Mein Gmüt ist mir verwirret

Volkslied (16. Jh.)

Musiknoten zum Lied Mein Gmüt ist mir verwirret

Liedtext

Mein Gmüt ist mir verwirret,
das macht ein Jungfrau zart;
Bin ganz und gar verwirret,
mein Herz das kränkt sich hart.
Hab Tag und Nacht kein Ruh,
führ allzeit große Klag,
tu stets seufzen und weinen,
In Trauren schier verzag.

Ach, daß sie mich tät fragen,
was doch die Ursach sei,
warum führ ich solch Klagen
und ich ihr`s sagen frei,
daß sie allein die ist,
die mich so sehr verwundt:
Könnt ich ihr Herz erweichen,
würd ich bald wieder gsund.

Reichlich ist sie gezieret
mit schön`n Tugend ohn Ziel;
höflich wie sich gebühret,
ihres Gleichen ist nicht viel.
Für andern Jungfraun zart
führt sie allzeit den Preis;
wann ichs anschau, vermeine
ich sei im Paradeis.

Ich kann nicht genug erzählen
ihr Schön und Tugend viel;
für Alle wollt ichs erwählen,
wär es nur auch ihr Will,
daß sie ihr Herz und Lieb
gegn mir wendet allzeit,
so würd mein Schmerz und Klagen
verkehrt in großer Freud.

Aber ich muß aufgeben
und allzeit traurig sein,
sollt mir gleich kosten`s Leben:
Das ist mein größte Pein,
denn ich bin ihr zu schlecht,
drum sie mein nicht acht.
Gott wölls für Leid bewahren
durch sein göttliche Macht!