mehr« trauern (Wunderhorn). So wie er einst auf eine nicht enden wollende Liebe hoffte, so wird seine Trauer »kein Ende mehr nehmen« (s. o. Strophe 12).

Rezeption im 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts tauchte das Lied in verschiedenen Regionen Deutschlands auf. Aus dem Fränkischen ist eine Version mit einem »edlen Knaben« bekannt, als »guter« oder »junger« Knabe in Schlesien und Lothringen und über Deutschland hinaus auch in der Schweiz, im Aargau und in Norditalien, in Meran. Dagegen wurde im Rheinland und in Westfalen, im Odenwald, Bayern und Schlesien eine Fassung mit dem »treuen« bzw. »braven« Husaren bevorzugt.

Der erste Vers, in dem je nach Version von einem »roten«, »schwarzen« (und später) von einem »treuen« Husaren die Rede ist, deutet auf die geographische Nähe Österreichs zu Ungarn hin. Ein Husar war ein leichter Kavallerist, der eine rote oder schwarze Uniformjacke (»Attila«), als Kennzeichen seiner Einheit, trug. Das Wort kommt vom ungarischen ›húsz‹, was ›Haus‹ bedeutet. Jeweils 20 Häuser hatten einen bewaffneten Reiter zu stellen. Die Bezeichnung Husar und deren Uniform wurden auch von anderen Staaten übernommen, so trug das preußische Husar-Leib-Garde-Regiment noch 1914 eine rote Attila.

In den bedeutenden Liedersammlungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie Die Volkslieder der Deutschen (Freiherr von Erlach, 1835), Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen, (Kretschmer/Zuccalmaglio, Band 1,1840) und Schlesische Volkslieder mit Melodien (Hoffmann von Fallersleben/Richter, 1842) heißt es im ersten Vers »Es war einmal ein junger Knab«. (Auf Des Knaben Wunderhorn, Band 3, 1808 wurde bereits oben hingewiesen).

Im Mittelhochdeutschen verstand man unter dem Begriff ›Knabe‹ einen Jüngling, einen Burschen oder einen Junggesellen. Der Bedeutungswandel zu einem männlichen Kind, einem Jungen, ist gegen Ende der Entwicklung zum Neuhochdeutschen eingetreten. Daher haben die Herausgeber von späteren Liedersammlungen auf die Fassung des »Husar« zurückgegriffen, so z. B. Erk/Böhme in Deutscher Liederhort 1893/1894, die in ihren drei Bänden diverse Textversionen und verschiedene Melodien gesammelt haben.

Rezeption seit Beginn des 20.Jahrhunderts

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen in der Schweiz einige Liederbücher mit dem Lied (sieben Strophen). In Deutschland folgten vor und während des Ersten Weltkriegs einige Soldatenliederbücher mit manchmal vier, manchmal sechs Strophen.

In den mir zugänglichen Online-Archiven und Privatbibliotheken habe ich für die Zeit von 1917 bis 1934 keine Liederbücher gefunden. Trotzdem war der »treue Husar« ein beliebtes Karnevals- und Stimmungslied, wovon die von vielen Karnevalsvereinen herausgegebenen zahlreichen Liederhefte und auch die Anzahl der Schellackplatten zeugen. Von den im Deutschen Musikarchiv vorhandenen Tonträgern (38) mit diesem Lied beziehen sich 31 auf Schellackplatten, sechs auf Partituren. Auf drei älteren Platten (etwa 1925/1928) ist das Lied als Walzer zu hören, auf den übrigen als Marsch. Aus der Zeit des Naziregimes sind einige wenige Liederbücher, vorwiegend mit drei Strophen bekannt. Beliebt vor allem waren die Partituren für Akkordeon, z. B. Akkordeon am Rhein (1938).

Aus der Zeit von 1957 bis 2015 sind mir 33 Liederbücher bekannt, die »Es war einmal ein treuer Husar« mal mit drei, mal sechs und auch neun Strophen aufgenommen haben. Beispielhaft erwähnt sollen nur Alte Lieder, alte Weisen für Akkordeon (1957), das 1984 in Wien erschienene Das Pfadfinderbuch und der bereits oben erwähnte Liederquell aus 2015. Bemerkenswert finde ich, auch des kuriosen Titels wegen, Werner Hinzes Notensalat mit Geilwurz – Lieder der Küche und Küchenlieder aus 2005. Andererseits ist es erstaunlich, dass der angesehene Volksliedforscher und Musikwissenschaftler Ernst Klusen (1908 – 1999) nicht eine einzige Version des Liedes in sein fast 900 Seiten umfassendes zweibändiges Werk Deutsche Volkslieder aufgenommen hat.

Auf den bei Youtube vorhandenen Videos von Karnevalssessionen und -paraden singen die Teilnehmer meistens nur die erste Strophe. Auch der Schauspieler und Sänger von Karnevals- und Stimmungsliedern Willy Millowitsch (1909 - 1999), der Schlagersänger Gus Backus und der Alles-Sänger Heino scheinen nur die erste Strophe zu kennen. Die traurige Liebesgeschichte, die ja nun wirklich nicht zum heiteren Schunkeln oder Mariechentanzen passt, wird gar nicht wahrgenommen.

Freddys Fassung mit drei Strophen wurde bei den Karnevalisten ebenso wenig populär wie die vier Strophen umfassende Version des Volksliedduos Marianne und Michael. Beide Interpreten singen als erste Strophe den oben angegebenen Text.

Hier als Kostprobe Freddys zweite Strophe:

Wer jeden Tag ein Lied sich singt,
Und jeden Tag ein Gläschen trinkt,
|: Wer auch mal lacht, wenn’s traurig ist,
der ist und bleibt ein Optimist :|

und die dritte Strophe von Marianne und Michael

Und eines Tags im Monat Mai
da waren die zwei auf einmal drei,
|: erst drei und vier und noch viel mehr,
die Liebe nahm kein Ende mehr. :|

Während diese beiden Versionen ziemlich unbekannt geblieben sind, trat die erste Strophe geradezu einen Siegeszug um die Welt an. In Frankreich heißt das Lied »Le fidèle Husard«, in Spanien »El valiente Husar« und in Italien »L’Ussaro fidele«. Am bekanntesten ist wohl »The Faithful Hussar«, vor allem durch die Interpretation von Louis Armstrong.

Georg Nagel, 26.02.2019