Der Frühling hat sich eingestellt

Hoffmann von Fallersleben (1836)

Musiknoten zum Lied Der Frühling hat sich eingestellt

Liedtext

Der Frühling hat sich eingestellt!
Wohlan, wer will ihn sehn?
Der muß mit mir ins freie Feld,
ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
daß niemand ihn mehr sah;
ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,
jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da,
ihm folgt, wohin er zieht,
nur lauter Freude fern und nah
und lauter Spiel und Lied.

Und allen hat er, groß und klein,
was Schönes mitgebracht,
und sollt's auch nur ein Sträußchen seil
er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt;
wer bliebe da zu Haus?

Herkunft und Rezeption

Der Frühling hat sich eingestellt ist ein Gedicht, das der Dichter, Volksliedforscher und -sammler August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874) im Jahr 1836 veröffentlicht hat. Eine Urform der Melodie, die auf einer alten Volksweise beruht, stammt von dem Komponisten, Musikschriftsteller und -kritiker Johann Friedrich Reichardt (1752 - 1814), der auch die Hoffmannschen Texte zu den Kinderliedern Der Kuckuck und der Esel und Alle Vöglein sind schon da vertonte. Sein Sohn Gustav Reichardt (1797 - 1884), königlicher Musikdirektor und Musikpädagoge, "veränderte die Melodie durch Einschub von Achtelnotengruppen anstelle von Viertelnoten, was zu einer fröhlicheren und fließenderen Melodie führte" (Theo Mang, Der Liederquell, 2015, S. 109), die uns noch heute bekannt ist.

Im Vergleich zu dem ebenfalls von Hoffmann von Fallersleben gedichteten Text Trarira! Bald ist der Frühling da! erfreute sich unser Lied vom heran gekommenen Frühling bald in ganz Deutschland großer Beliebtheit. Bereits 1843 tauchte Der Frühling hat sich eingestellt im Liederbuch ›37 Lieder für das junge Deutschland vom Verfasser der "Unpolitischen Lieder"‹ (Hoffmann von Fallersleben) auf, und 1883 erschien es in der 59. Auflage des weit verbreiteten Liederhefts ›Singvögelein‹ und vorher in vielen Schulliederbüchern. Seitdem Der Frühling hat sich eingestellt 1904 im ›Wandervogel-Album, Lieder zur Laute‹ erschienen war, fand es schnell Eingang in zahlreiche weitere Liederbücher der Jugendbewegung.

In der NS-Zeit nahmen sich hauptsächlich Kinderliederbücher des Liedes an. Mit Ausnahme des ›Feierbuchs für die deutsche Jugend – Spruch-und Liedgut‹ ist es in Liederbüchern der NS-Organisationen nicht zu finden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lied auch in Liederbücher in Österreich und in der DDR aufgenommen. In der Bundesrepublik Deutschland ist es in zahlreichen Schul-, Kinder- und anderen Gebrauchsliederbüchern vertreten. Eine weitere Verbreitung erreichte es ab 1981 durch das Fischer-Taschenbuch ›Das Kinder-Lieder-Buch‹.

Wie beliebt ein Lied ist, zeigt sich häufig auch in der vielfachen Verwendung des Liedtitels, des sogenannten Incipits. Das Deutsche Musikarchiv in Leipzig weist allein sieben Bücher mit dem Titel Der Frühling hat sich eingestellt aus, darunter Bilder-, Spiel- und Bastelbücher und ein Buch mit Frühlingsgeschichten.

Interpretation

Wie auch im Frühlingslied Trariro, der Sommer, der ist do hat Hoffmann von Fallersleben in Der Frühling hat sich eingestellt seine Freude über den beginnenden Frühling ausgedrückt. Wer seine Freude teilen will, muss in die Natur gehen, "ins freie Feld", das langsam zu grünen anfängt (vgl. auch das spätere Wandervogellied ›Aus grauer Städte Mauern, ziehn wir ins freie Feld‹).

Der Mensch weiß, dass nach jeder Winterszeit der Frühling wieder kommt. Um zu "überwintern" hat er - wie manche Tiere - nur einen Winterschlaf gehalten und sich dabei so gut im Wald versteckt, dass "ihn niemand sah". Aber zur rechten Zeit kann man im Wald die Vöglein singen hören, die - ganz poetisch im Sinne der Romantik - den Frühling wieder aufgeweckt haben.

Und während der Frühling klimabedingt langsam von Süd nach Nord und von West nach Ost durch die Lande zieht, gibt er überall Anlass zu "lauter Freude". Die Kinder können im Freien spielen und ihre Lieder singen (vgl. auch Grüß Gott, du schöner Maien mit den Zeilen der ersten Strophe: "Tust jung und alt erfreuen mit deiner Blumen Zier").

Aber nicht nur die Kleinen genießen den Frühling, auch die Erwachsenen werden durch die blühenden Blumen, die sich zu einem "Sträußchen" binden lassen, erfreut (vgl. Alles neu macht der Mai, aus der ersten Strophe "Lasst das Haus, kommt hinaus, bindet einen Strauß").

Und noch einmal erfolgt in der fünften Strophe die Aufforderung, den Frühling zu genießen und "ins grüne Feld zu gehen". Wie eine Erleichterung darüber, dass der Winter (endlich) vorüber ist, wird erneut betont: "Der Frühling sich eingestellt hat" (ähnlich die Feststellung im beliebten Frühlingslied Der Mai ist gekommen.

Wie jemand angesichts des beginnenden Frühlings mit den grünenden Feldern und Wäldern, den blühenden Blumen und die heller und wärmer werdenden Tage zu Hause bleiben kann, kann der Dichter sich gar nicht vorstellen. Und so schließt das Gedicht mit der rein rhetorischen Frage: "Wer bliebe da zu Haus?" Bereits mehr als 30 Jahre zuvor war auch schon Friedrich Schiller (1759 - 1805) der Meinung: "Alles freuet sich und hoffet, / wenn der Frühling sich erneut" (aus dem Gedicht ›Der Jüngling am Bache‹, Google Books).

Georg Nagel, 25.03.2018