Volksweise

Formale Einteilung der Lieder

Während das Volkslied aus der Gesamtheit einer Nation wie von selbst herauswuchs, haben auch die Dichter schon in frühen Zeiten Lieder verfasst, welche wohl zunächst Nachbildungen und Nachahmungen des Volksliedes waren, alsbald jedoch in Form und Inhalt zu selbstständigen künstlerischen Gestaltungen wurden. Ein Hauptmerkmal der Liederpoesie aller Zeiten ist, dass sie für den Gesang bestimmt war und erst durch diesen ihren vollen Abschluss fand; während andere Dichtungsarten ihren ganzen Inhalt im Worte aussprechen, lässt das Liedergedicht noch Etwas offen, das erst durch den Ton seinen rechten Ausdruck findet; so bei den alten Griechen, bei den Arabern, Spaniern, Italienern; so noch mehr bei den deutschen Klassikern, welchen der Ruhm gebührt, das Lied in geistiger wie formeller Beziehung auf die höchste Stufe gebracht zu haben.

Das Lied ist der poetisch wie musikalisch so einfach als möglich gehaltene Ausdruck einer gemäßigten Empfindung. Demnach liegen ihm heftige Leidenschaften und lauter Jubel wie auch volle Verzweiflung fern. Dagegen sprechen sich Empfindungen wie Frömmigkeit, Freude über die Natur, Liebe und Freundschaft aber auch froher Genuss des geselligen Lebens sowie auch Erinnerung, Hoffnung und sanfter Schmerz gerne im Liede aus.

Dem textlichen Inhalt nach unterteilt man die Lieder vor Allem in geistliche und weltliche, und die letzteren wieder in erzählende, beschreibende oder gesellige sowie in Liebeslieder, Jagdlieder, Gebirgslieder, Schifferlieder, Kriegs- und Soldatenlieder oder auch Wanderlieder, um nur einige zu nennen.

Der Form und Struktur nach zerfallen die Lieder in strophische und durchkomponierte Lieder. Erstere ist die eigentliche Urform des Liedes. Hier dienen schon Sprache, Versmaß und Strophenbau durch Wohlklang, Rhythmus und Symmetrie der musikalischen Bestimmung.