Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

Volkslied (Ende 19. Jh.)

Volksweise (Ende 19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

Liedtext

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin
ritt durch Schnee und Wind,
sein Roß das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut:
sein Mantel deckt' ihn warm und gut.

Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee da saß ein armer Mann,
hatt' Kleider nicht, hatt' Lumpen an.
"O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein Tod!"

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zog die Zügel an,
sein Roß stand still beim armen Mann,
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt'
den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin, Sankt Martin
Sankt Martin gab den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil'
hinweg mit seinem Mantelteil.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin legt sich müd' zur Ruh
da tritt im Traum der Herr dazu.
Er trägt des Mantels Stück als Kleid
sein Antlitz strahlet Lieblichkeit.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin sieht ihn staunend an,
der Herr zeigt ihm die Wege an.
Er führt in seine Kirch' ihn ein,
und Martin will sein Jünger sein.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin wurde Priester gar
und diente fromm an dem Altar,
das ziert ihn wohl bis an das Grab,
zuletzt trug er den Bischofsstab.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin, o du Gottesmann,
nun höre unser Flehen an,
O bitt' für uns in dieser Zeit
und führe uns zur Seligkeit.

Karaoke

Der 1904 erschienene Liederschatz für katholische Vereinigungen aller Art führt 20 Strophen an. Gebräuchlich sind jedoch nur die ersten vier Strophen, die üblicherweise in modernen Liederbüchern ausgewiesen werden. In älteren Liederbüchern taucht das Lied vom Heiligen Martin ohnehin nicht so oft auf. Weder Ludwig Erk noch Magnus Böhme präsentieren Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind im Deutschen Lederhort. Auch in den anderen Standardwerken findet sich das Lied eher selten.

Dennoch erfreut sich Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind heute großer Beliebtheit und Bekanntheit, was nicht zuletzt an seiner Verbreitung in Kindergärten liegt. Es wurde zu einem Kinderlied, das in der beginnenden Winterzeit nicht fehlen darf und oft als musikalischer Hintergrund zu Aufführungen verwendet wird.

Erzählt wird die Geschichte vom Heiligen Martin, der als Martin von Tours um 316/317 in der römischen Provinz Pannonia prima geboren wurde und am 8. November 397 in Candes bei Tours in Frankreich starb.

Laut Überlieferung begegnete Martin an einem kalten Wintertag am Stadttor von Amiens einem armen und unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und einem Militärmantel trug auch Martin nichts bei sich. Doch in seiner Barmherzigkeit nahm er sein Schwert, teilte seinen Mantel und gab eine Hälfte dem Armen.

In der folgenden Nacht soll ihm dann im Traum Jesus Christus erschienen sein, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler geschenkt hatte. Für Martin von Tours war dies ein Glaubenserlebnis, das an die Bibelstelle im Evangelium von Matthäus 25, 35–40 erinnert: "Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. … Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."

Fortan war Martin von Tours ein gläubiger Christ, der sein Leben Gott widmete, was in seiner damaligen Lebensphase allerdings nicht einfach war.

Martin von Tours' Lebensweg

Martin von Tours wurde 316 oder 317 in Savaria, damals in der römischen Provinz Pannonia prima gelegen, heute Szombathely in Ungarn, geboren. Seine Jugend verbrachte er jedoch in Pavia, der Heimat seines Vaters.

Martin kam schon sehr früh mit dem Christentum in Berührung und wurde in die Gruppe der Taufbewerber aufgenommen, als er zehn Jahre alt war. Sein Vater hatte jedoch eigene Vorstellungen zur die Zukunft seines Sohnes. Martin sollte Offizier werden, wie sein Vater. Als Sohn eines Offiziers war er ohnehin zum Militärdienst verpflichtet.

Martin folgte dem Wunsch seines Vaters und trat widerwillig in den Militärdienst ein. Doch während seiner Dienstzeit vertiefte sich sein Glaube und er verweigerte schließlich die Teilnahme an weiteren Kriegshandlungen und beantragte seine Entlassung aus dem Militärdienst. Diese wurde ihm jedoch erst nach Ableistung der vollen 25 Dienstjahre gewährt. Damals war Martin von Tours 40 Jahre alt.

Bereits vier Jahre zuvor war er 351 von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers, getauft worden. Dieser unterrichtete Martin auch nach seinem Militärdienst.

361 errichtete Martin von Tours mit der Abtei de Ligugé das erste Kloster des Abendlandes in Ligugé. 375 erbaute er das Kloster Marmoutier in der Nähe von Tours. Später folgten weitere Klöster und Einrichtungen.

Martin erlangte recht schnell große Bekanntheit und wurde am 4. Juli 372 zum Bischof von Tours geweiht. Doch er weigerte sich dem Komfort des Stadtlebens und wohnte weiterhin in einfachen Hütten vor der Stadt.

Heute ist Martin von Tours einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche, der auch in der evangelischen Kirche verehrt wird.

Mehr noch als mit seinen Bauwerken machte sich Martin mit der Christianisierung der Landbevölkerung verdient, indem er Pfarreien einrichtete, die den Menschen den Glauben nahebrachten und religiöse Ansprechpartner bildeten.

Während seiner Stationierung als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens soll sich die legendäre Mantelteilung zugetragen haben. Später entstanden weitere Legenden, von denen die meisten wohl erfunden sind. Doch die Legende vom geteilten Mantel hielt sich beharrlich und wurde Stoff mancher Geschichte. Auch die ersten vier Strophen von Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind erzählen davon. Nach der vierten Strophe erfolgt ein Bruch und es wird von Martins Traum erzählt, in dem ihm Jesus Christus erschien.

Weniger bekannte Strophen

Die weiteren, weniger bekannten, 12 Strophen, die im Liederschatz für katholische Vereinigungen aller Art angeführt sind, schmücken insbesondere Martins religiösen Weg weiter aus:

Sankt Martin bald sein Ziel erreicht
und schnell von seinem Rößlein steigt;
ermüdet legt er sich zur Ruh';
die Augen fallen ihm gleich zu.

Im Traum schaut er ein glänzend Licht
und eine milde Stimme spricht:
Hab Dank, du braver Rittersmann,
für das, was du an mir getan!

Sankt Martin ganz verwundert denkt:
Was hab ich heut' den weggeschenkt?
Ich hatte weder Geld noch Brot
zu lindern eines Armen Not.

Da naht sich wie die Sonne klar,
umringt von einer Engelschar,
mit Martins Mantel angetan,
der Heiland dem erstaunten Mann.

Seht, spricht er zu den Engeln dann,
seht dieser brave Reitersmann
hat heut mit aller Freude mir
geschenkt den halben Mantel hier.

Wer bist Du? fragt Sankt Martin schnell,
da wird's in seiner Seele hell,
er sieht's, es ist der Herr der Welt,
der mit der Hand den Mantel hält.

Und huldvoll schaut er Martin an
und spricht: Was heute du getan
am Bettler, der am Wege saß,
ich nahm's für mich, an mir geschah's.

Nimm freudig nun auch an den Lohn,
der dir bestimmt auf Erden schon:
Du sollst mein treuer Diener sein
als Bischof in der Kirche mein.

Sankt Martin ist dann aufgewacht
und hat sich gar nicht lang bedacht,
schon bald die Taufe er empfing
und dann zu lehren aus er ging.

Und die ihn hören, folgen gern
und dienen fortan Gott dem Herrn;
die Kirch in neuem Glanz erblüht,
wohin Sankt Martin immer zieht.

Sankt Martin war ein Wundermann,
der allzeit Gutes nur getan,
drum ging er auch ins Himmelreich
bei seinem Tode ein sogleich.

Nun feiern alle, groß und klein,
heut mit Gesang bei Fackelschein
sein Fest in Lust und Fröhlichkeit
nach frommem Brauch aus alter Zeit.