Nun ade, du mein lieb Heimatland

August Disselhoff (19. Jh.)

August Disselhoff schrieb den Text auf eine alte westfälische Soldatenweise aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Musiknoten zum Lied Nun ade, du mein lieb Heimatland

Liedtext

Nun ade, du mein lieb Heimatland,
lieb Heimatland ade.
Es geht nun fort zum fremden Strand,
lieb Heimatland, ade.
Und so sing ich denn mit frohen Mut,
wie man singet wenn,
wenn man wandern tut,
lieb Heimatland, ade!

Wie du lachst mit deines Himmels Blau,
lieb Heimatland, ade.
Wie du grüßest mich mit Feld und Au',
lieb Heimatland, ade.
Gott weiß, zu dir steht stets mein Sinn,
doch jetzt zur Ferne zieht's mich hin:
Lieb Heimatland, ade!

Begleitest mich, du lieber Fluß,
lieb Heimatland, ade.
Bist traurig, daß ich wandern muß;
lieb Heimatland, ade.
Vom moos'gen Stein, vom wald'gen Tal,
da grüß' ich dich zum letztenmal:
Lieb Heimatland, ade!

Karaoke

Verfasst wurde das Wanderlied 1851 (nach anderen Quellen: 1848) als Westfalenlied von dem 22-jährigen Studenten August Disselhoff (1829 - 1903). Der spätere Pfarrer und Vorsitzende der Kaiserswerther Generalkonferenz der Diakonissenhäuser studierte zu der Zeit in Halle Theologie. In den Semesterferien hatte er zu Hause die Melodie von westfälischen Rekruten singen hören, und als er Abschied von seiner zweiten Heimatstadt Arnsberg (geboren war er in Soest) nehmen musste, hat er das Abschiedslied gedichtet, angeblich vom Schloss auf den Fluss, die Ruhr, blickend.

In Halle hat er das Lied zum ersten Mal in seiner Studentenverbindung vorgetragen. Zuerst gedruckt erschien das Lied 1853 in Neues Hallisches Liederbuch für deutsche Studenten.

Um das Abschiedslied auch auf andere deutsche Landschaften anwenden zu können, wurde der ursprünglicher Refrain "Westfalenland, ade" bald nach seinem Bekanntwerden in "mein Heimatland, ade" umgedichtet.

Der Dichter scheint den Abschied von "seinem lieben Heimatland" zu bedauern, spricht sich aber selbst Mut zu und singt, wie man es beim Wandern tut. "Es geht nun fort zum fremden Strand", nämlich in seine Studienstadt Halle (vgl. An der Saale hellem Strande). Dabei singt er eigentlich (s. o.) "Westfalenland, ade!". Ob er die ganze Strecke von rund 310 km zu Fuß gegangen ist, ist zu bezweifeln; sicherlich ist er an vielen Tagen mit einer Reisekutsche gefahren oder manchmal vom Postkutscher mitgenommen worden.

Der Wanderer freut sich über das gute Wetter in seinem Heimatland, "deines Himmels Blau". Seine Augen schauen gern auf die (grünen) Felder und Auen (Wiesen am Fluss). Die gibt es ja nicht nur in Westfalen, aber liebt nun mal seine Heimat über alles, und er beteuert, dass "sein Sinn stets nach ihr steht". Doch jetzt "zieht‘s ihn zur Ferne hin", nach Halle an die Universität, denn das neue Semester beginnt.

Die Trauer, dass er sein geliebtes Heimatland verlassen muss, überträgt der Wanderer auf die Ruhr, auf den Fluss, der ihn ungefähr noch einen Tag begleitet. Nicht über Hauptstraßen zieht der Wanderer gen Halle, sondern er geht die kleinen Straßen und Wege durchs Mittelgebirge und grüßt "vom moos‘gen Stein, vom wald‘genTal“ (vgl. die zum populären Wanderlied gewordene Arie aus Der Freischütz von 1817/1821: Durch die Wälder, durch die Auen zum (vorläufig) "letztenmal sein lieb Heimatland".

In der ersten Fassung des Westfalenliedes gab es noch eine Strophe als 3. Strophe; die jetzige 3. Strophe war dort die 4. Strophe:

Westfalen mein, ade!
Gott behüte dich, du liebe Braut,
Westfalen mein, ade!
Wenn ich wieder komm, kehr ich bei dir ein,
dann wollen wir beisammen sein!
Westfalen mein, ade!

Warum diese Strophe seit 1853 nicht mehr in die Liederbücher aufgenommen wurde, wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass es ja fortan "lieb Heimatland, ade" heißt. Andererseits hätte m. E. diese Strophe mit dem geänderten Refrain durchaus bestehen können.

Das Wanderlied ist in ganz Deutschland und auch in Österreich und in der Schweiz bekannt. Seit seiner Entstehung 1851 war es im 19. Jahrhundert eines der Abschiedslieder von deutschen Auswanderern auf den Schiffen nach Übersee. Noch heute wird es gern von Wanderern und von Chören gesungen.

Georg Nagel, 8. Januar 2017