Aber heidschi bumbeidschi

Volkslied (Anfang 19. Jh.)

Das deutsch-österreichische Lied wird oft als Weihnachtslied bezeichnet. Tatsächlich ist es jedoch ein Wiegenlied. "Heidi" oder "Heidschi" bedeutet "Einschlafen" und bezeichnet bis heute das zum Schlafen legen des Kindes. Und wenn es dann schläft, soll es von Engelein träumen.

Volksweise (Anfang 19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Aber heidschi bumbeidschi

Liedtext

Aber heidschi bumbeidschi, schlaf lange,
es is ja dein Muatter ausganga;
sie is ja ausganga und kimmt neamer hoam
und laßt das kloan Biabele ganz alloan!
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Aber heidschi bumbeidschi, schlaf siaße,
die Engelen lassn di griaßn!
Sie lassn di griaßn und lassn di fragn,
ob du in' Himml spaziern willst fahrn.
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Aber heidschi bumbeidschi, in' Himmel,
da fahrt di a schneeweißer Schimml,
drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Latern,
drein leicht' von' Himml der allerschenst Stern.
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Der Heidschi bumbeidschi is kumma
und hat ma mein Biable mitgnumma;
er hat ma's mitgnumma und hats neamer bracht,
drum winsch i mein' Biaberl a recht guate Nacht!
Aber heidschi bumbeidschi bum bum,
aber heidschi bumbeidschi bum bum.

Karaoke

Herkunft

Heidschi bumbeidschi ist seit dem Anfang des 19. Jahrhundert in Niederösterreich und Südböhmen bekannt. Erstmals publiziert wurde das Lied 1819 in Österreichische Volkslieder mit ihren Singweisen. Im Kapitel Wiegenlied wurden 10 Strophen (S. 3 f.) aufgeführt mit dem Beginn und dem Refrain "Haid'l bubaid'l" und mit der folgenden Melodie:

Aus den Alpenländern sind drei verschiedene Melodiefassungen bekannt. Nach Meinung des Musikwissenschaftlers Günther Noll könnte die heutzutage verbreitete Melodie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sein (Noll, Anmerkungen zu aktuellen Fragen des Wiegenliedes. In: ad marginem. Mitteilungen des Instituts für europäische Musikethnologie der Universität zu Köln, 2012, S. 3).

"Heidschi bumbeidschi" ist von "Hutschen" oder "Huitschen" ("schaukeln") in Österreich und Bayern abgeleitet und soll sich dort in zahlreichen Wiegenliedern finden (vgl. Noll, S. 8). Andere Lied- und Sprachforscher halten es für möglich, dass "Heidschi bumbeidschi" eine Variante von "Heia Bubeia" ist, was "Schlaf, Bübchen!" bedeutet. In Grimms Wörterbuch findet man die Bedeutung von "heien", nämlich im Sinne von "ein Kind wiegen, es zum Schlafen bringen". Noch heute sagt man: "Jetzt geht’s in die Heia". Manchmal werden kleine Kinder mit "heia popeia" in den Schlaf gesungen, ähnlich dem "Haidl bub eidl" und "Heidschi bum beidschi".

Die Auffassung, dass "Haid'l Bu-Bai-d'l" auf eine um 1800 in Österreich lebende griechische Prinzessin zurückgeht und eine Ableitung griechisch von "heude" = "schlafen" und "heude, mu paidion" = "schlafe, mein Kindlein!" ist, gilt als nicht belegt.

Von den ursprünglichen 10 Strophen sind heute nur vier gebräuchlich. Nach Auffassung von Günther Noll stammt ein erster Nachweis der heute weitverbreiteten Textfassung aus dem Jahr 1926 (Noll, S. 10). Eine nicht nachprüfbare Quelle im Internet nennt als erste Veröffentlichung von "Heidschi bumbeidschi" in Deutschland mit vier Strophen das Liederbuch Kriegslieder - 11. Folge für hohe und tiefe Stimme (Robert Kothe,Magdeburg, 1915).

Interpretation

Hört oder liest man die erste Zeile des in vielen Liederbüchern als Weihnachtslied bezeichneten Heidschi bumbeidschi könnte man meinen, es sei ein Wiegenlied wie Guten Abend, gut Nacht oder Schlaf, Kindlein, schlaf.

Doch schon in der zweiten Zeile erfahren wir: Nicht die Mutter singt es ihrem Kinde vor. Die Mutter ist ausgegangen und nicht nur zum Einkaufen oder kurz zur Nachbarin, nein, sie ist weg und kommt nicht mehr heim. Da eine Mutter wohl kaum ihr Kind auf die Dauer verlassen wird, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Mutter gestorben ist. Aber nun ist das Bübchen, wie wir noch in der ersten Strophe hören, "ganz allein". Ob das Kind nun bei seinem Vater lebt, können wir dem gesamten Liedtext nicht entnehmen. Auf jeden Fall kümmert sich jemand um das Waisenkind und singt ihm dieses Lied vor. In einer 10-strophigen Fassung von 1819 heißt es in der sechsten Strophe "und in a schens Klosta, da wull idi fiähr'n" (Österreichische Volkslieder mit ihren Singweisen, S. 4).

Wie in Wiegenliedern werden auch vor dem Einschlafen die Englein als Beistand für die dunkle Nacht besungen (vgl. zweite Strophe von Guten Abend, gut Nacht: "…von Englein bewacht…"); hier lassen die "Englein grüßen". Zunächst könnte man meinen, dass die Englein von der Mutter grüßen lassen, aber dann heißt es, dass die Englein das Büblein fragen, ob es "spazieren in den Himmel fahren mag". Das verspricht ein kleines Abenteuer zu werden. Aber es ist nicht gemeint, ›am‹ Himmel zu fahren wie der kleine Häwelmann im Märchen von Theodor Storm, sondern ›in den‹ Himmel. Bereits hier in der zweiten Strophe wird angedeutet, dass das Büblein bald sterben wird.

Was der Tod bedeutet, weiß das Waisenkind noch nicht. Der Tod wird ihm versüßt, indem ihm in der nächsten Strophe erzählt wird, wie angenehm es ist, in den Himmel zu kommen. Während vom Himmel der "allerschenst Stern", der Abendstern leuchtet, wird das "Büable" gefahren, ob in einem Wagen, einem Schlitten oder im Bett wie der kleine Häwelmann, das erfahren wir nicht. Das Gefährt wird von einem schneeweißen Schimmel gezogen (über den Pleonasmus möge man großzügig hinweg sehen), auf dem ein kleiner Engel mit einer Laterne sitzt. Wie ein Stern den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe zeigt und der Weihnachtsmann mit einem Schlitten am Heiligen Abend vom Himmel hinab fährt, so kann man aufgrund der dritten Strophe nachvollziehen, dass der Liedtext bisweilen auch als Weihnachtslied angesehen wird.

Die vierte Strophe bedeutet einen Bruch im Lied. Jetzt wird nicht mehr der kleine Bub angesprochen, sondern die Situation beschrieben, und zwar von der Mutter. Sie beklagt, dass der Heidschi bumbeidschi, gemeint ist der Tod, gekommen ist, und ihr "Büable mitnommen", (geholt) hat und wie es bestätigend heißt "nimmer bracht", das heißt endgültig geholt hat. Darum wünscht sie ihrem Sohn eine letzte gute Nacht.

Einige Musikforscher gehen davon aus, dass das Lied von der hohen Kindheitssterblichkeit alter Zeiten handelt" (so in einem dpa-Artikel in der Hamburger Morgenpost vom 1.12.2017 ohne Angabe des Verfassers).

Rezeption

Nach der ersten Veröffentlichung 1819 verbreitete sich das Lied wegen der eingängigen und leicht singbaren Melodie im Dreivierteltakt und des emotional aufgeladenen Textes schnell in ganz Südböhmen und in den Alpenländern. Eines der ersten Liederbücher in Deutschland in das Heidschi bumbeidschi aufgenommen wurde ist Deutsche Volkslieder mit ihren Singweisen, 1840 herausgegeben von A. Kretzschmer und A.W. von Zuccamaglio, das in "Theil 2" 10 Strophen des Liedes im Dialekt enthält (S. 653 f.). In der Liedersammlung des Volksliedforschers Franz Magnus Böhme Deutsches Kinderlied und Kinderspiel (1897, S. 23) werden im Abschnitt Wiegenlieder zwei Strophen von "Haidl bubeidl" in einem bayrisch-österreichischen Dialekt aufgeführt.

Als Weihnachtslied wurde Heidschi bumbeidschiin die Liederbücher Tut auf das Tor – alte und neue Lieder zur Weihnacht für Klavier (1939) und Lieder zur Weihnachtszeit (1943) aufgenommen. Ab 1947 folgte in Österreich und Deutschland die Aufnahme in zahlreiche Liederbücher. Noch 2008 erschien es in Die Lieder Österreichs.

Das Deutsche Musikarchiv weist in seinem Katalog zu Heidschi bumbeidschi 15 Tonträger aus, darunter Interpretationen des Bariton Hermann Prey und der Schlagersänger Peter Alexander, Heintje, Roger Whittaker und die Sängerinnen Andrea Berg und Helene Fischer. Unvergessen ist auch die Aufnahme mit Andrea Jürgens aus dem Jahre 1979 auf ihrem Album Weihnachten mit Andrea Jürgens.

Die relativ geringe Anzahl der Tonträger darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass seit 1965 bis jetzt mehrere Zehn-Millionen Singles, LPs und CDs mit dem Lied verkauft wurden.

Bereits 1966 stand Peter Alexander mit seiner gesungenen Version mit drei Strophen und geändertem Text in Deutschland sechs Wochen in den Charts, davon zweimal unter den Top 10, in Österreich neun Wochen, davon viermal unter den Top 10. Hier die erste Strophe:

Und in allen den Zimmern und Stuben,
da träumen die Mädchen und Buben.
Sie träumen vom Christkind im goldenen Haar
und wünschen sich Dinge so wunderbar.
Aber Heidschi bum beitschi bum bum,
aber Heidschi bum beitschi bum bum

1968 war Heintje mit 26 Wochen (16 mal in den Top 10) in Deutschland, 16 in Österreich (8 mal), 12 der Schweiz (12 mal), 11 in den Niederlanden und in Belgien (jeweils 11 mal) in den Charts bis heute der erfolgsreichste Heidschi-Interpret. Von den drei Strophen der gegenüber dem Original textlich geänderten hochdeutschen Version lautet die erste Strophe:

Aber Heidschi bumbeidschi es schlafen,
am Himmel die Schäflein, die braven
Sie ziehen dahin, an dem himmlischen Zelt,
vergessen den Schmerz und den Kummer der Welt.
Aber Heidschi bumbeidschi bum bum.
Aber Heidschi bumbeidschi bum bum.

Heintje schaffte es 1968, mit Heidschi in Deutschland acht Wochen lang in den Charts an erster Stelle zu stehen. (Quellen für die Angaben aus den Charts: chartsurfer.de und hitparade.ch).

2006/2007 konnte Andrea Berg ein wenig an den Erfolg der von Heintje gesungenen Liedfassung anknüpfen. In Deutschland war sie damit 8 Wochen, in Österreich 4 Wochen in den Charts, allerdings nicht unter den Top 10.

Wie beliebt das Lied nach wie vor ist, kann man auch an den über 1.000 Videos bei You tube sehen, darunter Interpretationen, zusätzlich zu den bereits erwähnten Sängern und Sängerinnen, von Esther Ofarim und Lolita, Hansi Hinterseer und Karel Gott und sogar Placido Domingo.

Georg Nagel, 3. Juni 2018