Die schöne Bernauerin

Volkslied

Dem bayerischen Volkslied liegt eine wahre Liebesgeschichte zugrunde: Agnes Bernauer, war eine arme aber schöne Augsburger Baderstochter. Sie heiratete gegen den Widerstand der bayerischen Aristokratie den Herzog Albrecht von Bayern-München. Während dieser im Oktober 1435 auf der Jagd war, ließ ihr Schwiegervater Herzog Ernst sie als Hexe bei Straubing in der Donau ertränken. Herzog Albrecht unternahm daraufhin einen Kriegszug gegen den eigenen Vater der erst durch die Vermittlung von Kaiser Sigismund abgebrochen werden. Allersdings lebte Herzog Ernst noch viele Jahre und arrangierte fürseinen Sohne eine Vernunftehe der reichenAnna von Braunschweig.

Musiknoten zum Lied Die schöne Bernauerin

Liedtext

Es reiten drei Herren zu München hinaus,
Sie reiten wohl vor der Bernauerin ihr Haus:
"Bernauerin, bist du darinnen, ja darinnen?"

"Bist du dann darinnen, so reite heraus!
Der Herzog ist draußen vor ihrem Haus,
mit allem seinem Hofgesinde, ja Hofgesinde."

" Sobald die Bernauerin die Stimme vernahm,
ein schneeweißes Hemd zog sie gar bald an,
wohl vor den Herzog zu treten, zu treten.

Sobald die Bernauerin vors Tor hinaus kam,
drei Herren gleich die Bernauerin vernahm'n:
"Bernauerin, was willst du machen, ja machen?

Ei willst du lassen den Herzog entweg'n,
oder willst du lassen dein'jung' frisches Leb'n,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser!"

"Und eh ich will lassen mein'n Herzog entwegn,
so will ich lassen mein' jung' frisches Leben,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser!

"Der Herzog ist mein, und ich bin sein,
der Herzog ist mein, und ich bin sein:
Sind wir gar treu versprochen, ja versprochen."

Bernauerin wohl auf dem Wasser schwamm,
Maria Mutter Gottes hat sie gerufet an,
sollt ihr aus dieser Not helfen, ja helfen.

"Hilf mir, Maria, aus dem Wasser heraus,
mein Herz lässt dir bauen ein neues Gotteshaus,
von Marmorstein ein Altar, ja Altar!"

Sobald sie dieses hat gesprochen aus,
Maria Mutter Gottes hat geholfen aus
und von dem Tod sie errettet, ja errettet.

Sobald die Bernauerin auf die Brücken kam,
drei Henkersknecht zur Bernauerin kam'n:
"Bernauerin, was willst machen, ja machen?

Ei, willst du werden ein Henkersweib,
oder willst du lassen dein' jung' stolzen Leib,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser!"

"Und eh ich will werden ein Henkersweib,
so will ich lassen mein' jung' stolzen Leib,
ertrinken im Donauwasser, ja Wasser!"

Es stunde kaum an den dritten Tag,
dem Herzog kam ein' traurige Klag:
Bernauerin ist ertrunken, ja ertrunken.

"Auf, rufet mir alle Fischer daher,
sie sollen fischen bis in das rote Meer,
dass sie mein feines Lieb suchen, ja suchen!"

Es kamen gleich alle Fischer daher,
sie haben gefischt bis in das rote Meer,
Bernauerin haben sie gefunden, ja gefunden.

Sie legen s' dem Herzog wohl auf den Schoß,
der Herzog wohl viel tausend Tränen vergoss,
er tat gar herzlich weinen.

"So rufet mir her fünftausend Mann!
Einen neuen Krieg will ich fangen an
mit meinem Herrn Vater eben, ja eben.

Und war' mein Herr Vater mir nicht so lieb,
so ließ ich ihn aufhenken als wie einen Dieb;
war' aber mir eine große Schande, ja Schande."

Es stunde kaum an den dritten Tag,
dem Herzog kam eine traurige Klag:
Sein Herr Vater ist gestorben, ja gestorben.

"Die mir helfen meinen Herrn Vater begrabn,
rote Mänteln müssen sie hab'n,
rot müssen sie sich tragen, ja tragen.

Und die mir helfen mein feines Lieb begrabn,
schwarze Mänteln müssen sie hag'n,
schwarz müssen sie sich tragen, ja tragen.

So wollen wir stiften ein' ewige Mess,
dass man der Bernauerin nicht vergess,
man wolle für sie beten, ja beten!"