Ade zur guten Nacht

Das Abschiedslied Ade zur guten Nacht wurde erstmals 1848 in Sachsen aufgezeichnet und fand dann in verschiedenen Versionen Verbreitung auf Fliegenden Blättern. Obwohl die erste Strophe ein Abendlied vermuten lässt, geht es im Lied um den (vorübergehenden) Abschied von der Liebsten.

Musiknoten zum Lied - Ade zur guten Nacht

Ade zur guten Nacht!
Jetzt wird der Schluss gemacht,
Dass ich muss scheiden;.
Im Sommer da wächst der Klee,
Im Winter, schneit´s den Schnee,
Da komm ich wieder.

Es trauern Berg und Tal,
Wo ich viel tausendmal
Bin drüber gangen;
Das hat deine Schönheit gemacht,
die hat mich zum Lieben gebracht
mit großem Verlangen.

Das Brünnlein rinnt und rauscht
Wohl dort am Holderstrauch,
Wo wir gesessen,
Wie manchen Glockenschlag,
da Herz bei Herzen lag,
das hast du vergessen.

Die Mädchen in der Welt
Sind falscher als das Geld
Mit ihrem Lieben.
Ade zur guten Nacht,
jetzt wird der Schlußss gemacht,
dass ich muss scheiden.

Das deutsche Lied Ade zur guten Nacht wurde bereits im frühen 19. Jahrhundert mündlich überliefert. Die ersten Aufzeichnungen stammen vermutlich aus dem Jahr 1806 und wurden von Achim von Arnim und Clemens Brentano gesammelt.

1848 wurde das Lied in Sachsen aufgezeichnet und fand in verschiedenen Versionen Verbreitung durch Fliegende Blätter. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Lied dann auch verstärkt in Liederbücher aufgenommen. Bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gilt Ade zur guten Nacht als im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt.

Doch anders, als man im ersten Moment vielleicht denken könnte, ist »Ade zur guten Nacht« kein Gruß für die Nacht, sondern eine Abschiedsformel. Als solche ist »Ade zur guten Nacht« schon sehr lange bekannt und wurde bereits 1533 in einer Predigt von Martin Luther verwendet um auszudrücken, dass Jesus »von ihnen scheiden und ihnen Ade zur guten Nacht geben wollte« (Luther: Evangelien-Auslegung 1961).

So ist denn auch Ade zur guten Nacht kein Abendlied, sondern ein Abschiedslied, was sich aus der ersten Strophe recht schnell ergibt. Denn bereits die ersten drei Verse stellen klar: »Ade zur guten Nacht! Jetzt wird der Schluss gemacht, dass ich muss scheiden«. Da nimmt jemand Abschied und gibt das Versprechen »Im Sommer da wächst der Klee, im Winter, schneit´s den Schnee, da komm ich wieder«.

Doch die Liebe nimmt kein gutes Ende. Denn in der vierten Strophe heißt es: »Die Mädchen in der Welt sind falscher als das Geld mit ihrem Lieben«. Die Liebste war wohl untreu geworden. Das verdeutlichen die Worte »das hast du vergessen« der dritten Strophe, die von Eduard Mörike stammt. Mörike hatte sie seinerzeit dem Volksliedsammler Georg Scherer zugeschickt, der sie geringfügig verändert 1863 in seiner Sammlung Die schönsten Deutschen Volkslieder veröffentlichte. In der Folge blieb diese Strophe als fester Bestandteil des Lieds erhalten und wurde so auch 1910 im damals weit verbreiteten Liederbuch Zupfgeigenhansl aufgenommen.

Heute wird Ade zur guten Nacht nicht mehr ausschließlich als Abschiedslied verstanden, sondern auch als Abendlied und sogar als Kinderlied gesungen.

Der Beliebtheit des Lied tat es keinen Abbruch wie die vielen Ausnahmen auf Youtube belegen. Neben Hannes Wader (1990) und dem Duo Zupfgeigenhansl (1982) sang es unter anderem auch Heino (1967).

Tom Borg, 19. Juni 2023

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