Jahreszeiten

Weihnachtslieder

Wie das russische Volk Weihnachten feiert

Von Christa Schyboll

Während bei uns das Geschenkpapier der Weihnachtsgaben längst säuberlich im Altpapiercontainer entsorgt ist, der Tannenbaum bereits nadelt oder schon abgebaut wurde, begehen die russisch-orthodoxen Christen das Weihnachtsfest. Man schreibt dann bereits den 7. Januar. Nach Ostern ist Weihnachten in Russland das zweitwichtigste religiöse Fest, dass aber erst im Jahre 1991 zu einem offiziellen Feiertag erklärt wurde.

Warum so spät? Die Oktoberrevolution von 1917 war es, die dieses Fest ebenso verbot, wie auch andere religiöse Feste. Das führte zu einem Bruch, der so manche liebgewonnene Bräuche vorübergehend vergessen ließ. Interessant ist der Umstand, dass die Katholiken in Russland, die eine Minderheit darstellt, das Weihnachtsfest erst am 25. Januar feiert. Die Differenzen in den Daten erklären sich durch die beiden berühmten Kalendarien des julianischen und gregorianischen Kalenders.

Zehn Prozent der russischen Bevölkerung besucht laut einer Umfrage eine Messe in der Kirche zu diesem Anlass und begeht das Fest zuhause mit einem festlich gedeckten Tisch. Zuvor jedoch gibt es für die orthodoxen Christen eine 40-tägige Fastenzeit, die bis zum 6. Januar andauert. Immerhin sind Nüsse, Trockenfrüchte und Honig in gewissen Maßen erlaubt, was die Fastenzeit ein wenig versüßt. Fleisch, Käse, Milch, Butter und Eier jedoch sind tabu. Gemüse, vor allem Kohl, teilweise auch Fisch sind für jene, die diesen Brauch noch leben, eine Alternative.

Die Fastenzeit bezieht sich jedoch nicht nur auf die kulinarischen Genüsse. Man ist darum bestrebt, auch den Geist zu läutern. Insofern ist die Enthaltsamkeit ganzheitlicher zu sehen, als nur eine bloße Diät. Man sollte in dieser Zeit ganz besonders auf seine Gedanken, Gefühle und Taten achten und das Böse vermeiden. Gebete waren dazu von jeher ein probates Mittel vieler Gläubigen.

Der Heilige Abend wird zumeist mit einer schönen Lichter-Prozession gefeiert und mit sehr viel Gesang. Mittlerweile ist das Weihnachtsfest der orthodoxen Christen so tief in der Mitte der Bevölkerung angekommen, dass auch Politiker an diesem Fest aktiv und offiziell teilnehmen und das Fest im Fernsehen übertragen wird.

Väterchen Frost

Zu erwähnen ist Väterchen Frost. Hierbei handelt es sich um eine dem Weihnachtsmann ähnelnde russische Märchenfigur, die in der Neujahrsnacht die Kinder beschenkt. Diese schöne Tradition hat sich über Russland hinaus auch in anderen osteuropäischen Ländern zur Freude der Kinder etabliert. Väterchen Frost trägt einen langen, dicken weißen Bart. Er führt ein magisches Zepter, dessen Spitze alles gefrieren lassen kann, wenn es etwas berührt. Seine Heimstatt ist in der Taiga. Wenn er die Kinder besucht, fährt er in einem großen Schlitten vor, der von drei Schimmeln oder auch von Rentieren gezogen wird. Zum Schutz vor Kälte trägt er einen wärmenden Pelzmantel.

Ursprünglich verkörperte die Figur des Väterchen Frost den Winter und hatte nichts mit dem heiligen Nikolaus zu tun. Er fiel jedoch später ebenfalls wie das Weihnachtsfest der Christen der Oktoberrevolution vorübergehend zum Opfer. Mittlerweile ist Väterchen Frost im Volk so beliebt, dass man ihm sogar ein offizielles Weihnachtspostamt einräumte. Hierhin kann man schreiben und bekommt auch unter Umständen sogar eine Antwort.

Auch in anderen slawischen Ländern kennt man diese Gestalt und nennt sie in einigen Ländern Deda Mraz. Die orthodoxe Kirche bemüht sich noch immer darum, dem Volk den Unterschied zwischen dem Heiligen Nikolaus und Väterchen Frost nahezubringen. Denn hier handelt es sich nicht um die gleiche Figur, auch wenn eine gewisse äußere Ähnlichkeit das viele Menschen vermuten lässt. Doch dem Volk sind diese Unterschied nicht ganz so wichtig. So werden die unterschiedlichen Legenden und Ursprünge, die sich um beide ranken vermischt.

Noch immer lebt aber auch zu Weihnachten noch der heidnische Brauch zur Verehrung der Sonne im russischen Volk, die man zum Fest ebenfalls gern mit besingt. Begleitet werden die Wünsche um eine reiche Ernte zudem auch mit dem tiefen Wunsch nach einer glücklichen Ehe.