Auf einem Baum ein Kuckuck

Volkslied (18. Jh.)

Volksweise (18. Jh.)

Musiknoten zum Lied Auf einem Baum ein Kuckuck

Liedtext

Auf einem Baum ein Kuckuck
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
auf einem Baum ein Kuckuck saß.

Da kam ein junger Jägers-
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
da kam ein junger Jägersmann.

Der schoß den armen Kuckuck
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
der schoß den armen Kuckuck tot.

Und als ein Jahr vergangen
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
und als ein Jahr vergangen war,

da war der Kuckuck wieder
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
da war der Kuckuck wieder da.

Da freuten sich die Leute
sim sa la dim bam ba sa la du sa la dim
da freuten sich die Leute sehr.

Karaoke

Herkunft und Inhalt

Der Text und die Melodie des Kinderlieds Auf einem Baum ein Kuckuck sind gemäß den Forschungen des Zentrums für Populäre Kultur und Musik, Freiburg, seit 1830 belegt (vgl. Tobias Widmaier, Liederlexikon). Mit der Anmerkung "überliefert aus dem Bergischen (Barmen)" wurde es erstmalig 1838 in der Liedersammlung von Ludwig Erk und Wilhelm Irmer Deutsche Volkslieder mit ihren Singweisen (1. Heft, Nr. 20, S. 21) mit drei Strophen abgedruckt unter dem Titel Der Kuckuck und der Jägersmann. Auch die Dichter der später hinzu gekommenen Strophen vier und fünf sind unbekannt. Erstmalig veröffentlicht wurden sie als Anmerkung in Erk‘s Deutscher Liederhort (1856, Nr. 176, S. 380) unter dem Titel Kukkuk und Jägersmann. In beiden Veröffentlichungen notierte Erk die Melodie im 5/4-Takt statt des heute üblichen 2/4 und 3/4 Taktwechsels.

Als Scherzlied mit leicht auswendig zu lernendem Text und einfacher, eingängiger Melodie wurde es recht schnell bei Kindern beliebt. Aber auch als Gesellschaftslied war es auch in höheren Ständen und bald als Volkslied in allen Kreisen der Bevölkerung bekannt und musste oft als Spiellied herhalten: Wer sich bei dem immer schnelleren Singen von "sim saladim bamba saladu saladim" versprach, musste ein Pfand abgeben. In studentischen Kreisen gab es beim Versprechen der zungenbrecherischen Zeilen stattdessen eine Bierstrafe (vgl. Theo und Sunhilt Mang, Der Liederquell, 2015, S. 642).

Betrachtet man das politische Geschehen zur Zeit der Entstehung des Liedes - zum einen die Restauration, zum anderen den Vormärz, den Vorläufer der Revolution von 1848 - so könnte der Liedtext auch eine verborgene Botschaft enthalten. Der Kuckuck als Frühlingsbote symbolisiert die Hoffnung auf den politischen Frühling, der nach den Karlsbader Beschlüssen 1823 (Verbot der Meinungsfreiheit, Pressezensur, Überwachung der Universitäten und Entlassung der liberal und national gesinnten Professoren) demokratische Freiheitsrechte bringen soll. Der Jägersmann steht dann für die repressive Obrigkeit, der den Kuckuck erschießt, d.h. die freiheitlichen Bestrebungen massiv unterdrückt.

Doch dann folgen die vierte und fünfte Strophe, die später hinzugefügt wurden: nach einem Jahr ist der Kuckuck wieder da. Bei politischer Auslegung des Textes bedeutet das: Wir Bürger mögen zwar manchen Rückschlag erleiden, aber wir lassen uns auf Dauer nicht unterkriegen; wir streiten weiter für Freiheit und Gerechtigkeit.

Vielleicht in der Gewissheit, dass "trotz alledem" die demokratischen Rechte erkämpft werden, ist eine sechste Strophe entstanden, die sich allerdings nur in wenigen Liederbüchern findet.

Rezeption

Ludwig Erks ersten Veröffentlichungen in 1838 und 1856 folgten noch im 19. Jahrhundert zahlreiche Liedersammlungen mit Auf einem Baum ein Kuckuck, darunter 1884 auch das Liederbuch für die Deutschen in Österreich und 1888 das weit verbreitete Allgemeines Deutsches Commersbuch, das bereits 1898 in der 63. bis 66. Auflage gedruckt wurde.

Auch in Liederbüchern für Jäger fand das Lied Eingang; beispielhaft soll hier nur das 1901 erschienene Burckhardt’s Jagd- und Waldlieder erwähnt werden.

In der Zeit der Jugendbewegung nahmen sich besonders die Wandervögel des Liedes an. Mit Ausnahme des Zupfgeigenhansl (1928: 150. Auflage) haben fast alle von Wandervögeln und Bündischen herausgegebenen Liederbücher von Wandervogel Liederborn (1910) bis Lieder der bündischen Jugend 1929 Auf einem Baum ein Kuckuck in ihr Repertoire aufgenommen.

Da im Laufe der Jahrzehnte die politisch symbolhafte Bedeutung des Kuckucks verlorengegangen war, hatten auch die Nationalsozialisten keine Bedenken, das Lied in ihre Liederbücher aufzunehmen. Nicht nur im Reichsarbeitsdienst und in der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude, von der Hitlerjugend und den NS-Frauenschaften, sondern auch in weiteren NS-Organisationen und in Schulen wurde das Lied mit den ersten fünf Strophen gesungen. Außer NS- oder NS-nahe-Verlage, die Liederbücher mit Titeln wie Die Fahne hoch, Morgen marschieren wir oder Uns geht die Sonne nicht unter herausbrachten, gab es einige Fachverlage, in denen u.a. Musik und Jägerei - Denkmäler deutscher Jagdkultur oder Von Bauern, Schäfern und Jäger mit dem Lied Auf einem Baum ein Kuckuck erscheinen konnten.

Galten nach dem Zweiten Weltkrieg einige von den Nationalsozialisten vereinnahmten Volkslieder als belastet, so zeigte sich, dass die Beliebtheit des ›Baumkuckuck‹ sich ungebrochen fortsetzte. Das Lied wurde nicht nur in viele Schulbücher aufgenommen, sondern auch - wie Online Archiven und Bibliotheken zu entnehmen ist - in zahlreiche Gebrauchsliederbücher. Bereits 1945 kam das Volksliederbuch zur demokratischen Erneuerung Deutschlands heraus; Liederbücher der Falken, der Naturfreundejugend, evangelischer und katholischer Kreise und diverse Chorbücher folgten in den nächsten Jahren.

Von den Taschenbüchern mit hohen Auflagen, die Auf einem Baum ein Kuckuckberücksichtigten, sind besonders erwähnenswert die der Verlage Heyne, Reclam, Fischer und Knaur, sowie Das Volksliederbuch - Über 300 Lieder, ihre Melodien und Geschichten des Weltbild Verlags. In der DDR erschien 1985 das Liederbuch der Freien Deutschen Jugend - Leben, Kämpfen, Singen in der 17. Auflage. Von den österreichischen Liederbüchern soll hier exemplarisch Volkslieder aus Österreich – Unsere schönsten Lieder genannt werden. Das letzte mir bekannte Liederbuch ist das 2009 herausgekommene Halli Hallo Halunken - Das große Familien-Liederbuch.

Der Katalog des Deutschen Musikarchivs führt 36 Chorpartituren auf, jedoch nur einen Tonträger. Bei Youtube dagegen sind rund 170 Videos mit Auf einem Baum ein Kuckuck Aufnahmen von Rio Reiser, Nena, den King’s Sisters und Hannes Wader zu finden.

Neben Hoffmann von Fallerslebens 1835 veröffentlichtem Lied Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald wird Auf einem Baum ein Kuckuck als beliebtes Volkslied von Jung und Alt in Kindergärten und Schulen, auf Wanderungen, auf studentischen Verbindungsabenden und bei anderen Gelegenheiten noch heute gerne gesungen.

Georg Nagel, 23.06.2018