Die Rheinbraut

(Christinchen ging in Garten, drei Rosen zu erwarten.)

Volkslied (Anfang 19. Jh.)

Das Volkslied aus dem Rheinland erzählt eine alte Sage, die so oder ähnlich in ganz Deutschland verbreitet ist, besonders in Gegenden großer Ströme.

Volksweise (Anfang 19. Jh.)

Musiknoten zum Lied Die Rheinbraut

Liedtext

Christinchen ging' in Garten,
drei Rosen zu erwarten.
Ein Zeichen sah sie am Himmel wohl stehn,
daß sie im Rhein sollt' untergehn.

Sie ging zu ihrem Vater:
"Guten Tag, herzliebster Vater!
könnte dies, könnte das wohl möglich sein,
dass ich ein Jahr könnte bei dir sein?"

"Mein Kind, das kann nicht gehen,
deine Heirat muss geschehen,
mein Kind, das bild dir nur nicht ein,
denn du musst fahren über den Rhein!"

Sie ging zu ihrer Mutter:
"Guten Tag, herzliebste Mutter!
könnte dies, könnte das nicht möglich sein,
dass ich ein Jahr könnte bei dir sein?"

"Mein Kind, das kann nicht gehen,
deine Heirat muss geschehen,
mein Kind, das bild dir nur nicht ein,
denn du musst fahren über den Rhein!"

Sie ging in ihre Kammer,
beweinte ihren Jammer.
Beweint aus ihres Herzens Grund,
dass sie mit dem König wohl fahren musst.

Der König kam gefahren
mit vierundvierzig Wagen.
Der eine war mit Gold beschla'n,
darin da sollt Christinchen fahr'n.

Christinchen stieg in die Kutsche,
ihre Kleider, die waren verrutschet,
ihre Augen, die waren wie Blut so rot:
"Ach Gott, ach Gott, jetzt kommt der Tod!"

Sie fuhren wohl über die Brücke,
drei Bretter schoben zurücke;
und als sie waren in der Mitte vom Rhein,
die rutsch, die ratsch, fiel Christinchen 'rein.

Der König zog aus der Taschen
ein Tuch schneeweiß gewaschen,
ein Messer das war wie Blut so rot,
damit stach sich der König wohl tot.