Da droben vor meines Vaters Haus

Volkslied (18. Jh.)

Rudolf Miethe (vor 1919)

Musiknoten zum Lied Da droben vor meines Vaters Haus

Liedtext

Da droben vor meines Vaters Haus,
da steht eine goldene Linde.
Darinnen sitzet Frau Nachtigall
und singt mir mit heller Stimme.

Frau Nachtigall, klein Vögelein,
willst du mich lehren singen?
Ich will dir den Fuß mit Gold beschlan,
die Hand mit goldnen Ringen.

Was frag ich nach dem roten Gold,
was frag ich nach den goldnen Ringen?
Ich bin des Walds klein Vögelein,
niemand kann mich bezwingen.

Bist du des Walds klein Vögelein
und kann dich niemand zwingen,
so zwingt dich Reif und kalter Schnee
und 's Laub wohl von der Linden.

Und wenn die Linde das Laub verliert,
so trauern alle Äste:
Daran gedenkt, ihr Mägdlein jung,
und halt' eur Kränzlein feste!

Soll ich mein Kränzlein halten fest,
so will mir's doch nimmer bleiben;
viel lieber trag ich Schleierlein weiß,
umwunden mit gelber Seiden.