Kling, Glöckchen, klingelingeling

Karl Enslin (1854)

Volksweise (19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Kling, Glöckchen, klingelingeling

Liedtext

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!
Laßt mich ein, ihr Kinder,
ist so kalt der Winter,
öffnet mir die Türen,
laßt mich nicht erfrieren.
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!
Mädchen hört und Bübchen,
macht mir auf das Stübchen,
bring’ euch milde Gaben,
sollt' euch dran erlaben.
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!
Hell erglühn die Kerzen,
öffnet mir die Herzen,
will drin wohnen fröhlich,
frommes Kind, wie selig.
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!

Karaoke

Das Weihnachtslied Kling, Glöckchen, klingelingeling basiert auf dem Gedicht Christkindchens Einlass das der Schullehrer und Dichter Karl Enslin (1819–1875) verfasste. Im Druck erschien es erstmals 1854 in dem von Benedict Widmann herausgegebenen Heft Liederquelle. 100 Gedichte für die Jugend von Karl Enslin. Mit 1-, 2- und 3-stimmigen Original-Kompositionen und Volksweisen.

Die Melodie der Erstausgabe komponierte Wilhelm Speyer (1790–1878). Allerdings konnte sie sich nicht dauerhaft durchsetzen. Der Komponist der heute gesungenen Melodie ist unbekannt, ebenso deren Ursprung.

Karl Enslin gab seinem Gedicht ursprünglich den Titel Christkinds Einlass. Das Christkind selbst kommt im Text aber gar nicht vor. Somit bleibt im Lied offen, ob das Christkind oder der Weihnachtsmann die Gaben bringt. Dies wiederum erleichterte die Rezeption des Liedes über alle Glaubens- und Brauchtumsgrenzen hinweg.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Kling, Glöckchen, klingelingeling häufig in Gebrauchsliederbücher aufgenommen. So beispielsweise 1902 in Liederkranz - Auswahl heiterer und ernster Gesänge für Schule, Haus und Leben (Hrsg.Ludwig Erk & Wilhelm Greef) oder 1915 in Deutsche Lieder - Die beliebtesten Volks-, Vaterlands-, Soldaten-, Studenten-, Weihnachts- und geistlichen Lieder für Klavier und Gesang (Hrsg. Joseph Haas & Christian Knayer).

Spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte Kling, Glöckchen, klingelingeling zu den deutschsprachigen Standards in den Gebrauchs- und Weihnachtsliederbücher. Das Deutsche Musikarchiv hat 231 Tonträger und 193 Notendrucke (Stand Dezember 2016) des Lieds in seinem Bestand und YouTube liefert 16.600 Treffer, was die Beliebtheit des Liedes noch deutlicher aufzeigt. Nahezu jeder deutsche Künstler, der Weihnachtslieder singt, hat das Lied Kling, Glöckchen, klingelingeling im Repertoire.

Die klingelnde Botschaft

Doch wer kommt nun eigentlich im Lied Kling, Glöckchen, klingelingeling zu uns? Wer läutet da die Glöckchen und bittet um Einlass? Der Text lässt die Antwort offen.

In der ersten Strophe heißt es geheimnisvoll:

Laßt mich ein, ihr Kinder,
ist so kalt der Winter,
öffnet mir die Türen,
laßt mich nicht erfrieren.

Umrahmt werden diese Zeilen, wie auch in den anderen beiden Strophen, von den markanten Zeilen:

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling!

Auch die zweite Strophe gibt keine Auskunft über denjenigen, der da vor der Tür steht und um Einlass bittet. Aber nun wird eine Belohnung in Aussicht gestellt:

Mädchen hört und Bübchen,
macht mir auf das Stübchen,
bring’ euch milde Gaben,
sollt' euch dran erlaben.

War die erste Strophe noch eine reine Bitte um Hilfe n der Kälte und die zweite eine Verlockung, so verlangt die dritte Strophe jetzt noch mehr:

öffnet mir die Herzen!
Will drin wohnen fröhlich

Karl Enslin, der erfahrene Schullehrer, verpackt seine Botschaft sehr geschickt und vor allem Kind gerecht. Mit dem spielerisch klingenden "Kling, Glöckchen, klingelingeling" erweckt er die Aufmerksamtkeit und das Interesse seiner kleinen Zuhörer. Und er lässt sie raten, wer denn da vor der Tür stehen könnte. Das Christkind oder je nach Region der Weihnachtsmann? Wer bringt da reiche Gaben?

Das neckische "Kling Glöckchen" verdeckt beinahe die Botschaft der dritten Strophe. Denn da war doch etwas? Richtig, zur Weihnachtszeit kommt nicht nur das Christkind bzw. der Weihnachtsmann mit seinen Gaben, sondern wir erwarten auch die Ankunft Jesus Christus, dem das Christkind seinen Namen verdankt. Auch Jesus möchte, dass wir ihn einlassen, ihm unsere Herzen öffnen. Auch er möchte uns etwas geben.

Vom frommen Kind, dem seligen, spricht die dritte Strophe. Sind die Gaben, die wir angeboten bekommen, vielleicht geistlicher, spiritueller Natur - wenn wir Jesus unsere Herzen öffnen?

Im Stall zu Bethlehem mag es auch kalt gewesen sein, wenngleich nicht so kalt wie in unseren Regionen zur Winterszeit. Auch das Kind in der Krippe wollte in unser aller Leben eintreten, es wollte in unsere Herzen hereingelassen werden. Daran sollten wir auch denken und ihm unsere Herzen öffnen, wenn wir fröhlich singen: "Kling, Glöckchen, klingelingeling, kling, Glöckchen, kling!"

Claudia Nicolai, 21. Dezember 2016