Der Natur zu Liebe

(Um Tigern gleich zu morden, in Wäldern weit und breit)

Ludwig von Wildungen

Musiknoten zum Lied Der Natur zu Liebe

Liedtext

Um Tigern gleich zu morden,
in Wäldern weit und breit,
hab' ich Dianens Orden
mich wahrlich nicht geweiht;
nein, einem edlern Triebe
dank' ich mein grün Gewand;
nur dir Natur zu Liebe
wählt' ich den Jägerstand,
nur dir Natur zu Liebe
wählt' ich den Jägerstand!

Dir hat mein Herz geschworen;
als Weidmann hast du mich
zum Liebling auserkoren,
des, preis' ich, Holde, dich!
Du machst Gebirg' und Felder
und selbst die Finsternis
|: der wildbewachs'nen Wälder
für mich zum Paradies! :|

Versteckte Pfade führen
zu deinem Heiligtum;
sie mutig aufzuspüren,
bringt Jägern Glück und Ruhm.
Den täuscht verlor'ne Mühe,
der deinen Wink nicht kennt,
|: und wenn er spät und frühe
durch Dorn und Dickung rennt. :|

In deiner Reize Fülle
schwelgt, Göttliche, mein Blick;
dich täglich ohne Hülle
zu schauen, welch ein Glück!
Uns Jägern, rauh und bieder,
ward dieser Vollgenuß:
|: wir sehn und sehn dich wieder,
und nie mit Überdruß. :|

Der Gottheit Hauch umschwebet
die Wälder hoch und dicht;
sie liebt, was grünt und lebet,
in Mauern wohnt sie nicht;
nicht eitler Kunst Gepränge,
nein, Einfalt hebt sie nur;
|: gern hört sie Lobgesänge,
wie du sie lehrst, Natur! :|

Wie fühlt' ich oft dem Sitze
der Allmacht mich so nah,
wenn von des Berges Spitze
ich dein Erwachen sah!
Wie bin ich wonnetrunken
dann oft im stillen Hain
|: anbetend hingesunken,
ihr meinen Dank zu weih'n! :|

Um Wild nur zu berücken,
hab' ich so manche Nacht,
- glaubt's Brüder!- mit Entzücken
im Forste nicht gewacht!
Die Pracht gestirnter Höhen,
der Mond ergötzte mich;
|: indes oft ungesehen
das Wild vorüber schlich. :|

Zu solchen Seligkeiten,
vom Weichling nie erkannt,
winkt täglich dem Geweihten
Dianens Zauberhand.
Beschwerden nicht zu scheuen,
zu trotzen Frost und Glut,
|: stählt sie den Vielgetreuen
mit Nervenkraft und Mut. :|

Entzückt will ich dich preisen,
Natur, solang' ich bin!
Nichts soll mich dir entreißen,
du Allbeleberin!
Wohl dem, der dir ergeben
des Daseins froh genießt
|: und endlich sanft sein Leben
im trauten Forst beschließt.:|